Kunt Ernő szerk.: Kép-hagyomány – Nép-hagyomány (Miskolc, 1990)

I. RÉSZTANULMÁNYOK - Tüskés Gábor-Knapp Éva: Barokk kori mirákulumos könyvek illusztrációs sorozatai

Bildteilen das Nacheinander der Ereignisse in unterschiedlicher Zeit nebeneinander und gleichzeitig darstellen. Der grundlegende Unterschied zwischen den Legenden­und Mirakeltexten auf den Bildern erkennt man darin, dass zu den Mirakeln regelmäs­sig nur ein einziges Bild gehört, auf dem die Ereignisse, die sich nach dem gleichen strenden Schema abspielen und im Einzelnen nicht zu verstehen sind, nebeneinander abgebildet sind. Die Legenden bestehen dagegen aus mehreren verschiedenen Moti­ven, die auch in sich selbst interpretierbar und lose aneinander gebunden sind und deren Darstellung meistens nur mit Hilfe mehrerer separater Bilder möglich ist. Den anderen charakteristischen Zug der Illustrationen erkennt man Frontispize und Wallfahrtsbild­chen einander gegenüberstellt. 31 Während auf den letzteren der Kultgegenstand und seine Umgebung im Mittelpunkt steht, nimmt auf den Illustrationen die Darstellung der Ereignisse der Legende oder des Mirakels den grösseren Platz ein, und der Kultge­genstand rückt an die zweite Stelle. Auf das Verhältnis von Wort und Bild weisen auch die Inschriften der Stiche hin. In den Büchern von Zágrábremete und Máriaradna besitzen die Darstellungen keinen Textteil. Hier findet man die Auslegung und Begründung der Bilder ausschliesslich im Buchtext. Besonders auffallend ist das Fehlen der Inschriften auf den Bildern von Zágrábremete. (Abb. 9) Diese sind alle sog. Mirakelbilder und sind ähnlich wie die Voltivbilder aufgebaut. Zur Struktur der Votivbilder gehört aber auch die textliche Information eng dazu, die hier gänzlich in den Mirakelbeschreibungen zu finden ist. Im unteren Teil der Illustrationen des Mirakelbuches von Budaszentlörinc sind latein­und deutschsprachige Inschriften zu lesen, die den kurzen Auszug der jeweiligen Texte mitteilen und die immer mit dem Titel jenes Kapitels identisch sind, dem die Darstel­lung beigefügt wurde. Damit weisen die Inschriften auf den unmittelbaren Zusammen­hang der Bilder mit einem bestimmten Textteil eindeutig hin. Die Bildunterschriften der Serie von Mariatal stimmen mit den ins Bild hineinkom­ponierten Inschriften der als Vorlage gebrauchten Fresken genau überein. Diese Bibel­zitate, Marien-Allegorien und Details aus dem Salve Regina sind eigentlich als Lem­mata zu bezeichnen, die den Bildern einen symbolischen Inhalt geben und sie in die Nähe der Embleme bringen. (Abb. 10) Diese auslegenden und begleitenden Inschriften der Bilder zeigen unmittelbar die didaktische Funktion der Illustrationen. Infolge dieser Konzeption werden die Illustrationen von dem Leser nicht nur als zu irgendeinem Textteil, sondern auch zum ganzen Text gehörend wahrgenommen, und dadurch wird er zur weiteren aktiven Handlung, zum Weiterdenken von Text und Bild, zur Medita­tion angeregt. So spiegeln diese Bilder auch einen Teil jenes Prozesses wider, in dem die Ikonographie der algorisch-emblematischen Bildtypen durch die Vermittlung der graphischen Illustrationen der geistlichen Literatur den breiteren Schichten nahe geb­racht wird. Formale und motivische Charakteristiken Die formalen und motivischen Eigentümlichkeiten der Darstellungen werden grundsätzlich durch zwei Faktoren bestimmt: Einerseits durch die zugrundeliegenden Text- oder Bildquellen, andererseits durch die künstlerischen Qualitäten und die Er­zählperspektive des Stechers. Die determinierende Rolle des Textes ist auf den Mira­kelbildern besonders gut zu sehen, deren drei Hauptmotive, der Textstruktur und dem Bildtyp entsprechend, die folgenden sind: Das Subjekt der Ereignisse mit seiner Umge­bung, die Notsituation und der Kultgegenstand. Ausserdem kommt manchmal als viertes Motiv die Darstellung der Hilfe, der Errettung aus der Notsituation hinzu. (Abb. 11) An diese Hauptmotive knüpfen sich gelegentlich weitere Ergänzungsmotive. So kann an das Motiv „Subjekt mit Umgebung" das Motiv des Gelübdes (des Zuhilferu­fens), an das Motiv der Notsituation irgendein Symbol und an den Kultgegenstand die 17 257

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