A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 30-31/2. (1993)
ISTVÁNOVITS Eszter–KULCSÁR Valéria: Tükrök a császárkori és a kora népvándorlás kori barbár népeknél a Kárpát-medencében
DIE SPIEGEL DER KAISER- UND FRÜHVÖLKERWANDERUNGSZEITLICHEN BARBARENVÖLKER IM KARPATENBECKEN (Resümee) Die Zahl der aus dem Barbaricum des Karpatenbeckens stammenden Spiegel ist nicht allzu groß, gelichzeitig aber rechtfertigen es die charakteristischen Umstände ihres Vorkommens (z. B. der Brauch, sie zu zerbrechen), daß wir ihnen eine gesonderte Studie widmen. Bei den sarmatischen Stämmen in der südrussischen Steppe war es eine weitverbreitete Sitte, Spiegel ins Grab zu legen. Die Grabkomplexe des sarmatischen Barbaricum im Karpatenbecken brachten bislang in etwa fünfzig Fällen Spiegel ans Tageslicht, die sich typisch weder an eine engere Periode, noch geographische Region binden lassen. Diese Funde können folgenden Typen zugeordnet werden: Typ 1. Spiegel mit Rand (Tafel 1, 1; Abb. 1, A): Vermutlich östlichen Ursprungs. Kamen in allen Fällen zerbrochen, beschädigt bzw. als Scherbe zum Vorschein. Ihre geographische Verbreitung ist allgemein, ihre Zeitstellung deutet eher auf die spätsarmatische Zeit hin. Typ 2, Glatte Spiegel (Tafel 1, 2; Abb. 1, B): Provenienz unsicher. Sowohl im Material der östlichen Sarmaten, als auch der römischen Provinzen findet man ähnliche Spiegel. Im Barbaricum sind sie allgemein verbreitet, beginnend von der frühesten Periode der sarmatischen Einwanderung bis in die Jahrzehnte unmittelbar vor der Hunnenzeit. Von diesem Typ sind uns die meisten unversehrten Stücke bekannt. Typ 3. Spiegel mit perforiertem Rand (Tafel I, 3-4; Abb. 1, C): Römische Importwaren. Gelangten in der Mehrzahl fragmentiert, zerstört oder zerbrochen ins Grab. Schwerpunkt ihrer geographischen Verbreitung ist die mittlere Region der Großen Ungarischen Tiefebene. Typ 4. Eckige Spiegel (Tafel I, 5; Abb. 1, D): In der Tiefebene die seltenste Form, die lediglich von drei Fundorten bekannt ist. Auch ihre Form selbst ist unsicher, da alle drei Funde Scherben waren. Typ 5. Nomadische Spiegel (Abb. 2): Ihr Vorkommen ist nicht auf das sarmatische Barbaricum beschränkt, in der Mehrzahl kamen sie sogar außerhalb von dessen Territorium - im Osten bzw. nördlich von Transdanubien - zum Vorschein. Die im 2.-3. Jh. in der Wolgagegend herausgebildete Form verbreitete sich bis zum 4.-5. Jh. vom Nordkaukasus über die Ukraine bis hin zum Karpatenbecken, gleichzeitig alle früheren Typen verdrängend. Die Exemplare des Karpatenbeckens gehören überwiegend zum sog. Typ Tschmi-Brigeto mit Strahlenverzierung, die davon abweichenden Stücke (Tafel II, Abb. 2, F-K) fehlen in der Tiefebene. In der Mehrzahl gelangten die Spiegel zerbrochen ins Grab. Hinsichtlich einer ritullen Zerstörung, Beschädigung lassen sich folgende Gruppe unterscheiden: 1. Unterbringung einer Scherbe, 2. Unterbringung zerbrochener Spiegel, 3. Unterbringung beschädigter Spiegel, 4. Unterbringung unversehrter Spiegel. Der Zusamennhang zwischen Art und Weise der Zerstörungen sowie der Form wurde von uns in folgen - der Tabelle zusammengefaßt: Mit Rand Glatte Perforierte Insg. Nomadische Scherbe 5 (62,5%) 7 (33,3%) 6(42,9%) 18 (41,9%) 14 (38%) Unversehrt 9 (42,8%) 1 (14,3%) 11 (25,6%) 9 (24%) Beschädigt 1 (12,5%) 3 (14,3%) 5 (33,7%) 9 (20,9%) 6 (16%) Zerbrochen 2 (25%) 2 (9,5%) 1 (7,1%) 5 (11,6%) 8 (22%) Insgesamt 8 21 14 43 37 55