Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)

V. Kovács: Mark Aurel Porträt aus Lugio

gerissen. Die Steinplastiken fanden häufig als Baumaterial Verwendung. Viele Bronzestatuen wurden wieder einge­schmolzen, dienten also als Rohmaterial. Das in Lugio zum Vorschein gekommene Bronzeporträt ist vorläufig das einzige erhaltene dieser Art. Das Porträt in anderthalbfacher Lebensgröße ist das charakteristiche Abbild des Kaisers Mark Aurel. Es wird im Janus Pannonius Museum in Pécs aufbewahrt. Es stellt den Kaiser mit Schnurbart. Bart und in die Stirn fallenden üppigen Locken dar. Das Haar ist aus der Stirn gekämmt, nur in der Mitte liegen S-förmig zwei Haar­locken. Linter den hochgewölbten Augenbraunen sind die charakteristischen mandelförmigen Augen. Die kaum ge­wölbte Nase ist nicht lang, die nasenspitze fleischig. Die Oberlippe ist beinahe mit dem Schnurbart bedekt, die sich in kleinen Locken teilt. Die Assymetrie des Gesichts zeigt sich in der Linie des Schnurbartes. Unter der Unterlippe sind schräge Barthäarchen, und ein sich ringelnder kurzer Bart, endet an beiden Seiten in je 4 Locken. Das junge Gesicht deutet 28—30 Jahre an, ist jugendlich gerundet, faltenlos. Bei entsprechendem Streiflicht kann man nur bei der Stirn zwei waagerechte Falten erkennen, die an späte­ren Mark Aurel-Porträts ein charakteristischer Zug wird. An dem in Proportionen vorzüglichem Porträt liegen die Augen im Brennpunkt des Blickfeldes. Die Augen sind nicht gleich. Die rechte Iris ist flacher, die linke leicht bogenförmig. Das Porträt zeigt mit dem ein wenig nach oben und in die Weite gerichteten Blick den Ernst und die wahre Menschenwürde. Der Blick strahlt Individualität aus, der durch die Assymetrie des Gesichts gestört wird, sondern hebt die starre Frontalität des Kopfes auf. Die rutinierte Technik ziegt sich auch bei der Aubil­­dung des Backenbartes. Das dichte kurze Haar in kleinen Locken rings um die Stirn ist mit grösster Sorgfalt gestaltet. Am hinterkopf und am Scheitel sind sie nur großzügig ausgeführt. Der Halsteil des Porträts ist relativ kurz und sehr breit und schließt unter dem Hals in eine Kante. An der rechten Seite und hinten ist die Kate guterhalten, vorn und an der Linken Seite fehlt ein Stück. Über die Fläche des Hinterkopfes verteilt sind 5 kleine rechteckige Löcher. Im Inneren sind von den Ohrenlinien abwärts senkrechte Fingerabdrücke zu sehen. Die Bronze ist 3 mm dick, beim Rand ist sie hinten dicker: 4—4,5 mm. Das Porträt kann als beinahe intakt angesehen werden von dem abgebrockenen Teil an der rechten Seite und unter dem Bart abgesehen. Die Beschädigung bei dem Nasen­­rückken wurde beim Ausheben des Kopfes durch den Skrefer verursacht. Der Kopf ist teilweise mit schöner dunkelgüner Patine bedeckt, die an einigen Stellen fehlt. Vorne am Hals­teil und am hinteren Teil des Kopfes sind Feuerspuren zu sehen. Damit wir das Bronzeporträt des Mark Aurel aus Duna­­szekcsö näher bestimmen können, müssen wir die Zugehö­rigkeit der bisher in Betracht kommenden Darstellungen untersuchen. Die Fachliteratur hält 110 Marc Aurel- Darstellungen in Evidenz, vom diesen nur zwei aus Metall. Es ergab sich die Notwendigkeit, den Kopf der auf dem römischen Kapitol aufgestellten bronzenen Reiterstatue mit dem Porträt von Dunaszekcsö zu vergleichen. Dies wurde mir von Herrn Eugenio La Rocca ermöglicht, wofür ich hier danken möchte. Er ließ ein Gerüst auf­stellen, damit