Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 21. 1981 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1984)
Tanulmányok – Abhandlungen - Kiss Attila: Archäologische Angaben zur Geschichte der Sättel des Frühmittelalters. p. 189–207.
III. SÄTTEL MIT ZOOMORPHEM METALLBESCHLAG AM SATTELBOGEN Nach der Zeit der mit Gold- oder vergoldeten Bronzeplatten verzierten Hunnensätiel (d. h. vom letzten Drittel des 5. bis letzten Drittel des 7. Jh.) wurde in Europa im Kreise der Vornehmen die Verzierung des Sattelbogens mit zoomorphen Metallbeschlägen gebräuchlich. In fast allen europäischen Ländern wurden Gräber mit Sättel, oder Preßformen zur Herstellung von Sattelbeschlägen gefunden, so z. B. gepidische (Apahida II, „Jankovich-Fund"), fränkisch (Wesel-Bislich) skandinavisch (Vallstenarum), langobardische (Castel Trosino, Nocera Umbra), slawische (Martinovka, Fönlak, im historischen Ungarn vor 1918), pontisch-bulgarisch (Malája Perescepina). Der goldene Schildrahmen vom „Ufer des Sárvíz" (Kom. Tolna) (HAMPEL 1905, II, 46; III. 39; ALFÖLDI 1932, 77, Taf. 9) wurde früher als Sattelbogenverzierung bezeichnet (HoredtProtase 1972, 204, Anm. 71). Entsprechend der neuen Restaurierung des Fundes (Ilona Kovrig und Géza Báthy, im Jahre 1978) kann dem jedoch entgegengehalten werden, daß 1. der Fund das Bruchstück eines vollkommen symmetrischen Gegenstandes ist, also nicht als assymetrische Verzierung am Bogensattel bestimmt werden kann; 2. wegen seiner größten Breite (47— 48 cm!) kann dieses Bruchstück nicht zu einem Sattel gehört haben. Über die Form der Sättel mit zoomorphen Beschlägen aus Edelmetall besitzen wir weniger Angaben, eben mangels der metallenen Platten am Sattelbogen. Bloß zwei Funde leisten Hilfe zur Feststellung der Form : die Gegenstände des Fundkomplexes von Vallstenarum und des Grabes 446 von Wesel-Bislich (die Sättel in den Gräbern Vendel XII und XVI ergänzen unsere Kenntnisse nur wenn wir die zwei oben erwähnten Sättel kennen). In Vallstenarum wurden bei nicht archäologischen Ausgrabungen Gegenstände gefunden, welche die Rekonstruktion des vorderen und des hinteren Sattelbogens ermöglichten. In der Rekonstruktion von Norberg (1929, Abb. 17— 18) scheinen jedoch folgende Elemente nicht geklärt zu sein: a. Wenn die Vorderansicht der Stücke Nr. 1260 und 1262 (NERMAN 1969) von Vallstenarum fast gleich sind, Nr. 1260 jedoch eine flache Vorderplatte, ist, demgegenüber Nr. 1262, ein gebogener Band war, ist es wieder nicht klar, warum sie nicht auf den vorderen Sattelbogen angebracht wurden (vgl. Abb 5—6), ferner Nr. 1262 auf den vorderen Rand des Sattelbogens und Nr. 1260 auf die vordere Plate des Sattelbogens Man fragt sich, weshalb befinden sie sich am Rand der beiden Bogenseiten? b. Warum reichen die Rand und die metallenen Sattelbogenplatten nicht bis zu den Sattelbretter? Wenn sie bis zur Bretterhöhe reichten, würden beide Sattelbögen um ca. ein Viertel niedriger gewesen sein, was wahrscheinlich der einstigen Form des Sattels besser entsprechen würde. с An beiden Sattelbögen fehlt jener untere Bogen über der Wirbelsäule des Pferdes, welcher an jedem Sattel sine qua non beobachtet werden kann (Norberg 1929, Fig. 7—8). d. Es ist