Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)

László Lukács: Feuerstätten im ost-transdanubischen Haus

aus Geflecht, mit Holzgerüst (Katona 1962, 99—100). Mit der Verbreitung des offenen Rauchfangs wurde auch der Stubeneingang aus dem Hof abgeschafft, die eine Tür aus der nunmehr rauchlosen Küche in die Stube möglich wurde. In Őcsény (Kom. Tolna) konnte Aladár K o v á c h diesen Veränderungsprozeß nur mehr am Haus eines armen alten Mannes untersuchen: „Der alte Péter Bíró verschloß den Stubeneingang mit verputztem Geflecht und machte in der Zwischenwand eine andere Türöffnung, in der Küche errichtete er einen kleinen Backofen und, damit der Rauch durch die Seitentür doch nicht in die Stube eindringe, fügte er über dem Backofen dünne Bal­ken im Viereck zusammen; darauf kam ein zylinderförmi­ger Rauchfang aus Geflecht, der sich unten trichterförmig ausbreitete und ebenfalls mit Lehm verputzt war.“ (Ko­­vách 1903, 15.) In Báta (Kom. Tolna) erinnerten sich alte Dorfbewohner gegen Ende der 30er Jahre, daß sie in früheren Zeiten lehmverputzte Rauchfänge aus Geflecht anfertigten (Csalog 1939, 36). Zur Bezeichnung der äußeren Hälfte der mit freiem Schornstein versehenen Küche, zweigeteilt durch das Gewölbe oder die beiden kleinen Scheidewände auf der Höhe des das Schornsteingewölbe stützenden Hauptbal­kens wird im östlichen Transdanubien der Ausdruck pitvar (Vorlaube) nicht benutzt (Vajkai 1940, 313; Katona 1962, 100; Lukács 1982, 138). Zur Unterscheidung der beiden Teile werden im Mezöföld-Gebiet die Bezeichnun­gen konyha belseje (Kücheninnenraum) oder kéményalja (Schornsteinboden), bzw. konyha külseje (Küchenaußen­raum) benutzt (Vajkai 1940, 313; Lukács 1982, 138). In Bogyiszló und in Báta (Sárköz-Gebiet) hat der äußere Teil der Küche keinen eigenen Namen, der innere Teil heißt kéményalja. In Ost-Transdanubien wird also der ganze Raum Küche genannt. Die im hier untersuchten Gebiet zu findenden Schorn­steine wurden meistens aus Ziegelsteinen gebaut. An manchen Stellen besteht das Rauchfanggewölbe aus un­gebrannten Lehmziegeln, der frei stehende Teil außerhalb des Daches ist aber in jedem Fall aus Ziegelsteinen. Die auch heute stehenden offenen Schornsteine sind von „vollständiger“ Größe, d. h. ihr Gewölbe, auf dem der im Dachboden immer enger werdende und schließlich das Dach durchbrechende Schornstein steht, überdeckt den ganzen inneren Teil der Küche. Solche freien Schornsteine sind in Mezöszilas in den Häusern Petőfi Straße 6 und Gyep Straße 2 zu finden, wo an den Hauptbalken die Jahreszahlen ANNO 1824 bzw. ANNO 1833 zu lesen sind. József Kücsán schildert die Form, die Konstruktion und den Baustoff des freien Schornsteins im südlichen Mezöföld-Gebiet wie folgt: „Der Schornstein wölbt sich über dem inneren Teil der Küche in der Form eines viereckigen Zeltes. Seine vier Seiten ruhen auf je einem Bogen aus Ziegeln, drei Seiten werden zur Wand am Eingang immer enger; auf dem Dachboden nimmt er eine prismatische Form an und durchbricht so das Dach. Der Teil oberhalb des Daches wird immer aus Ziegelsteinen gebaut, damit er vom Wetter nicht beschädigt wird. Da sie recht umfangreich sind, werden die Schornsteine oben mit einem halbkreisförmig gebogenen Blech oder einem Ziegelgewölbe überdeckt, damit es nicht hineinregnet. Bei der Errichtung des Schornsteins werden in das untere Drittel 3—4 Rundhölzer eingebaut, auf die das Fleisch zum Räuchern gehängt wird. Der Schornstein wird innen und außen sorgfältig mit Lehm verputzt, damit keine Funken auf das Dach hinüberspringen.