Lukács László (szerk.): Märkte und Warenaustausch im Pannonischen Raum - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 28. (Székesfehérvár, 1988)

Imre Gráfik: Töpfer aus dem Tal von Velemér

bereits erwähnte Ausstellung befasst sich, neben der Darstellung der Töpfe­reikunst, auch mit der Dokumentation des Handels. Die Besucher der Ausstel­lung konnten ein Objekt bzw. eine Sachgruppe besichtigen, die für das Zusam­menwirken von verkehrskulturellen, sozioökonomischen und werkzeuggeschicht­lichen Faktoren standen und zudem für die Ausstellung als spektakulär ange­sehen werden können: den Lieferwagen der durch die Dörfer ziehenden Töpfer aus dem Tal von Velemér -den sogenannten Somogyer Wagen aus Somogy. Die Benennung "Somogyer Wagen" verrät schon viel. Das Wort Wagen bedeutet ein Werkzeug mit vier Rädern, geeignet hauptsächlich für jenen Gütertrans­port, dessen Bespannung mit Rind oder Pferd möglich ist.(8) Das Wort Wagen bezieht sich heute ausschliesslich auf die Anspannung von Rin­dern. Der von Pferden gezogene Világén wurde vorzugsweise Pferdewagen genannt, es war aber auch einfach die Bezeichnung Wagen verbreitet. Die Eigenart des Transportwerkzeuges besteht aber nicht darin, dass es Pferde angespannt wur­den, sondern viel mehr darin, dass es Teil eines eigenartigen Arbeitsvorgan­ges und an gewisse Gelegenheiten und Orte gebunden ist, worauf auch der Name Somogyer Wagen hinweist. Dieser Wagen hat nämlich bei den Benutzern den Namen deswegen bekommen, weil im Komitat Somogy mit ihm gefahren wurde, hauptsäch­lich im Komitat Somogy, doch manchmal auch weiter, im Komitat Tolna, oder Baranya. Dezső Czugh aus Magyarszombatfa schreibt: "Unter Somogy hat das Volk das Gebiet des Komitats Zala, Somogy und einen kleinen Teil von Tolna und Baranya verstanden. Durch diese Gebiete zogen sie mit ihren Töpfen und tauschten sie gegen Getreide."(9) Eine seltenere, andere Benennung des Trans­portwagens, nämlich "Töpfereiwagen", bedarf keiner weiteren Erklärung. Zu Beginn der 1970er Bahre konnte man noch den Somogyer Wagen mit seinen rei­chen Zubehör antreffen. Seine Funktion war, dass man damit die Waren, die die Töpfer aus den Dörfern im Tal von Velemér erzeugten, zu den Einwohnern der entfernten Dörfer transportierte. So ein Weg von mehreren Tagen - es gab Töpfer, die auch zwei Wochen unterwegs waren, entfernt von Familie und Dorf stellte sowohl qualitative als auch quantitave Anforderungen an das Trans­portmittel. Es machte unerlässliche Änderungen, Modifikationen und Konstruk­tionsergänzungen des täglich gebrauchten Wagens nötig.Der Rauminhalt musste vergrösserbar sein. Im Durchschnitt waren 700 bis 800 Stück Töpfe, von den kleineren manchmal auch 1000 Stück zu laden. Andererseits mussten auch Fut­ter und Wasser für das einzutauschende Getreide, Reparaturwerkzeug, usw. mit­genommen werden. Die Vergrösserung des Packraumes vertikal und horizontal spricht für eine grosse Fertigkeit. Man stellte zwei aus Weideruten gefloch­tene Körbe vorne und hinten auf die Ladefläche. In diese Körbe legte man die Töpfe zwischen Heu und Stroh. So waren sie während des langen Weges geschützt ausserdem konnten die Pferde das Heu auffressen. Das Aufeinanderlegen der in Grösse und Form verschiedenen Töpfe und die Anordnung in Reihen von 9 bis 11 Stück beanspruchte eine grosse Übung. Dezső Czugh schreibt: "Es gab eine Ord­nung, und die war nicht ohne Grund. Man musste darauf achten, dass am Wagen die walzenförmigen, stärkeren Töpfe nach unten kamen, die dünnwandigen grossen und flachen Töpfe aber obenauf kommen, sodass nichts am langen hol­perigen Weg zerbrach. Es war auch wichtig, dass der Töpfer beim Verkaufen immer wusste, wo was zu suchen war, damit nichts durcheinander kam."(10) Der Wagen wurde mit einer handgewebten Plache abgedeckt, die mit Birkenzwei­gen nisderqehalten war. Diese steckten im Rand des hinteren Korbes. Man be­festigte die Zweige mit Baumsträngen, die man auch bei anderen landwirt­schaftlichen Arbeiten benützte und die über den Haufen geschnürt wurden. 95

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