A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 30-31/2. (1993)

DÉNES József: A honfoglalás és az államszervezés korának várai

DIE BURGEN AUS DER ZEIT DER LANDNAHME UND STAATSORGANISATION (Resümee) Der Zeit der Landnahme und Staatsorganisation, d. h. im großen und ganzen dem zwischen 900 und 1050 anzusetzenden Zeitraum, lassen sich im Verhältnis zu den späteren Zeitaltern weniger Burgen zuweisen. Auch unter diesem Gesichtspunkt kann das 10. als ein unsicher zu beurteilendes Jahrhundert betrachtet werden. Ein Teil der Historiker und Archäologen, die sich mit dieser Epoche befassen, möchte am liebsten sämtliche Burgen in die Zeit der „Staatsorganisation" datieren, die mit den Namen des Großfürsten Géza und König Stephans I. zu verbinden ist. Nach Meinung anderer Experten wiederum sind die Festungen mit großer Grundfläche und breitangelegten Schanzen frühere als die für den Zeitraum nach 970 typischen Burgen, die zwar ein technologisch höheres Niveau, aber eine kleinere geschützte Räche, schmalere Schanzen hatten. Von den aus der Zeit zwischen 900-1050 stammenden Burgen berichten sowohl urkundliche, als auch epische Quellen. Letztere erwähnen dabei nicht nur als Verwaltungszentren definierbare Festungen. Aus den epischen Quellen wissen wir, daß ­im Gegensatz zur oberflächlichen Allgemeinauffassung der Fachwelt - von Anfang an mit Burgen unterschiedlicher Funktion, darunter auch mit Privatsitzen, gerenchnet werden kann. Lange Zeit erregten nur die Festungen mit den auffälligsten und spektakulärsten Überresten Aufmerksamkeit. Erst später wurde deutlich, daß es unter den ungarländischen Burgen des 10.-11. Jh. auch solche gibt, deren Abmessungen und Schanzenkonstruktion wesentlich von den vorgenannten abweichen. Grundlegend unterscheidet sich das statische Prinzip der Konstruktionen bei den größeren, archaisch erscheinenden Festungsbauten, die von einer Schanze mit breitem Fuß umgeben sind, sowie bei den der Abmessung nach kleineren, jedoch wesentlich anspruchsvoller errichteten Burgen. Aufgrund der begrenzten Haltbarkeit des Holzmaterials mußten die Befestigungen mehrfach erneuert werden und dürften auch so nicht von allzu langer Dauer gewesen sein. Bei den meisten errichtete man in der letzten Periode auf dem Grat der Schanze, deren Material vermorscht und verwittert war, eine Steinmauer. Es gibt in Ungarn mehrere solcher als Gespanssitze fungierten Burgen, wo Stein- bzw. Ziegelmauern die frühesten bekannten Überreste der Festung darstellen. Ihr Grundriß zeigt eine derartige Ähnlichkeit, die vielleicht die Annahme nicht zu gewagt erscheinen läßt, daß sie nach einem identischen System, zur Befriedigung eines konkreten Anspruchs erbaut worden sein dürften. Die Funktion der Burgen, die aus der Zeit der Landnahme und Staatsorganisatiön stammen, läßt sich nicht starr interpretieren. In der Zeit Stephans des Heiligen bzw. Mitte des 11. Jh. ist verhältnismäßig leicht zu bestimmen, welche der Festungen Komitatszentren waren, welche als Zentrum einer Burggespanschaft, die nicht über ein exakt umgrenztes Gebiet verfügte, anzusehen ist, d. h. als Sitz einer kleineren Verwaltungseinheit (conpagus, districtus), deren Größe die eines Komitats nicht erreichte. Allerdings ist die Rekonstruktion der Gesellschafts-, Territorial- und Verwaltungsverhältnisse des früheren Zeitraums - vor Organisierung der christlichen Monarchie - noch nicht deutlich genug. So ist es nicht ausgeschlossen, daß die eine oder andere Burg - die vermutlich auch in den frühen Jahrzehnten des 10. Jh. schon stand - ihren in der ersten Hälfte des 11. Jh. bestimmbaren Aufgabenkreis erst im Zuge der sog. Staatsorganisation erhielt. 429

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