“ (1979, 313.) Aus Sicherheitsgründen werden an manchen Stellen Eisenstangen für das Pöckelfleisch eingebaut. Der Csák­­várer Töpfermeister Ferenc Naszádos notierte 1869 an­läßlich des Umbaues seines Hauses: „Für 2 Eisenstangen in den Rauchfang 20 Kreuzer.“ Dünnere Hölzer, an denen das Fleisch im Rauch hing, wurden quer über die ein­gebauten Stangen gelegt. In Tác zeichnete Jenő Barabás 1959 folgendes über die Feuerstätten mit freiem Schornstein auf: „Die Küche ist mit dem Durchzugbalken oder einem Gewölbe zweigeteilt. Über der hinteren Wand war ein Gewölbe mit freiem Schornstein. Darunter ein viereckiger Backofen, in dem gebacken, aber nicht gekocht wurde. An der Seite des Backofens stand ein offener Herd, auf dem gekocht wurde. Ein solcher Herd (ung. tüszhel) konnte auch an beiden Seiten vorhanden sein. An der rechten oder linken Küchenwand, oder auch an beiden Wänden konnte ein Kesselofen, ein offener Herd oder eine Feuerbank und ein Sparherd sein, darunter Holz- und Aschenlöcher. Von der Feuerbank ging die Heizöffnung des Wärmofens oder Kachelofens der Stube aus, der von hier aus geheizt wurde. Der Rauch des Kesselofens, des Backofens, des Sparherdes und der Stubenheizung konzentrierte sich hierher und zog durch den freien Schornstein ab.“ Diese Aufzeichnung spiegelt das Feuerungssystem der ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts wider. Den guten Luftzug der freien Schornsteine sicherten die zweiteiligen Türen. Öffnete man den oberen Teil, kam frische Luft in die Küche; den unteren Teil ließ man geschlossen, um das Geflügel fernzuhalten. Aus demselben Zweck wurde vor die Tür ein sich auswärts öffnendes Lattengitter, halb so hoch wie Tür, gestellt, welches hauptsächlich im Sommer benutzt wurde. Im hier untersuchten Gebiet sind die offenen Schorn­steine in den Jahren 1900—1950 fast völlig verschwunden. In diesem Zeitraum wurden die Küchen mit Stukkatur ver­sehen. Heute sind in Sukoró im Volkskundlichen Freilicht­museum (Szilvás sor 7) und in Füle im Landschaftsmuseum (Széchenyi Straße 107) solche Schornsteine zu sehen, die unter Denkmalschutz stehen. Auch die Gesindehäuser der Herrschaftsgüter wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jh. in Ost-Transdanubien mit offenen Schornsteinen gebaut. Aus Ercsi haben wir den Originalplan eines Gesindehauses für elf Familien — da die Maße in Meter angegeben sind, wurde es im letzten Drittel des Jahrhunderts gebaut. Für das 57 m lange und 9 m breite Gebäude wurden vier Küchen mit offenem Schornstein geplant. Das Ziegelgewölbe sämtlicher Küchen war „vollständig“, überdeckte also den ganzen inneren Teil der Küche. Eine große gemeinsame Küche (32 m2) wurde von mehreren Familien benutzt, hier war der innere Teil durch ein 5,74 m langes und 2,18 m breites Schornsteingewölbe über­deckt. Leider wurde das Gesindehaus mit Stein- und Ziegelmauer und einem Schilfdach (in Ercsi, in der heutigen Dózsa György Str.) im Jahre 1958 abgerissen. Eine ähn­liche Gemeinschaftsküche in Hegyempuszta bei Nagy­­dorog (Kom. Tolna) aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts beschrieb Gyula Illyés in seinem Buch Pußtavolk: „Die Türen von vier Stuben gingen auf die 91

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