Anders Alexandra – Lőrinczy Gábor szerk.: A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 12. (Szeged, 2011)

MULLER Robert: Mikor épült a keszthely-fenékpusztai késő római kori erőd?

Mikor épült a keszthely-fenékpusztai késő római kori erőd? WANN WÜRDE DIE SPÄTRÖMISCHE FESTUNG VON KESZTHELY-FENÉKPUSZTA ERBAUT? Robert MÜLLER Über die Bauzeit der Festung von Keszthely-Fenékpuszta ist die archäologische Wissenschaft bis heute nicht zu einer einheitlichen Ansicht gelangt. Die bisherigen Meinungen umfassen das ganze 4. Jahrhundert, von der Tetrarchie über die Herrschaft von Konstantin dem Großen, Constantius II. und Valentinian I. bis zum Zeitraum nach dem Einfall der Sarmaten und Quaden im Jahr 374 und nach dem Tod von Valentinian I. im Jahr 375. Ich habe jetzt die Zusammen­stellung über den Münzverkehr der Festung (MÜLLER 1987, 108), mit den Münzen ergänzt, die zwischen 1970 und 2000 freigelegt wurden. Dies führt zu einigen Verschiebungen. Der erste Hochpunkt fällt in die Herrschaftszeit von Kons­tantin dem Großen. Dies hat Károly Sági (SÁGI 1990, 267) mit der Errichtung der Festung in Verbindung gebracht. Meiner Meinung nach kann es aber mit dem Zentrum eines hier angesiedelten Großgrundbesitzes oder mit der Existenz einer größeren Villenwirtschaft verbunden werden, die vor dem Bau der Festung an derselben Stelle bestand. Ihre Gebäude sind auf einer Fläche von 400x300 m angelegt, der Zentralbau ist das sog. Gebäude „A", das mehrere Perioden umfasste. Die südliche Hälfte dieses Gebäudes wurde nach den Erkenntnissen der Ausgrabung von 2009 noch im Zeit­alter der Tetrarchie erbaut. Meines Erachtens nach wurde die Festung an diesem Gebäude ausgerichtet und in dieser Zeit umgebaut, gleichzeitig wurden die anderen Gebäude der früheren Siedlung abgerissen. Das östlich vom horreum freigelegte Gebäude erlitt das gleiche Schicksal. In diesem Gebäude kam ein Münzfund zutage, der mit der Prägung von Vetranio endet. Die Festung wurde nach meinem Dafür­halten deshalb nach 350 während der Herrschaft von Constantius II. errichtet. Ich habe mich bemüht zu be­weisen, dass der Aureus von Gratian, der 1970 gefunden wurde, aus einer Aufschüttung im Zuge von Renovierungs­MUlier Robert 8314 Vonyarcvashegy Szent Mihály domb a. 1. E-mail: mullerrobi@gmail.com arbeiten stammte, die nach dem Einfall der Sarmaten und Quaden im Jahr 374 durchgeführt wurden. Daher kann die Errichtung der Festung nicht anhand dieser Münze in die Zeit nach 375 datiert werden (TÓTH 2009, 67-71). Auch die Massengräber, die früher in die Mitte des 5. Jh. datiert wurden, können mit der Renovierung nach der Invasion der Barbaren im Jahr 374 in Verbindung gebracht werden (HEINRICH-TAMÁSKA- PROHÁSZKA 2008. 149-150). Die zwi­schen 351 und 354 geprägte, stark verwitterte Münze, die 1980 auf der untersten Fußbodenniveau bei der Freilegung eines Ofens im Turm Dl gefunden wurde, ist für die Datie­rung ebenfalls nicht geeignet, obwohl sie als Beweis für die Errichtung in der Zeit von Konstantin dem Großen (SÁGI 1990, 264) und nach 375 (TÓTH 1985, 126) verwendet wurde. Für die Bestimmung der Bauzeit der Festung sind die Gräberfelder vor der Südmauer gut geeignet (MÜLLER 2010, 238-242). Hier sind die frühesten, mit Münzen datierbaren Gräber aus der Zeit von Constantius II. bekannt, auch das Fundmaterial kann in die zweite Hälfte des 4. und in die erste Hälfte des 5. Jh. datiert werden. Die drei Gräberfelder, die weiter entfernt von der Festung, aber nahe beieinander lagen, wurden vermutlich von den Bewohnern angelegt, die für den Festungsbau aus verschiedenen Gegenden der Provinz hierher umgesiedelt worden waren. Die Nutzung dieser Gräberfelder kann bis zum ersten Drittel oder bis zum Ende der ersten Hälfte des 5. Jh. verfolgt werden. Die Gräber des vierten Gräberfeldes lagen unmittelbar vor der südlichen Festungsmauer. Auch hier werden die frühesten Gräber anhand der Münzen von Constantius II. datiert. Die dezimierte Bevölkerung nutzte dieses Gräberfeld vermutlich durchgehend bis zur frühen Awarenzeit, mit der auch hier eine neue Population auftrat. Übersetzt von Éva Pávai-Morche 153

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