Fitz Jenő (szerk.): The Celts in Central Europe - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 20. A Pannon konferenciák aktái 2. (Székesfehérvár, 1975)

H. Lorenz: Bestattungssitten und Fundkombinationen in Früh- und Mittellaténe-Gräbern Zentraleuropas

einer Zeitstufe in der Orientierung grundsätzlich unterscheiden. Nicht minder wichtig ist die Frage nach den Grab­maßen : Länge, Breite, Tiefe. So verschieden sie auch dem oberflächlichen Beobachter scheinen mögen, so finden wir doch auch hier regionale Gruppen. Inner­halb eines Raumes können wir Lnterschiede auf Grund der Keramikbeigabe erkennen, lassen sich Waffen- von Schmuck-, „ärmere” von „reicher” ausgestattenen Gräbern trennen. Ähnliche geographische, wie auch soziale Grup­pierungen ergibt ebenso die Beschäftigung mit den Einbauten in den Gräbern. Mögen es Steinpackun­gen, Steinkränze, Brettersärge, Holzkammern oder Baumsärge sein. Neben den äusseren Kennzeichen des Grabes wer­den auch die Beigaben für die Untersuchung herange­zogen. Unter Beigaben sollen alle in einem Grab aufgedeckten Fundgruppen verstanden werden. Sie können : a = zur persönlichen Ausstattung des Toten gehören, wie Waffen—Schmuck ; b = zur Tracht, wie Fibeln —Gürtel oder c = in den Bereich des Toten­kult, wie Keramik, Speisen, Messer, Wagen. Nicht das einzelne Fundstück steht dabei im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern die Fundgruppe. Nicht die Tatsache, daß ein flaschenförmiges Gefäß oder eine Schale ins Grab gelangten ist von Wichtigkeit sondern die Keramikbeigabe als solche. Wie sich Kreise mit unterschiedlichen Beigaben­sitten voneinander absetzen, mögen zwei Karten für den westlichen Frühlatènebereich demonstrieren. Die eine ist ihnen allen ein Begriff, zeigt sie doch die Verbreitung frühlatènezeitlicher Wagengräber (n. Harbison). Meines Wissens ist es die einzige Kar­te aus dem Bereich der Latènekultur, wo keine be­stimmte Form, kein Typ sondern eine Sitte kartiert wurde, ohne jedoch auf diesen Hintergrund näher einzugehen. Auf der anderen Karte ist die Beigabe von Keramik. Speisen und Messern in Gräbern mit Ringschmuck eingetragen. Wir sehen, daß beide Beigabensitten auf einen Bereich beschränkt sind, der sich in einem breiten Streifen vom Marnegebiet über den H unsrück und die Eifel ins Rheintal hinzieht. Diese Untersuchung soll sich aber nicht nur auf die bloße Feststellung von Gruppierungen beschränken, sondern ebenso nach dem Sinn und Zweck einzelner Gegenstände fragen. So wurde z.B. dem Toten nicht Keramik als Materialwert mitgegeben, sondern der Inhalt der Gefäße. Vielleicht ist es möglich an Hand der Gefäßform diesen ursprünglichen Inhalt etwas näher zu ergründen. Ebenso könnten Fibel, Gürtel oder an bestimmten Stellen getragene Ringe (z.B. Oberarmringe) einen kleinen Hinweis auf die Art der Kleidung geben. So wie der Oberarmring einen unbedeckten Arm voraussetzt, wird ein diinnens Gewand von einer an­deren Fibel gehalten worden sein, als ein Mantel. In den Bereich der Bestattungssitten gehört schließ­lich auch der ganze Fragenkomplex, der den Charak­ter der Gräberfelder zum Inhalt hat. Handelt es sich um Sippenfriedhöfe, wie Krämer es für Nebringen herausgearbeitet hat, oder wurden bestimmte soziale Gruppen wie: Mann-Frau-Kind, reich-arm, verheira­tet-unverheiratet, in getrennten Bezirken eines Fried­hofes bestattet, was Schaaff für die Schweiz aufzuzei­gen versuchte. Der andere Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Kombination der Funde und berücksichtigt die Lage des einzelnen Objekts im Verhältnis zum Skelett. Im Mittelpunkt steht hier der einzelne Gegenstand, ein­mal in Verbindung mit den anderen seiner Gruppe (z.B. Flasche — Schale), darüberhinaus in Beziehung zu den Kombinationen der anderen Fundgruppen (Waffen-Ringschmuck — Fibeln etc.). Schließlich ist die genaue Lage eines Fundes von entscheidender Bedeutung. Nicht nur setzen sich hierbei kleinere Brauchtumsgruppen voneinander ab, was im folgenden noch demonstriert wird, son­dern es läßt sich in Gebieten, wo die Skelette vergan­gen sind, aus der Anordnung des Ringschmucks im Grab manch anderes wichtiges Detail, wie z.B. die Orientierung des Toten ablesen. Häufig kann es jedoch gerade hier bei nicht genauer Beobachtung zu Fehlinterpretationen kommen. Dies ist vor allem immer dann der Fall, wenn aus Oberarmringen Fuß­ringe gemacht werden, was wegen der sehr ähnlichen Größen Verhältnisse leicht geschehen kann. Als Resultat der Beschäftigung mit Fundkombi­nationen erhält man Gruppierungen auf geogra­phischer oder sozialer Basis. Lassen sie mich dies zum Abschluß mit einigen Karten und Beispielen veran­schaulichen. Auch hierbei beschränke ich mich aus arbeitstechnischen Gründen auf den westlichen Frühlatènebereich. Kartiert man für die Stufen A- und B die Gräber mit einer Kombination von Arm- und Beinringen so ergeben sich zwei großräumige Gruppen. Ein Kreis, in der die Beinringe zu den Seltenheiten gehören reicht von der Marne bis ins Rheintal. In der Pfalz und Hessen überschneidet er sich mit einem „Bein­ringkreis”, der sich über Württemberg und Baden in die Schweiz hinein erstreckt. Noch deutlicher wird das Bild dieser Zweiteilung des westlichen Frühlatènebereiches wenn wir statt einer Schmuck- eine Waffenkombination kartieren. Einem Kreis, in dem als Waffen überwiegend Lanzen in den Gräbern aufgedeckt wurden (häufig mehrere Exemplare in einem Grab), steht ein anderer gegen­über, im dem das Schwert die dominierende Rolle spielt, sei es allein oder der Kombination mit einer einzigen Lanze. So einheitlich diese großräumigen Gruppen scheinen mögen, bei näherer Betrachtung zerfallen sie in kleinere und kleinste regionale Verbände. Im Marne­gebiet läßt sich zum Beispiel ein westlicher von einem östlichen Bereich unterscheiden. Während die Schmuckkombination in beiden Gebieten gleich ist (Halsring, zwei identische Armringe), trennen sie das Auftreten von Fibeln. Gleich sind sie wiederum nicht nur in dem Vorhandensein von Keramik son-144

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