Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)
Antal Juhász: Beiträge zum Rauchfang und zur Heizvorrichtung der Küche des Bauernhauses auf der Grossen Ungarischen Teifebene im 18. und 19. Jahrhundert
Abb. 6.: Bauplan der Wohnung des Vizekapitäns in Szeged—Ásotthalmi puszta, 1835 Heizvorrichtung verbreitete sich auf dem südlichen Gebiet des Komitats Hajdú und im Komitat Bihar. Achtzig — hundert Jahren später können auf Grundrißplänem in Szeged vom Anfang des 19. Jahrhunderts ähnliche Heizvorrichtungen der Küche, und zwar der Tiefebene jenseits der Theiß erkannt werden, und die zeitliche Abfolge der Typen zeigt auch eine Übereinstimmung. In dem Archivmaterial von Szeged und in den Daten der Geländeforschung von G y ö r f f y vom Anfang des 20. Jahrhunderts erweist sich die Mittelbank der Küche als älter. Die gemeinsame Verwendung der Mittelbank und der Seitenbank vor dem Ofenloch kann auch für eine übereinstimmende Charakteristik gehalten werden. Die Seitenbank wurde vermutlich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts dominant, es ist aber nicht ganz ausgeschlossen, daß diese Form der Feuerung in der Küche durch neuere Quellen noch modifiziert wird. Die aus den Quellen des beginnenden 19. Jahrhunderts sowie aus den Feststellungen der Geländeforschung vom Anfang des 20. Jahrhunderts gewonnene Ähnlichkeit der Heizvorrichtungen von zwei verschiedenen Gebieten in der ungarischen Tiefebene ist aber nicht ohne Bedeutung. Auf die Landschaft bei Szeged zurückkommend, muß es erwähnt werden, daß zur Jahrhundertwende und Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Feuerstätten in den Küchen von Szeged und Tápé abgebildet wurden. Auf einer Photoaufnahme von János Kovács ist ein Vorraum (eigentlich Küche ~ pitvar) zu sehen, in dem in hinteren Teil, also in der eigentlichen Küche, eine Mittelbank, und auf den beiden Seiten vor den Ofenlöchern niedrigere Bänke errichtet wurden. Die Beschreibung von Kovács gibt uns kurze Informationen über die Wandlungen der Feuerstätten in der Küche: „Der Innenteil des Vorraums (pitvar) ist die Küche, in deren Mitte anfangs der aus dem Hof eingebrachte offene Feuerherd stand, aber im Laufe der Zeit wurde die Feuerstelle auf der Bank an der Seitenwand der Küche errichtet.“ Zur Zeit der Jahrhundertwende fügt er hinzu: „Es gibt Häuser, in denen die Küchen und Vorräume im ganzen als Prachträume dienen (hervorgehoben von Kovács selbst) und man kocht eher in einer hinteren „kleinen Küche“, heute schon zumeist auf einem Sparherd (sparhért)".(13) Über die Feuerstätten der Küchen von Szeged werden von Kovács die gleichen Behauptungen vorgebracht, die aufgrund der von Cs. Sebestyén veröffentlichten Grundrisse aus dem 18. Jahrhundert und der übrigen Quellen aus dem 19. Jahrhundert festgestellt werden können. Es ist zu bedauern, daß die Umwandlung, d. h. die Verlegung der Feuerstelle von der Mittelbank auf die Seitenbank von Kovács zeitlich nicht bestimmt wurde, obwohl er in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts noch in der Lage war, sich darüber bei den Älteren erkundigen zu können. Eine beinahe gleiche Küche wie auf dem Lichtbild von János Kovács wird auf einer Aufnahme im Museum Ferenc Móra aus dem Jahre 1908 in Szeged-Alsóváros (Untere Stadt) dargestellt. (Taf. I.: 1. Photographien-Sammlung des Museums Ferenc Móra Nr. 50.) An der Hinterwand der Küche steht eine Mittelbank vom stark gegliederten Profil, hinter dieser wird noch ein schmales Gesims gestaltet. Auf der linken Seite ist die Bank vor dem Ofenloch mit zwei Kupferpfannen genau wahrzunehmen, auf der rechten Seite in der inneren Ecke ragt ein Feuerherd von wesentlich höherer Gestalt als die Seitenbank hervor. Die Küchenwand über der Schlußhöhe wird durch mit Blumen verzierte irdene Teller und Schalen dekoriert, die nach bürgerlichem Geschmack gemalt sind. Das Lichtbild zeigt, daß (13) Kovács 1901, 195. Kovács ist der Verfasser der ersten Monographie über das Volksleben in Szeged. 129