ich den Kopf studieren kann. Der Vergleich läßt erkennen, daß die beiden Portäts nicht den gleichen Typ darstellen, wenn sie auch nahestehen. Das Porträt von Dunaszekcsö gehört zu einem früherem Typ. Unser Porträt ist frontal eingestellt. Der Kopf der Reiterstatue ist eine charakteristische Rundplastik mit einem leicht nach der Seite gewendeten und vorgebeugten Kopf. Die Bearbeitung der Haare ist vorne und hinten gleich. Auch die Proportion des Dunaszekcsöer Porträts ist eine andere. Alle Details sind gut gestaltet, schön, voll Leben, auf Licht und Schatten­wirkung aufgebaut, eine auf hellenistischen Einfluß entstan­dene Schöpfung. Bei der Reiterstatue endet der Bart in je 6 langen Locken und der Kopf ist mit perückenartigen, langen kleinen Locken bedeckt, daran ist schon eine starke Stilisierung bemerkbar. Die lange schmale Nase, die beina­he in einer Linie geseichneten Augenbrauen und selbst der Ausdruck der Augen- ist. Der Kaiser Mark Aurel ist viel älter dargestellt als an dem Dunaszekcsöer Porträt. Die Reiterstatue zeigt an einigen Stellen sehr schwach die Spuren der Vergoldung. Sein Kopf wurde nicht so gegessen um ihn näher zu betrachten, er konnte aber von unten, d.h. aus der Ferne gut zur Geltung kommen. Die Form ist nur gut ver­ständlich, wenn wir sie in ihrem Originalzustand vorstellen, in seinem schillerdem Gold mit dem die Detaile der Statue zur Geltung kamen. Bei der Analyse des Kopfes von Duna­szekcsö müssen auch Stücke aus Marmor, so z. B. das in der Koppenhagener Carlsberg-Glyptotek aufbewahrte zum Vergleich herangezogen werden. Diese Skulptur sehr guter Qualität repräsentiert den Haupttyp III. Beide sind frontal eingestellt und an beiden ist die Kopf­form identisch, von Details des Bartes abgesehen. Als gleich sind die Konturen des lockigen Haares bei der Stirn, die mandelförmigen Augen, die bogenförmige Linie der Augenbrauen, der Bart und der Backenbart zu bezeichnen. Das Gesicht ist an beiden Portäts assymetrisch, was an dem der Glypotek noch mehr zum Ausdruck kommt. Der Bart unterscheidet sich jedoch an beiden, wenn sie auch in der Mitte geteilt sind. Am Marmorporträt ist der Bart kürzer und bogenförmig abgerundet. Ein anderes charakteristisches Stück des Typ III. ist das Porträt der Villa Hadriana im Thermenmuseum. Dies wurde mit dem Porträt von Dunaszekcsö vergleichen und weiterhin mit zwei anderen. Das der Villa Hadriana ist charakteristisch frontal, aber der Kopf ist ein wenig geho­ben und auch in Details mit unserem Porträt identisch, mit dem Unterschied, daß bei dem römischen Porträt der Bart kürzer ist und unten in sich verschlingenden kleinen Locken endet. Die beiden anderen Porträts zeigen auch eine enge Verbindung mit dem Kopf aus Dunaszekcsö. Bei dem einen Porträtkopf sind die Augenbrauen fast gleich wie am Porträt aus Dunaszekcsö. Bei den Köpfen aus dem Thermenmuseum sind die Haare hinten und auch vorne mit gleicher genauigkeit ausgeführt. Die Haare der Mark Aurel-Togabüste im Archäologischen Museum in Venedig sind den Haaren von Dunaszekcsö ähnlich; das die Stirn umfassende Haar ist genau ausgearbeitet, der hintere Teil aber nur großzügig. Dieselbe Großzügigkeit zigt der Porträt­kopf im National Museum in Athen, das zu dem selben Typ gehört. Von den Mark Aurel-Porträts gehören 25 zum Typ III. Unser Ziel ist nicht die Zusammenhänge sämtlicher Stücke 90

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