Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 13. 1972 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1974)

Tanulmányok – Abhandlungen - Radan, T. G.: Angaben zur Frage der sogenannten „Leuchttürme”. XIII, 1972. p. 149–161.

Baumodelle hat es schon in der Antike gegeben, und sie bedeuteten für den Architekten eine viel konkretere Dokumentation als etwa die technischen Zeichnungen, unserer Tage. (l7) Die Voraussetzungen, die bei der Anfertigung von Baumodellen in der Antike unerläßlich waren, wurden von Berndorf in drei Punkten festgelegt. (18) Zum einen mußten die Modelle dem zu errichtenden Bauwerk dimensions­mäßig entsprechen. Zum anderen wurden Modelle nur zu wichtigen Gebäuden angefertigt. Schließlich hat es zwar möglicherweise auch Lehmmodelle gege­ben, doch wurden zu diesem Zweck vorzugsweise edle Baustoffe benützt. Selbst wenn es sich im Falle der kleinen Keramik­türme um konkrete Modelle handeln könnte, scheinen solche Bauwerke nicht die Bedeutung zu haben, die die Anfertigung eigener Modelle veranlassen würde. Auch wurden sie mit einem recht groben Verfahren hergestellt und ungenau zusammengebaut, und besitzen nicht viel Ähnlichkeit mit den uns bekannten, exakt ausgeführten Baumodellen. Modelle wie etwa diese Türme hätten einem Zimmermann oder Mau­rermeister nur unzulängliche Anhaltspunkte geben können. Die Hypothese, wonach die kleinen Keramiktürme Baumodelle gewesen sein sollten, ist also in dieser Form unakzeptabel, obgleich man nicht vergessen sollte, daß die diesbezügliche Theorie bereits früher vielfach als überholt galt. Wenn nun diese Türme auch nicht als Modelle wirklicher Bauwerke in Betracht kommen, so sind sie doch dazu geeignet, daß wir gewisse architekto­nische Elemente an ihnen studieren. Obgleich sich die Hersteller in einzelnen Details in einen struktu­rellen Akrobatismus einließen und des öfteren nicht die rationelle Lösung darstellten, spiegeln manche Einzelheiten die ursprüngliche architektonische Kon­zeption wieder und sind mit bekannten Baukonstruk­tionen vergleichbar. Das Stück Nr. 3 von Gorsium weist eine besondere, wenngleich in Pannonién nicht einzigartige Kon­struktion auf. Das zweite Stockwerk, dessen An­sätze in Bruchstücken oberhalb des Gesimses noch sichtbar sind, ist durch dreieckige Öffnungen durch­brochen, welche in Form einer Zickzack-Verzierung das nächste Stockwerk oder gegebenenfalls die Dachkonstruktion tragen. Es handelt sich in jedem Falle um eine Balken- bzw. Fach Werkkonstruktion. Zugleich sind jedoch die Fensteröffnungen der Stock­werke die Nachahmungen von Öffnungen eines stei­nernen Turmes und keines Fachwerks. Auf dieser Grundlage vergleichen wir die Türme mit verschiede­nen Bauwerken innen- und außerhalb der Provinz. Auch die Beweisführung, wonach die kleinen Türme die verkleinerten Nachahmungen eines Grabdenk­mals sein sollten, scheint uns nicht überzeugend zu sein.< 19 > Auf der Suche nach konkreten Vorbildern wäre es naheliegend, die Analogien dieser Türme an Ort und Stelle und nicht in entlegenen Provinzen finden zu wollen. In der Fachliteratur finden sich Hinweise, wonach die Türme mehr oder weniger genaue Nach­ahmungen jener Türme gewesen sein sollten, die der Töpfermeister in der näheren oder weiteren Umge­bung gesehen haben mochte. <20) Aufgrund der verschiedenen Theorien und der un­gewissen, nur zum Teil akzeptablen Analogien sehen wir uns veranlaßt, zwei Fragen zu stellen. Es fragt sich einerseits, ob die Hersteller dieser Türme durch die hölzernen oder steinernen Varianten der Limestürme oder die verschiedenen Türme über den Lagereingängen und Stadttoren inspiriert waren, und anderseits, ob die Hersteller derartige Türme in ihrer Umgebung überhaupt gesehen haben konnten? Der Vergleich mit den Limes-, Lager- und Stadttor­türmen — auf die schon mehrere Autoren in bezug auf gewisse Details hingewiesen haben — ermöglicht tat­sächlich die Aufstellung bestimmter Analogien. Man kann an den Türmen ähnliche oder sogar gleiche Ein­zelheiten entdecken, aber auch solche, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Über solche al­leinstehende Türme oder Stadttore ist uns in Panno­nién nichts bekannt, auch haben die Ausgrabungen nichts dergleichen zum Vorschein gebracht. Wenn wir überhaupt nach Vorbildern suchen, so können wir allenfalls die Vermutung zulassen, daß sich die Hersteller der kleinen Türme durch Bauwerke aus verschiedenen Baustoffen und von unterschiedlicher Bestimmung inspirieren ließen, aber von einer maß­gerechten Nachahmung kann keine Bede sein. Auch der Hersteller des Tormodells von Intercisa konnte keinen Eingangsturm oder Turm seiner Um­gebung nachgeahmt haben, denn ein derartiges Bau­werk ist weder in Intercisa noch in der Umgebung vorgekommen/ 210 Auch das gleichzeitige Vorhan­densein kreisförmiger und viereckiger Türme läßt sich in dieser Epoche auf kein pannonisches Vorbild zurückführen. Zweifellos haben die Hersteller der Türme gewisse architektonische Elemente der Wirklichkeit entlehnt, doch ist es uns nach dem gegenwärtigen Stand unse­rer Kenntnisse nicht möglich, ein konkretes Vorbild zu bestimmen. Der Umstand, daß diese Türme in so vielen Varian­ten vorkommen und in ihnen Wirklichkeit mit Phan­tasie vermischt ist, ergibt sich, wie wir es noch sehen werden, aus ihrer Funktion. (17) A. D. MICHAELIS, Die Zeit des Neubaus desPolias­tempels in Athen. AthMitt, XIV, 1889, 361. (18) O. BENNDORF, 2 Bruchstücke von Tonreliefs — An­tike Baumodelle. JÖAI, V, 1902, 178. (19) Of. Arim. 10. (20) L. NAGY, О. С, 182; F. DREXEL, Rom. Germ. Korr. B1.,I, 1908, 59. (21) Die Ansichten über das Keramiktor von Intercisa cf. Anm. 16 und L. NAGY, О. С, 182 sowie К. PÓCZY, О. с. 155

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