A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve, 1963 (Szeged, 1963)

Fettich, Nándor: Symbolischer Gürtel aus der Awarenzeit (Fund von Bilisics)

der awarischen Riemenzunge zum ursprünglich hellenistisch-griechischen, mehr natura­listischen Muster. An der bleiernen Kreislappenranke fehlen die kleinen Ausschnitte in der Mitte der Blätter. Diese Ausschnitte, die dem Blatt den pflanzlichen Charakter verleihen, fehlen bei den awarischen Kompositionen niemals (Abb. 4, 1—3, 5, 6). Der Graveur, der diese abstrakte Pflanzenkomposition in den Stein mit Meissel und Bohrer eingravierte, hatte mit der Werkstatt der awarischen Bronzegüsse keine Bezie­hungen. Er arbeitete in einer der Werkstätte der pannonischen Städte, die in der Herstellung der steinernen Negative über eine geschulte Übung verfügte. Unter Ein­fluss der alten Überlieferungen wollte dieser Meister auch bei Nachahmung der awarischen Bronzegüsse an der steinernen Gussform, obwohl die Verfertigung derselben eine bedeutend grössere Arbeit, als der Guss in Sand mit Zweikastensystem forderte, festhalten. Die Modellierung in Wachs und der Guss in Sand mit Zweikastensystem hätte dem Musterbild besser zu passen haben, als die Herstellung in einer fremden Technik.Daraus sehen wir, wie stark der Stil des fertigen Stückes durch die techni­sche Ausführung der Gussform beeinflusst wird. Soviel lässt sich schon jetzt feststellen, dass dieser Graveur ein Barbare (nicht Römer) war, der den abstrakten Formen mehr zugetan war, als den in den römischen Werkstätten gewohnten naturalistischen Formen. Das Weiterleben der Werkstatt-Traditionen bestand nicht immer im zähen Beibe­halten des Motivschatzes, sondern oft in der Aufbewahrung der technischen Mittel und der eingeschulten Kunstgriffe. Bei der vergleichenden Untersuchung der originellen bleiernen Stücke und der technologischen Umstände stellte es sich heraus, dass die bleierne Schnalle von Kecel (Abb. 7, 2), die Pseudoschnalle von Alattyán (Abb. 6, 2), sowie die kleinen Riemen­zungen (Abb. 6, 5—5a) von derselben Meisterhand stammen. Indem die halbkugel­förmigen Elemente und die angelöteten Niete (Abb. 7, 2a, 3a) gemeinsame Züge sind, kann nicht bezweifelt sein, dass die beiden Garnituren gleichalterig sind und aus einer solchen Werkstatt stammen, die sich auf Vervielfältigung mit steinernen Gussformen eingerichtet war. Zu den Garnituren von Alattyán und Kecel lässt sich als dritte die bleierne Garnitur von Bilisics rechnen. Auch dieselbe ist nämlich eine Nachahmung und, was noch wichtiger, folgt auch hier die Technik der Montierung der der nachgeahmten Vorbilder nicht, sondern hält die Verwandtschaft mit den bleiernen Garnituren von Alattyán und Kecel. Die bleierne Garnitur von Bilisics zeigt aber eine bessere Arbeit insoweit, dass man sich mit einem einzigen, angelöteten Niet nicht begnügte (wie es bei den anderen Garniturstücken der Fall war), sondern man überall zwei Niete angelötet hatte. Die Beschläge, versehen mit zwei Nieten, konnten sich nicht drehen (Abb. 1, 3a, 5a, 6a). Nur der Drehbeschlag hatte einen Niet, weil er sich umdrehen musste (8a). Auf Grund der Montierung mit angelöteten Nieten bei den drei Garnituren sind wir veranlasst, auf dieselbe Werkstatt zu denken. Die bleierne Garnitur von Bilisics soll aber aus einer anderen Meisterhand gekommen sein, als die anderen. Eventuell dürfte man auch mit Zeitunterschied zu rechnen haben. Heute besitzen wir noch wenig der bleiernen Garnituren, wenig der Fundmaterialien, um eine Chrono­logie unter den bleiernen Güssen ausarbeiten zu können. Die Methode aber, mit der die neueren Funde untersucht und ausgewertet werden können, wird durch diese technologischen Gesichtspunkte vorgeschrieben und meinerseits empfohlen. Die drei bleiernen Garnituren und die steinerne negative Gussform gehören eng zusammen. Mit diesen vier zusammengehörenden Denkmälern erschöpft sich die Serie der bleiernen Güsse noch nicht. Weitere vollständige Garnituren aus Blei kenne ich zwar nicht, sind aber vereinzelte Riemenzungen und kultische Schmucksachen unter 74

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