Fitz Jenő (szerk.): The Celts in Central Europe - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 20. A Pannon konferenciák aktái 2. (Székesfehérvár, 1975)
F. Schwappach: Zur Chronologie der östlichen Frühlaténe-Keramik
(cf. Tuf. XIX — XXIJ.Die jüngsten Stücke (z. B. Taf. IV,6), die wir vornehmlich aus schon zur Mittellatènezeit weisenden Komplexen Ungarns und der Slowakei kennen, zeigen einen extrem langen Hals, der Körper ist indes gerundet und kaum mehr als linsenförmig zu bezeichnen. Auch bei den Frühlatèneschalen läßt sich eine klare Tendenz in der Formenentwicklung erkennen (Taf. V): Hier führt die Linie von jenen LT Aj-zeitlichen, noch aufs engste mit östlichem Formengut der Späthallstattzeit verquickten Schrägrandschalen (Taf. V,1) zu den dreiteilig gegliederten Beispielen mit ausgeprägter Schulterbildung der Stufe LT A2 (z.B. Taf. VA). Diese Formen sind auch an ihrer, manchmal außerordentlich reichen Rillen- und Riefenzier erkennbar. Diese typischen Frühlatèneschalen mit S-förmig geschwungenem Profil sind noch in der Stufe LT B beliebt (Taf. V,5—6). Aber spätestens in LT B2 herrschen auf der Gefäßwandung nicht mehr feine Hillen und Riefen vor, sondern stark plastisch herausgearbeitete Wulste und Rippen, die meist in der Halszone auftreten (Taf. V,6). Man kann diese Beobachtungen auch an den gleichaltrigen Funden anderer Geschirrgattungen machen (z.B. Taf. XVI ff. passim). Dem aufmerksamen Betrachter der verschiedenen Schalentypen wird freilich nicht entgehen, daß die Randbildung während der Frühlatènezeit starken Veränderungen unterliegt. Im Vorhergehenden habe ich schon mehrere Kriterien vorgestellt, und zwar der Machart und der Form, die bei der chronologischen Ordnung der östlichen Keramik helfen können. Aber es ist letztlich wohl kein anderes Merkmal so bedeutungsvoll für die Datierung wie die jeweilige Randgestaltung. Dies zu verdeutlichen, möchte ich im folgenden versuchen. Ausgehend von geschlossenen Fundkomplexen des östlichen Frühlatèneraumes ergibt sich eine Sequenz von Randformen (Tuf. VI ), die im großen und ganzen mit der durch Fibeln definierten Stufenteilung zu parallelisieren ist. Für den frühesten Abschnitt der Frühlatènezeit sind kurze Schrägrandprofile typisch mit sich verjüngendem Querschnitt (Taf. VI.1 — 4). Seien es nun Kragenschalen oder Hochhalsgefäße, die solche Randbildung aufweisen, stets ist hallstättische Formentradition evident. Dies mögen die Funde vom Dürrnberg, Gräber 35/1 und 36 (Taf. X—XI,1 — 3), Höresham (Taf. XI,4—9) sowie Salzburg —Maxglan (Taf. XII,1 — 2) dokumentieren. In der Stufe LT A2 werden Randprofile kennzeichnend, die gleichmäßig aus der Gefäßwandung herauslaufen und ohne besondere Akzentuierung sind (Taf. VI,5 — 8). Man vergleiche in diesem Zusammenhang die Grabfunde von Höfen, Diirrnberg, Tajanov-Husin und Oggau (Taf. XII,3-9; Taf. XIII - XV1,1-2). Aber es zeigt sich im nächst jüngeren Horizont, in Komplexen mit LT Bj-zeitlichen Fibeln, daß nun eine ausgeprägte wulstige Randlippenbildung charakteristisch wird/VV//. V,I9-12;X V,I3-6;XVII-XX,1 -2). Im späten Abschnitt