Janus Pannonius Múzeum Évkönyve 35 (1990) (Pécs, 1991)

Történettudományok - Bezerédy Győző: Baranya megye településeinek pecsétjei a feudális korban (III. rész)

BARANYA MEGYE TELEPÜLÉSEINEK PECSÉTJEI III. 129 Die Stempel der Gemeinden des Komitates Baranya in der feudalen Zeit Teil III. Győző BEZERÉDY Bei der Bestimmung des Alters der undatier­ten Stempel kann uns die Stilanalyse zur Hilfe sein. Zeitweise lässt sich die Änderung der Stil­richtungen und der Mode auch bei den Stem­peln nachweisen. Eine barocke Pflanzenorna­mentik wurde auf dem Stempel der Gemein­de Szárász angebracht. Auf dem 1711 datierten Stempel von Mezöd ist ein klassizistischer Altar zu sehen, auf dem die landwirtschaftlichen Pro­dukte des Dorfes und Werkzeuge liegen. Rea­listische Darstellungen sind auf den Stempeln von Vörösmart und Bán (Bárányban) zu sehen. Auch die Auswirkungen der Heraldik lassen sich bei den Stempeln nachweisen. Die heral­dische Darstellung kann ein Wappenbild oder eine Meisterfigur sein, manchmal wird man einige Motive von bekannten Familien wappen übernommen haben. Diese können auf den Wappen des Dorfherren hindeuten (z. B. auf den Batthyány—Wappen). Auf den Stempeln lässt sich ein breiter Skala der Menschendarstellung entdecken, vom he­raldischen wilden Mann (Komló) bis zum unga­rischen Kleinadeligen in seiner charakteristisch verschnürten Kleidung. Oft und mit Vorliebe wurde auch der einfache Dorfbewohner darges­tellt, das war vor allem bei den deutschen Dör­fern gewöhnlich (Doboka). Zu dieser Gruppe gehören auch diejenigen Stempel, die Heiligen­figuren darstellen. Es kommen auch „sprechende" Stempel des öferen vor, bei denen die dargestellten Objekte auf den Namen des Dorfes hinweisen; so z. B. beim Dorf Penge (penge=Klinge) ist eine Sense im Feld des Stempels zu sehen, bei Komló (Komló=Hopfen) findet man die Abbildung des Hopfens, bei Mecsekszakái (szakái—Bart) trägt die männliche Figur einen Bart, bei Oroszló (ló=Pferd) ist ein sich bäumendes Pferd, bei Szajk (száj ко =Häher) ein Vogel, bei Tapolca ein Warmwasserbad abgebildet. Manche Stem­pelschneider verwendeten auch diverse Zier­und Füllelemente (Stern-, Mond-, Sonnen-, Ro­sen- und Pünktchenmotive) gern, die zumeist keine Bedeutung hatten. Die Stempelschneider waren oft gebildete Graveurmeister, manchmal Goldschmiede, es kam aber nicht selten vor, dass die Dorfstem­pel von unschriftkundigen Dorf- oder Wander­schmieden angefertigt wurden, sodass in diesen Fällen auch fehlerhafte Texte oder unlesbare Buchstaben in den Inschriften zu finden sind.

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