unwahrscheinlich, daß Metallband Nr. 1262b am Rand der Sattelbretter befestigt war, dies kann jedoch auf Grund der uns zur Verfügung stehenen Dokumentation nicht als sicher behauptet werden. Ein wichtiger Fund, nämlich ein Sattel im Frauengrab 446 von Wesel-Bislich beleuchtet den Aufbau, die Abmessungen und das Verzierungssystem der frühmittelalterlichen europäischen Sättel (Janssen 1981). Die Einfassungen an den Enden der Sattelbretter bestimmen sogar die Länge der Sattelbretter: 57 cm (Janssen 1981, 159). Die Randeinfassung des vorderen und hinteren Sattelbogens bzw. die erhaltenen Holzreste (Bergahorn) (Janssen 1981, Abb. 5—7, Taf. 36—37) ermöglichten die fast vollständige Rekonstruktion beider Sattelbögen. Der Sattelrekonstruktion Janssen's (1981, Abb. 8,5) können folgende Ergänzungen zugefügt werden: a. An der Janssenschen Rekonstruktion von 1981 (Abb. 8,5) des Sattels aus Grab 446 von Wesel-Bislich fällt die Höhe der Bogenöffnung auf. Da die Stelle des oberen Teiles der Öffnung durch Holzreste bewiesen ist (Janssen 1981, Abb. 6—7, Taf. 36; 38), mag der Fehler in der Rekonstruktion des unteren Teiles des Sattelbogens liegen. Die Sattelbretter unter den Bögen schliessen an der Rekonstruktion einen Winkel von etwa 130° ein, welcher laut den Messungen von G y. László (1943, Abb. 69). bloß 109—117° betragen haben dürfte. Wenn also die Sattelbretter etwas steiler stehen würden, wäre auch der untere Teil des Sattelbogens kürzer. Daß dies nicht nur von unserem modernen Auge sehend so eingeschätzt wird, machen auch die erhaltenen Holzreste der Bögen glaubhaft: an beiden Bogenteilen (Janssen 1981, Taf. 36,8; 38,2) ist klar ersiehtlieh, daß die Linien des Innenrandes der Sattelbögen beim fuß der linken Adlerfigur von oben nach unten gesehen auswärts, biegt d. i. gegen den äußeren Rand des Sattelbogens plötzlich abbrechen und somit berührt der innere Bogenrand fast den herzförmigen Laschenbeschlag. Die Erklärung mag darin liegen, daß die Sattelbretter auf dieser plötzlich abbrechenden Fläche des Sattelbogens auflagen. Wenn die Sattelbretter im veränderten Winkel angeordnet sind, wird die zu lange Bogenöffnung verkürzt und die so erhaltene Form (vgl. Abb. 7) würde mehr der gewohnten Form entsprechen. b. An der Rekonstruktion des Bislicher Fundes reichen die Sattelbretter seitwärts in beiden Richtungen über die Enden der Randeinfassung des Sattelbogens. (Janssen 1981, Abb. 8,5; hier Abb. 7). Falls die vorgeschlagene Änderung der Position der Sattelbretter angenommen würde, könnte der Rand der Sattelbögen mit seiner 26 cm Breite betragenden Basis (Janssen 1981, 157) der äußeren Breite der unter ihnen liegenden Sattelbretter entsprechen; im Falle von 12 cm breiten Bretten würde die Rekonstruktion dem Original ähnlicher sein, wo die Breite der Bogenbasis gleich der der Brettränder ist. Die zoomorphen Beschläge an den europäischen Sätteln des 5—7. Jahrhunderts können in zwei Gruppen geteilt werden: 1. An den Sätteln der früheren Gruppe sind Adler-bzw. Vogelbeschläge (Apahida II; Wesel-Bislich, Grab 446; Valsgärde 7 ; Vallstenarum ; Jankovich-Gold). Diese Vogeldarstellungen kommen alle in germanischer Umgebung vor. Daß diese Figuren in der germanischen Mythologie 13* 195