Janus Pannonius Múzeum Évkönyve 23 (1978) (Pécs, 1979)

Régészet - Maráz, Borbála: Zur Frühhallstattzeit in Süd-Pannonien

ZUR FRÜHHALLSTATTZEIT IN SÜD-PANNONIEN 153 hin, die wir von den pannonischen Gebieten ken­nen). Aufgrund der vielen Bronzedepots (noch vor Entdeckung der Jakabberger Tumulusbestattungen) hat bereits Sándor Gallus den Einbruch eines ero­bernden Volkes in das Karpatenbecken am Be­ginn der На С Periode vermutet, vor dessen An­griff die Bevölkerung der Urnenfelderkultur ge­flohen ist. Aufgrund der Füzesabonyer (Nordost­Ungarn), vom ihm für präskythisch gehaltenen Gräber und des Fundmaterials von der Kiskőszeg — Dalj — Stillfried Art (das auch kimmerische Pferdegeschirre enthielt) hat. S. Gallus dieses ero­bernde Volk mit einem reiternomaden präsky­thischen Volk identifiziert. 32 Solche präskythischen oder mit anderen Wor­ten thrako-kimmerischen Gegenstände sind auch aus den Jakabberger Tumuli bekannt, trotzdem sind wir der Meinung, daß die, am Beginn der Hallstattzeit in Pannonién erscheinenden Erobe­rer nicht zu den präskythischen Stämmen des Steppenursprungs gehörten : 1. Die Funde präskythischen oder thrako-kim­merischen Types (in erster Linie die Pferdege­schirre) erschienen in Mitteleuropa nämlich bereits vor der Verbreitung der Hallstattkultur, zur Zeit der Urnenfelderkultur. Sie können auch in den Schatzfunden der Urnenfelderkultur angetroffen werden, 33 die die pannonische spätbronzezeitliche Bevölkerung vor den, Anfang der Hallstattzeit er­scheinenden Eroberern in die Erde versteckte. Die Bronzegegenstände thrako-kimmerischen Types er­schienen in der Tschechoslowakei, in Südpolen, im Karpatenbecken und auf den slowenischen und südostalpinen Gebieten bereits in der На В Pe­riode und können auch unter den Funden der Pe­rioden Ha Cj —C 2 angetroffen werden, sie waren also lange Zeit in Mittelosteuropa im Gebrauch. 3<î 32 Gallus S.: Die Urgeschichte des Karpatenbeokens und die „Indogermanisierung" Italiens. ArohÉrt (1944—45) 60—61.; Gallus S.— Horváth T. (1930) 64.; Aufgrund der Bearbeitung von Gallus S. und Horváth T., hat Harmatta J. die „thrako-kimmerische Theorie" zusammengefaßt (Le problème cimmérien. ArchÉrt (1946—48) 79—132.]. 33 Einige solche Schatzfunde : Adasevci und Sarengrad (Z. Vinski: „Tracko-kimmerijski" na­laz Adasevci u Srijemu. — Der „thrako-kimme­rische" Fund von Adasevci in Syrmien. RVM 4 (1955) 27—42.; K. Vinski-Gasparini (1973) 209—210.; Taf. 130—131.) Szanda [Gallus S— Horváth T. (1939) 18., Taf. X—XL], Stillfried [K. Willvonseder : Ein Deportfund aus Stillfried a. March. WPZ 19 (1932) 25—38.; R. Pittioni: Urgeschichte des österreichischen Raumes. Wien (1954) 496—504., Abb. 356.] In Ka­ka s d (Transdanubien) kam in einer, zur Urnenfel­derkultur gehörenden, aufgewühlten Bestattung eine bronzene Dolchscheide zutage [Mészáros Gy.: Pre­szkíta lándzsahüvely Kakasdról. — Le fourreau de lance préscythe de Kakasd. ArchÉrt (1961) 210— 218.]. 3/1 Siehe die Literatur unter Anm. 21—25. 2. Weder aus der Periode Ha B t , noch aus den Perioden Ha Cj —C 2 kennen wir in Pannonién und Slowenien keine einzige Bestattung oder Sied­lung, die eindeutig als der Nachlaß des erobern­den reiternomaden präskythischen Volkes betrach­tet werden kann. Nur die Form einiger Schwerter, Trensen und Pferdegeschirrbeschläge stammt aus der materiellen Kultur des präskythischen Volkes der Schwarzmeergegend, die wahrscheinlich auf dem Wege des Handels in das Karpatenbecken ge­langten. Die örtliche spätbronzezeitliche Bevölke­rung hat diese Gegenstandsformen übernommen und lange Zeit nachgeahmt. 35 Sämtliche Eigenar­ten des Jakabberger Fundortes (der Hügelbestat­tungsritus, mit Ausnahme der Pferdegeschirre sämtliche Grabbeigaben und der Erdburgbau) deu­ten eindeutig auf die Bevölkerung der Hallstatt­kultur hin, bei denen sich im Kreise der Stam­mes und Kriegsaristokratie die Verwendung der Pferdegeschirre thrako-kimmerischen Types als Prestigegegenstand, „Status Symbol" oder aus Mo­de verbreitete. 3. Aus den hallstattzeitlichen Bestattungen kann in einigen Fällen ausgewiesen werden, daß diese keine originellen Gegenstände der Pontus-Gegend, sondern nur örtliche Nachahmungen sind. Die Sei­tenstangen des Tumulus 1. auf dem Jakabhegy sind zweifelsohne örtliche, mitteleuropäische Va­rianten der aus dem kimmerischen Material be­kannten Exemplare. Die einfachen Bronzeringfußknöpfe mit kalot­tenförmigem Knopf der auf dem Jakabberg er­schlossenen Tumuli 1., 6. und 10. (Taf. VII. 2—4, 6, Taf. VIII. 3—5) haben weder im kimmerischen Material der Waldsteppen-, noch in diesem der Steppenzone und der Kaukasus-Gegend gerade Pa­rallelen oder Vorbilder. Dieses sind ausgesprochen aus Mitteleuropa stammende und hier angefertig­te Stücke, genauso wie der größte Teil der spä­bronzezeitlichen und frühhallstattzeitlichen Pfer­degeschirre von Mitteleuropa. 36 Im Sinne der bisher aufgezählten Angaben kön­nen die Jakabberger Tumuli in die Zeit der Ha C± Periode, in das 8. Jh. v. u. Z. datiert werden. Aufgrund des gefundenen Fundmaterials kann als sicher betrachtet werden, daß das, in die Tumuli bestattende, die frühe Hallstattkultur tragende Volk in Transdanubien dem Leben der Urnenfel­derkultur am Ende der На В Periode, gegen 750 v. u. Z. ein Ende machte (einen Teil der Bevöl­kerung in sich verschmelzend). Die ostalpine Hallstatt-Bevölkerung konnte der blühenden Me­tallurgie der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkul­tur ein Ende machen bzw. die politischen, gesell­schaftlichen Rahmen sprengen, die diese Bronze­33 V. Podborskï (1967) 220.; T. G. E. Powel (1976) 5. 36 Über die Frage ausführlicher: G. Kossack (1954).

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