A MÓra Ferenc Muzeum Evkönyve 1964-65. 1. (Szeged, 1966)
Waldmann József. Tanzgelegenheiten und Traditionen in Tápé
fortgehen, sich die Tänze, die Bälle und Hochzeiten anzusehen, auch pflegten sie öfter schon gemeinsam zu spielen und tanzen. Solche Tanzgelegenheiten waren: der bis zur Befreiung erhalten gebliebene Brauch der scherzhaften Durchprügelung der Mädchen am Kindeltag. Auch die Neujahrsbeglückwünschung wurde am längsten von den Kindern bewahrt. Von Haus zu Haus herumgehend begrüssten sie die Hausleute mit Verschen, in welchen sie ihnen Reichtum und Fülle wünschten. Nach diesen Beglückwünschungen erfolgte das Zusammenzählen der gesammelten Geschenke in einem Haus mit Töchtern, wo dann der Tag von der zu der „Bande" gehörenden Buben und Mädchen mit einer Tanzunterhaltung abgeschlossen wurde. Ähnlich verlief das auch heute noch übliche Besprengen der Mädchen zu Ostern. Zu den Erlebnissen des Kindesalters gehörte der ,,Zither-Ball" (citora-bál). Die Kinder waren auf den Bällen der Erwachsenen viel im Wege, sie konnten aber dort nach Herzenslust nicht tanzen, weil sie von den Erwachsenen abgemahnt wurden; doch hat sie das bisherige Spiel nicht mehr befriedigt. Sie waren schon Halbgross und standen dem Tanz schon näher als dem Spiel. Deswegen veranstalteten die Eltern für die grösseren Kinder zur Faschingszeit einen .,Zither-Ball". Die ältesten Leute von Tápé — die 70—80 jährigen — können sich an die „Kinderhochzeiten" noch gut erinnern. Diese wurden von den Erwachsenen arrangiert; ihr Brauchtumsordnung war identisch mit denen der Erwachsenen, auch die Tänze waren identisch. Nach der Befreiung wurden diese traditionellen Tanzgelegenheiten der Kinder eingestellt und als Ersatz für diesen Mangel ist das sog. kisegyüttes CKleinkolIektiv') zustande gekommen, wo die Kinder unter der Leitung sachkundiger Pädagogen die Spiele und die Tänze erlernen. Die Tanzgelegenheiten der Erwachsenen In bezug auf das Tanzen galten diejenigen als erwachsen, die von der Balljugend zum Tanz zugelassen wurden. Dieses Alter war bei den Mädchen im allgemeinen das 14., bei den Burschen das 16. Lebensjahr. Von den Tanzgelegenheiten der Erwachsenen sollen die drei letzten Tage des Faschings erwähnt werden, weil die Tanzlust zu dieser Zeit am grössten war. Viele Sitten und Bräuche knüpften sich an die Faschingstage. Während der auf den Fasching folgenden Fastenzeit gab es nur sog. „verstecke Bälle" (dugott hál), diese wurden von der Jugend natürlich ohne Erlaubnis bei Umgehung der kirchlichen und staatlichen Gesetze abgehalten. Auch Hausbälle wurden veranstaltet und auf diesen wurden von spassliebendcn Leuten — vor allem von Burschen und jungen Frauen — auch Masken angelegt. Auch an die Beendigung einzelner Arbeiten schlössen sich Bräuche und zuletzt auch Tanzunterhaltungen an. Solche Arbeitsabschlüsse waren: die Ernte, die Weinlese, das Maisschälen, das Ausstecken eines grünen Zweiges auf das neuaufgebaute Haus usw. Eine besonders beliebte Tanzgelegen heut zur Zerstreuung war für die Jugend der Ball. Auch der Ball hatte eine eigene Brauchtumsordnung: vor dem Beginn des Balles haben die Musikanten mit Musizieren auf der Strasse den Leuten zur Kenntnis gebracht, dass die Tanzunterhaltung bald beginnen soll. Das Mädchen wurde von dem Burschen mit einem zeremoniellen Brauch in den Tanz geführt. Dasjenige Mädchen, das einen Burschen beleidigt hat, hat man hinausgetanzt. In der Kenntnis der Regeln des Taschentuchgebrauches (es war ein schmuckes Taschentuch, das sowohl von den Burschen, als auch von den Mädchen getragen wurde) hat der Bursche von den ihm gegenüber gehegten Gefühlen eines Mädchens Kenntnis erhalten können. Die jungen Leute sind miteinander auf dem Ball, bei anderen Tanzunterhaltungcn, auf dem Spaziergang nach dem Kirchgang und auf den Spielen des Sonntags bekannt geworden, und wenn sich in ihrem Herzen die Liebe entsprang (oder nach eindringlicher Mitwirkung der Eltern bei gründlicher Erwägung der Vermögensverhältnisse) wurde eine Ehe geschlossen, dessen feierlicher Akt die Hochzeit war. 1 1 Über das Zeremoniell der Hochzeit in Tápé vgl. unsere Ausführungen in Móra Ferenc Múzeum Évkönyve 1957, 151—64. Die aufgezählten Bräuche (und die vielen nicht aufgezählten) und die Traditionen verliehen dem Leben des Volkes einen festlichen Schmuck und gestalteten das allzu schwere Leben schöner und leichter, zugleich auch komplizierter, aber auch erträglicher. Diese Bräuche (Überlieferungen) haben sogar strenger ausgewirkt als die Kraft des Gesetzes. Dieser traditionelle Rahmen war jedoch nicht eine Last für das Individuum, sondern eben im Gegenteil eine Erleichterung; es hat sie angenommen und hat sich in diese traditionelle Ordnung bereitwillig eingefügt, von welcher Ordnung es in seinem ganzen Leben begleitet, behütet und geschützt wurde. Die rasche Entwicklung der Wissenschaft und die Errungenschaften der Technik ziehen die Modernisierung des ganzen Lebens nach sich. Der das Alte zerstörende, das Neue aufbauende Ablauf der Bildung und der Kultur reisst aus dem Leben der Dorfleute immer mehr alte Bräuche und Traditionen hinweg. Es verschwindet die alte naive Anschaungsweise, die veraltete Lebensweise, um einem solchen Neuen Raum zu geben, das dem Geist unserer Zeit besser entspricht. József Waldmann ]74