A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 8. (Szeged, 2002)

STRAUB Péter: 5. századi tömegsírok Keszthely-Fenékpusztán

MASSENGRABER A US DEM 5. JAHRHUNDER T IN KESZTHEL Y-FENEKPUSZTA Péter STRAUB Im Gebiet der spätkaiserzeitlichen Festung von Fenékpusz­ta, bzw. in deren Nähe stieß man in drei Fäden auf Objekte, die mit Menschenskeletten voll waren, und deren Ver­öffentlichung eine neue Möglichkeit bietet, dem Schicksal der vielumstrittenen, archäologisch auch heute noch schwer nachweisbaren römischen Bevölkerung Westpannoniens im 5. Jahrhundert auf einem, hinsichtlich der Kontinuität der romanisierten Bevölkerung besonders frequentierten Fund­ort auf der Spur zu folgen. Im Jahre 1970 kamen dreizehn Öfen, bzw. Gruben im nordwestlichen Teil der Festung vor, in denen komplette Skelette, bzw. Skelett-Teile freigelegt wurden (Abb. 1-11). Die Monographie von Károly Sági, in der auch diese Aus­grabung bearbeitet wurde, liegt seit 20 Jahren als Ma­nuskript. Da aber der inzwischen verstorbene Ausgräber den geschichtlichen Flintergrund der Massengräber vielmals be­handelte, abgesehen vom archäologischen Fundmaterial, ist die Veröffentlichung einiger Zeichnungen und Fotos in Begleitung von kurzen Beschreibungen begründet, umso mehr, da die Veröffentlichung der Arbeit von K. Sági auch in der nahen Zukunft nicht zu erwarten ist. 25 Jahre später kam ein — leider zerstörtes — Massengrab, bereits in der Nähe der südlichen Festungsmauer vor (Abb. 12). Daneben stießen wir auf das Detail eines anderen ähnlichen Objektes im Jahre 2001 (Abb. 13. 2). Das Fundmaterial beider Ob­jekte (Abb. 14-15) weist auf eine Verwüstung im 5. Jahr­hundert hin, da aber unsere Kenntnisse über das römische Fundmaterial dieser Periode weiterhin fehlerhaft sind, kön­nen die Massengräber mit Hilfe der Keramiktypologie ar­chäologisch genauer nicht datiert werden. Nach dem Durch­blick der Geschichte der Festung kommen wir aber zur Datierung dieser Objekte näher. Die Anfang der 70-er Jahre in der Umgebung der Basi­lika und des Florreums dutzendweise freigelegten Speicher­gruben, Öfen, ferner die zu ihnen nötigen Brunnen weisen darauf hin, dass sich die Festung von Fenékpuszta in der Mitte des 5. Jahrhunderts zu einer wichtigen militärischen Basis umgewandelt hatte. Mit weiteren Bewohnern war da die hiesige Bevölkerung ergänzt worden, die nur die Soldat­en des im Jahre 455 zum Kaiser ausgerufenen Avitus gewesen sein könnten (BONA 1984, 289). Die archäobota­nischen und zoologischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie im Monat Oktober angegriffen worden waren (MATOLCSI 1974, HO; FÜZES 1978, 790), aber aus der anato­mischen Lage der in den Gräbern vorgekommenen Skelette ist es darauf zu schließen, dass sie erst nach Monaten beerdigt worden waren. Da die Ostgoten für sich selbst ein Siedlungsgebiet suchend eben zu dieser Zeit in Pannonién aufgetaucht hatten, soll dieses grausame Gemetzel ihnen beigemessen werden (SÁGI 1983a, 117-119; MÜLLER 1987, 109; SÁGI 1990, 294-295; STRAUB 2002, 9). Eine Gruppe der Goten könnte Anfang des Jahres 456 vom norischen Raubzug nach Fenékpuszta zurückgekehrt sein, wo sie die Festung leer gefunden haben sollten. Im entgegengesetzten Fall hätten die Römer die in Verwesung übergegangenen Verstorbenen nach römischen Funeralien bereits bestattet. Das Gräberfeld der sich in der Festung angesiedelten gotischen Gemeinschaft ist bekannt (ERDÉLYI 1982; STRAUB 2002). Die 200 m südlich von der Festung vorgekommenen 31 Gräber sind tür die besonders hohe Zahl der deformierten Schädel bekannt (PAP 1983; PAP 1984). Die Renovierungen und Bauarbeiten waren vermutlich durch die aus der Umgebung hierhergewiesenen Römer durchgeführt worden, und das macht wahrscheinlich, dass der König Thiudimer selbst diese Festung als Sitz gewählt hatte. Nach der Ausrückung der Goten aus Pannonién im Jahre 473 bekamen die Angehörigen/Abkömmlinge der in den Massengräbern Bestatteten wieder die Möglichkeit, die Festung zu besitzen. Die Einwohnerzahl könnte schon viel kleiner gewesen sein, und die durch 17 Jahre lange Knecht­schaft abgequälte romanisierte Bevölkerung konnte das Le­ben in den folgenden Jahrzehnten, wenn auch unter sehr bescheidenen Umständen, aber im Wesentlichen in Frieden, fortsetzen. Übersetzt von Katalin H. SIMON Straub Péter Balatoni Múzeum 8360 Keszthely Múzeum u. 2. E-mail:straubp@georgikon.hu

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