A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve, 1964-65. 2. (Szeged, 1966)

Gazdapusztai, Gyula: Zur Frage der Verbretiung der sogenannten „Ockergräberkultur” in Ungarn

arbeiten im Jahre 1964 brachten aber auch ein Ergebnis, das wesentlicher scheint als das vorige. Es kam die Reihe an die Ausgrabung des SW-lichen Mitgliedes von Kettőshalom bei Árkus, das wir den Hügel 1 genannt haben. Dieser Hügel wurde im Grunde genommen bis auf seine Basis abgetragen, es blieb nur der 3,2 m hohe von den Erdarbeitern unberührt gelassene Teil übrig, dessen Grundfläche 6 Quadrat­meter ist und dessen Oberfläche einen unregelmässigen Kegel bildet. Bei der Ausgra­bung folgten wir der bei der Freilegung des Faluvég—Hügels erprobter Methode, das heisst, wir vierteilten diesen Kegel nach den Haupthimmelsrichtungen so, dass wir seinen nördlichen Teil und dessen unmittelbare Umgebung auf einem Gebiet von 7x14 m freilegten. Auf der Südseite beanspruchte die Ausgrabung der Teile ausserhalb des Kegels ein kleineres Gebiet. So kamen wir zu einer Schnittmauer im Kegel und unsere Methode war zweckdienlich. In der Nähe des Zentrums in einer Tiefe von 4,2 m lag das Grab in der Richtung West —Ost, dessen stark geprägter schwarzen Fleck sich gut auf dem gelben Grund­boden abzeichnete. Aus diesem wurde das Skelett aus 4,6 m absoluter Tiefe ans Tageslicht gebracht, welches ursprünglich mit hochgezogenen Beinen auf dem Rücken lag. Das Skelett hatte keine Beigaben, wenn wir nur die auf einigen Stellen des Grabes gefunde organische Überreste nicht als solche betrachten wollen. Aus dem Boden des Grabes kamen Tierknochen (Kalb) und ein kleines graubraunes Töpfchen zum Vor­schein, welche als Reste des Totenmahls zu deuten sind. Damit vermehrte sich also die Zahl der Funde, die zum heimischen Ocker­gräberkreises zu rechnen sind. Das überhaupt nicht abzuschätzende Ergebnis der heurigen Ausgrabungsarbeiten war die Freilegung eines noch unberührten Grabes unter solchen Umständen, wo sich zur Beobachtung genügende Möglichkeit bot, und die ständige Kontrolle trug zur Sicherheit des Forschers viel bei. Hier möchte ich den Museologen Károly Mesterházy und György Módy, die an den Ausgrabungsarbeiten teilnahmen und für ihre unsere Arbeit günstig befördern­den guten Ratschläge und Beobachtungen meinen besten Dank aussprechen. Unsere nächste Frage ist nach der geographischen Verbreitung und Auf­zählung der Funde die Einheitlichkeit des Ritus der sog. Ockergräber. Schon die früheren Abhandlungen erwähnen, dass die Bestreuung der Skelette, richtiger gesagt der Leichname mit rotem Ocker nicht ausschliesslich die Eigenart des Hügelvolkes ist, sondern sie kommt in der Urzeit in zahlreichen Kulturen und auf zahlreichen Gebieten von der mittleren Periode des Paleolithikums angefangen (Jefimenko, Perwobitnoje obschtsch.) bis zum Ende des Neolithikums. Die gebietliche Verbrei­tung dieser Gewohnheit ist ja auch nicht eng; man findet sie sowohl in dem Friedhof von Mariupol als auch in den Kurganen von Maikop in Russland oder in der heimischen Theiss-und Köröskultur. Jedoch ist diese Gewohnheit in den Funden der sog. Ockergräber nicht exklusiv, ob wir die heimischen, die russischen oder die rumänischen Bestattungsarten untersuchen. Wir denken also, es ist richtiger, die Untersuchung des Grundes der Färbung, genauer der Bestreuung der Leichname mit Ocker, als eine Erscheinung, die auf grossem Gebiet, in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern auftrat, dem Kreis der Religionsgeschichte zuzuord­nen, statt sie als ein Kriterium einer bestimmten Kultur oder gar eines Ethnos auf­zufassen. Die Untersuchung ihres Grundes und ihrer Verbreitung — wie darauf schon J. Banner und auf seiner Spur F. Kőszegi hinwiesen — bildet einen selbstän­digen Problemenkreis, den diese Vorlesung nicht mit erfassen kann. Wir wollen uns hier damit begnügen, dass wir die Gewohnheit der Ockerbestreuung aus­schliessen oder wir betrachten sie in der Bewertung unserer Hügelgräber als einen Faktor zweiten oder dritten ranges. 3* 35

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