Népi építészet a Kárpát-medence északkeleti térségében (Miskolc, 1989)
Cseri Miklós: A kisnemesi építészet sajátosságai a Kárpát-medence északkeleti régiójában
In der vorliegenden Studie wird als Teil eines Langzeitforschungsprogrammes der Versuch unternommen, anhand der - wenn auch nicht sehr zahlreich - zur Verfügung stehenden historisch-archivarischen Quellen und rezenten Sammlungen auf die spezifischen Züge in der Architektur des Kleinadels aufmerksam zu machen. Hervorgehoben werden hier das Baumaterial, die Techniken, Konstruktionen und Formen, die in einer gewissen Periode nur mit der Architektur des Kleinadels in Verbindung zu bringen sind, und wo sich auch nur eine Gelegenheit bietet, werden das Auftreten dieser Elemente bzw. ihre Verbreitung in der bäuerlichen Architektur ebenfalls betont. In Hinblick auf einzelne Baumaterialien (Stein, Ziegel, Balkenkonstruktion), Deckenkonstruktion (Gewölbe und Balkandecke), Dachstuhlkonstruktion, einzelne Dachdeckmaterialien (Holzschindeln, Dachziegel), die Grundrissanordnung (doppelgängig und L-förmig) sowie in Hinsicht auf den Aussenflur (ung.: tornác) und seine unterschiedlichen Formen haben die Quellen den Beweis erbracht, dass die privilegierten Schichten in deren Anwendung der Architektur unter den Leibeigenen und Bauern weit voraus waren. Es ist aber auch zu sehen, dass es einige Gebiete gibt - z.B. die Feuerungseinrichtung, die Frage des Rauchabzugs, die Umzäunung, die Frontverzierungen, die Problematik einzelner spezieller, nur beim Kleinadel vorhandener Gebäude usw. -, auf denen dieser Unterschied in Ermangelung an überzeugenden Quellen vorläufig nicht in vollem Masse bewiesen werden kann. Vor allem die zweite Hälfte des 18. und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts waren jene Periode, in der sich die hier genannten Elemente in der Architektur der Herrensitze und des Kleinadels verbreiteten. Und dies geschah nicht rein zufällig, denn es handelte sich hier ja auch um die Blüte in der Kultur des Kleinadels, und auch zahlenmässig war der Kleinadel zu der Zeit am stärksten. Nachdem sich die Kämpfe gegen die Türken und das Haus Habsburg gelegt hatten, nahm eine friedlichere Zeit ihren Anfang in Ungarn. In Wirkung der relativen Existenzsicherheit und der Getreidekonjunktur kam es zu einer Betonung des Adeldaseins, die sich auch in Äusserlichkeiten zeigte, sowie zu einem bewussten Streben nach allem Schönen. Bei diesem oder jenem Kleinadligen war kaum die Tinte auf seinem Adelsbrief trocken geworden, schon war er in gehöhtem Masse darauf bedacht, seinen Platz in der Gesellschaft seiner Umgebung einzunehmen. Und paarte sich die Sucht, auffallen zu wollen, noch mit der bötigen Besitzschaft, so konnte er dies am sichtbarsten dadurch erreichen, dass er Adelsitze oder Herrenhäuser bauen Hess, die durch ihre neuartige Konstruktion und ihr Material von den Häusern der Umgebung abstachen. Natürlich bestand die Vorbedingung zur Verwirklichung all dieser Bedürfnisse in einer entwikkelten Arbeitsteilung sowie darin, die Tätigkeiten der sich spezialisierten Handwerksmeister von den Dörfern auf höherem Niveau anzuwenden. Der Barock zum Ende des 18. Jahrhunderts und noch eher die klassizistische Architektur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie die repräsentativen Bauten der Kirche, der Städte und der Aristokratie ermöglichten jene Möglichkeiten, sich ein kulturelles Beispiel zu nehmen, die sie ihrer eigenen Wertordnung entsprechend adaptieren konnten. Aus den Angaben geht auch hervor, dass zur Mitte des 19. Jahrhunderts hin die Architektur des Kleinadels und der Kurien - parallel zur Eingliederung des Kleinadels in die Bauernschaftimmer mehr an Schwung verlor. Nach der Befreiung von der Leibeigenschaft, mit Abschaffung der feudalen Bindungen sowie mit der Verstärkung des Besitztums und der Verbürgerlichung wurden die begüterteren bäuerlichen Schichten diejenigen, die das architektonische Bild Ungarns zu formen begangen. Die Architektur der Herrensitze und des Kleinadels wirkte in dieser Zeit hauptsächlich durch ihr „Vorbild" und ihre Vermittlerrolle auf die Umwandlung ein. Die Fragen, in welcher Art und Weise diese Übernahme und Übergabe verliefen, durch die Vermittlung welcher Faktoren sich die neuen architektonischen Elemente bei der Bauernschaft verbreiteten, und in konkret welcher Form die Architektur des Kleinadels die bäuerliche Fruweise in der nördlichen Region bereicherte, stellen das wichtigste Gebiet meiner weiteren Forschungen dar.