A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 9. (Szeged, 2003)

TÜRK Attila: Árpád-kori ötvöstárgy Szentes-Kaján, Temetőhalom (Csongrád megye) lelőhelyről

EINE ARP ADEN ZEITLICHE GOLDSCHMIEDEARBEIT VOM FUNDORT SZENTES-KAJÁN, TEMETŐHALOM (KOMITAT CSONGRÁD) Attila TÜRK Der archäologische Fundort Szentes-Kaján, Temetőhalom befindet sich auf dem nördlichen Teil des Komitates Csong­rád, im Vcrwaltungsgebiet von Szentes, 13 km nördlich von der Stadt, bei der Siedlung Kajánújfalu. Zum ersten Mal führte Gábor Csallány in den Jahren 1935 und 1937 ar­chäologische Freilegungen auf diesem Fundort durch, als er ein früharpadenzeitliches Gräberfeld zu erschließen begann. Auf dem stark gestörten Fundplatz führten wir in den Jahren 2000 und 2001 Rettungsgrabungen nach mehreren Besich­tigungen und Geländebegehungen durch, infolgedessen ka­men neue Gräber und die Fundamente einer früharpaden­zcitlichen Kirche ans Tageslicht. An der Freilegung der Kirche erschlossen wir eine große Eingrabung an der inneren Seite des Fundamentes der süd­lichen Wand des Schiffes, im Quadranten 11. Im Objekt 5 kam das Fragment einer arpadenzeitlichen Goldschmiede­arbeit in einer Tiefe von 55 cm in sekundärer Lage vor. Die vermutlich einen Heiligen darstellende Figur, die einst einen der Kreuzbalken eines Prozessionskreuzes verzierte, weist die Merkmale der Schmelzarbeiten von Limoges auf. Die Figur des Heiligen wurde aus einer Legierung von hohem Kupfergehalt gefertigt, so, dass die Grundplatte aus­getrieben und die Figur mit Emailtechnik und Feuerver­goldung verziert wurde. Der Kopf und Körper wurden ein­zeln gefertigt, dann lötete man sie aneinader, und die Rückseite wurde aus einer Kupferplatte, die dünner als die Grundplatte ist, hergestellt. Die die Falten der Bekleidung symbolisierenden Emailbette wurden überwiegend mit dun­kelblauem, während der Kragen mit grünem Email aus­gefüllt. Die Iris der Augen wurde mit einem dunkelblauen Emailtropfen betont. Auf dem mittleren Teil des Gegen­standes ist ein seicht graviertes Kreuz in einem kreisför­migen Feld zwischen den Emailfeldern zu sehen. Unten wurde der behandelte Gegenstand mit einem zweireihigen, seicht punzierten Muster geschlossen. Zum Aufhängen wur­den zwei Nietlöcher die Längsachse entlang untereinander gebohrt. Trotz der Emaillierung guter Qualität ist eine grobe Ausführung für den Gegenstand kennzeichnend: Das zeigt sich hauptsächlich in der asymmetrischen Ausbildung der Emailbette, bzw. darin, dass die Hände nicht dargestellt wurden. Unser, in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts datier­barer, vor dem Tatarensturm nach Ungarn gelangter fran­zösischer Importfund gehörte wahrscheinlich zu einem in Serienfabrikation erzeugten Kreuz industruiellen Charak­ters, was bei den meisten, in Ungarn bekannten Prozessions­kreuzen von Limoges zu beobachten ist (KOVÁCS 1962,99). Als die beste Analogie des Fundes von Kaján dient das im Monasterium Elles vorgekommene Marienfigur (PÁVAI 1994; PÁVAI 1999), aber auch die Heiligenfiguren auf den Balken des Prozessionskreuzes von Szarvas (JANKOVICH 1984, 378-383; KOVÁCS 1962. 97 99) zeigen zahlreiche ähnliche Merkmale auf. Übersetzt von Katalin H. SIMON Türk Attila Móra Ferenc Múzeum 6701 Szeged Pf. 474 E-mail: a_turk@mfm. u-szeged. hu

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