der Frühlatènezeit — LT B2 — kommen schließlich Ränder auf, die kolbenförmig verdicktsind ( Tuf. VI, 13 —16). Hierzu vergleiche man die Grabfunde 16/2 vom Diirrnberg (Taf. XX,3—5;XXI) und Grab 20 von Blucina (Taf. XXII). Verwandte Randprofile sind auch noch zur Mittellatènezeit anzutreffen(8). Die in Taf. VI dargestellte Randformenentwicklung stützt sich auf eine Fülle von Grabfunden, von denen eine einschlägige Anzahl hier vorgelegt wird (Taf. IX —XXII). Aber nicht nur durch Gräber, sondern auch durch Siedlungsfunde läßt sich die geschilderte Entwicklungssequenz belegen. Am Dürrnberg bei Hallein wurde vor einigen Jahren ein „Blockwandbau ” untersucht, der gewisse stratigraphische Beobachtungen ermöglicht (Taf. VII) (,J). Unter den Funden des (älteren) Baues I, der durch Feuer zerstört wurde, finden sich Tongefäße bzw. Fragmente von solchen, deren Merkmale jenen unseres ältesten Horizonts (LT AR vergleichbar sind (Taf. VII, A). Im später errichteten Bau II konnte bei der Ausgrabung eine ältere Phase 1 ausgesondert werden. Es zeigen die Gefäße jetzt Randprofile, die zu unseren Typen der Stufe LT A2 weisen ( Taf .VII, B). Jüngere Formen sind indessen nicht vertreten. Schließlich muß ein Versuch zur Gliederung der östlichen Latène-Keramik Erwähnung finden, den E. Soudská vorgelegt hat, und zwar ausgehend von Funden der mittelböhmischen Siedlung Tuchomërice-Knëzivka bei Prag (Taf. VIII -IX: Tab. /)(10) Wichtig für uns ist, daß in Soudskás erster Phase (Hütte 8/59) zweigegliederte schalenartige Formen mit Sehrägrandprofilen Vorkommen, die unserer Abfolge gemäß in LT Ax zu stellen sind ( Taf. VIII, A). Solche Typen sind auch noch in Soudskás 2. Phase ( H iitte 9 59) helegt (Taf. VIII. B). Aber es taucht daneben auch eine Schale mit gegliederter Schulter und einem Rand auf, der m.E. zur Stufe LT A2 hintendiert (Taf. VIII, Bll). Schließlich ist unter dem Material der 1. Phase (Taf. IX; Hütte 10/59), neben älterem Formengut, ein Fragment von Bedeutung (Taf. IX, 11), weil es zu einer ausgeprägten Schulterschale mit Riefenzier gehört. Mitgefunden wurde ein steinerner Schnabelschuhanhänger (Taf. ix,6)n. Daß Soudská diesen durch Hütte 10/59 (Taf. IX) vertretenen Horizont III in das 2. vorchristliche Jahrhundert datiert)12), widerspricht allerdings vollkommen unseren Ansätzen (Tab. I). Abgesehen davon, (8) Cf. die in Anm. (i zusanunengestellte Lit., ferner z. B. P. Pata y, A Ért, XC, 1963, 64 ff. ; G. Kaposvári, A Ért, XCVI, 1969, 178 ff. ; V. Zirra, Un cimitir Celtic în Nord-vestul României. 1967; Id., StudCom, 1972, 151 ff. (9) F. Moosleitner — E. Penninger, Ein keltischer Blockwandbau vom Dürrnberg bei Hallein. Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskunde, CV, 1965, 47 ff. (10) E. Soudská, ARoz, XVII, 1965, 342 ff.; Id., PA, LVII, 1966, 535 ff. ; Id., Berichten van de Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek, XVIII, 1968, 131 ff. (11) E. Soudská, PA, LVII, 1966, 573, Abb. 18,18; F. ScHWAPFACH, Schnabelschuhe im östlichen Frühlatènebereich. PA, LVIII, 1967, 320 ff; 321, Abb. 1,3. (12) PA, LVII, 1966, 595. 112