A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 35-36. (1997)

LÉNÁRT Béla: Néptanítók Borsodban 1868-1918

VOLKSSCHULLEHRER IN BORSOD Der sich aufgrund der Schulpflicht ausbreitende und erstarkende Volksunterricht bereicherte die ohnehin schon gegliederte Schichtung der bürgerlichen Gesellschaft mit einem neuen Farbgfleck, den Pädagogen. Die Schicht der Volksschullehrer wuchs zahlenmäßig sehr schnell und es war nicht gleichgültig, wie und mit welcher gesellschaftlichen Achtung sie sich in die bürgerliche Gesellschaftsstruktur einfügte. Leider muß festgestellt werden, daß dieses Prestige in Wirklichkeit keinen hohen Stand erreichte und damit wurden die Pädagogen auf lange Zeit von einer gesellschaftlichen Beurteilung umrahmt, deren negative Folgen diese Schicht bis heute noch nicht überwunden hat. Woher dieser niedrige Rang herrührt, ist heute bereits schwer festzustellen, ob die negative Gestaltung dieses Prozesses durch die staatlicher/regierungsseitige Beurteilung selbst entfacht wurde, indem die gesetzliche Festlegung der Löhne die qualifizierten Facharbeiter nicht berücksichtigte oder ob die entscheidende hierarische Schulordnung der Kirche die Lehrer in eine von vornherein ausgelieferte Lage brachte. Anfangs verfügten auch die Volksschullehrer noch nicht über hochqualifiziertes Fachwissen und wegen der Aussichtslosigkeit des Berufes tauchte unter ihnen zweifellos auch Gleichgültigkeit und Unbekümmertheit auf. All dies gemeinsam führte dazu, daß die Lehrer innerhalb der sich zum Ende des vergangenen Jahrhunderts ausbildenden Intelligenzstruktur an die Peripherie gedrängt wurden. Zur Jahrhundertwende aber änderten sich die Bedingungen einigermaßen, die Löhne wurden etwas erhöht und sicherer, infolge des staatlichen Eingriffes (Staatshilfe) waren sie der Kirche weniger ausgeliefert und die Lehrervereine aber ermöglichten die Ausbildung solidarischer Ideen. All dies änderte allerdings nichts an der entstandenen Situation, bei unseren Forschungen stehen wir in unserem Komitat einer ziemlich gegliederten Volksschullehrerschicht gegenüber, wo neben den ihre Arbeit nachlässig oder automatisch verrichtenden auch hervorragende Persönlichkeiten angetroffen werden können, die nicht nur für einen Aufstieg ihrer eigenen Kollegen kämpften, sondern die Wichtigkeit des Berufes betonend den Schulen und Lehrern auch gesellschaftliche Achtung verschafften. Natürlich waren diese letzteren in der Minderheit, doch aufgrund ihrer Arbeit wuchs gewissermaßen die Aufmerksamkeit der Gesellschaft gegenüber der Schule und die Aussichten auf das Erreichen einer besseren Gesellschaftsposition wurden größer. Der Weltkrieg aber hielt diesen Prozess auf, deshalb mußte später in vielen Dingen von vorn begonnen werden. Béla Lénárt 287

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