Janus Pannonius Múzeum Évkönyve (1960) (Pécs, 1961)
Bökönyi Sándor: A lengyel kultúra gerinces faunája. I.
ш EÖKÖNYI SANDÔË DIE VERTEBRATENFAUNA DER FUNDORTE DER LENGYELER KULTUR Í. SÁNDOR BÖKÖNYI Schon frühzeitig ergab sich die Notwendigkeit der Untersuchung der bei Gelegenheit archeologischer Grabungen aus Absiedlungen und Gräbern zum Vorschein gekommener tierischer Überreste. Die erste Anregung zu diesen Untersuchungen erhielten die Zoologen von den Archeologen, die frühzeitig erkannten, dass wir durch die Bestimmung der bei Ausgrabungen zum Vorschein gelangter tierischer Überreste, Gebeine, Zähne, Geweihe usw., nicht nur die von einst lebenden Völkern gejagten und gezüchteten Tiere kennenlernen, sondern darüber hinaus, aus den so gewonnenen Daten auch auf die wirtschaftliche Lage und auf die damals herrschenden klimatischen Verhältnisse zu schliessen vermögen Die ersten Zoologen jedoch, die hauptsächlich vom Gebiet der Paléontologie und Tierzuchtlehre auf dieses Gebeit umsattelden und sich mit diesen Untersuchungen zu .beschäftigen begannen, führten ihre Versuche — von wenigen Ausnahmen abgesehen — nicht in dieser Richtung, sondern vertieften sich eher in rassenkuindliche Probleme. Dies hatte grundsätzlich Kwei Ursachen. Erstens dass aus den damaligen Ausgrabungen eine ziemlich geringe Anzahl Knochenmaterial in die Hände der Forscher gelangte, da die Gräber das Material überhaupt nicht, oder sehr lückenhaft einlieferten, zweitens aber dass das Interesse derjenigen Forscher, die ursprünglich Züchter waren, von vornherein in dieser Richtung lag, die auf dieses Gebiet übergegangenen Paleontologem brachten aber solche Forschungsrichtungemi mit sich, welche zu diesen Zeiten auf ihrem ursprünglichen Fachgebiet begangen wurden und schliesslich wiederum in die Rassenkunde mündeten. Als Resultat dieser Forschungsrichtung mehrten sich dann die Haustierrassen und gleichzeitig auch ihre wilden Ahnen wie Pilze, dagegen war unser Wissen über die Zusammensetzung der gesamten Fauna, über ihre Veränderungen, mehr als gering. Eine grundsätzliche Änderung auf diesem Gebiet brachten erst die dem ersten Weltkrieg folgenden Jähre; vor allem waren es Schweizer Autoren, die die Fauna einer ganzen Reihe Schweizer urzeitlichen Siedlungen aufgearbeitet hatten, und sich in ihrer Arbeit neben rassekundlichen Beziehungen, auch mit der Fauna als Ganzes beschäftigten. Der schwache Punkt ihrer Arbeit war aber, dass sie das Material der einzelnen Siedlungen in sich untersuchten, und nicht einmal in den Zusammenfassungen die Gestaltung der Fauna in ihrer Entwicklung betrachteten. Es leistete eine sehr nützliche Arbeit in dieser Beziehung auch der Pole Lubitz- Niezabitowski, der die Ergebnisse 1 der Untersuchung des Knochenimiateriais zahlreicher archeologischen Fundstätten in Polen summierte. Er starb leider, bevor er seine zusammenfassende Arbeit beenden konnte, so dass seine Ergebnisse nur in Form von Notizen auf uns übergingen,. Im den neueren Zeiten leistete der deutsche Boessneck wertvolle Arbeit in dieser Beziehung, der ein: sehr reichhaltiges und recht weirvolles Knocheramaterial, das sich vom Neolithikum bis zum Mittelalter erstreckt, aufarbeitete, doch vertief sich auch er eher in die Beziehungen der Rassemikunde und der Grössenwerhältnisse und wertet sein Material in f aunistischer und faunadynamischer Hinsich nicht aus. Wir haben diejenigen Ergebnisse, die sich auf die Untersuchungen der Fauna urzeitlichen Fundstätten, in erster Reihe urzeitlicher Siedlungen beziehen, in letzter Zeit zusamimemgefiasst, Dabei verfolgten wir die Entwicklung der Wirbeltierfauna über die Urzeit Ungarns und bestimmten die charakteristischen Züge der Fauna der einzelnen Zeitalteir — auch der einzelnen Kulturen in Neolithikum und in der Kupferzeit. Diese Kennzeichen sind so typisch, dass wir in ihrer Kentmisis aus der Zusammensetzung der Fauna einzelner Siedlungen auf deren areheologisches Alter schliessen können. In unserer oben genanntem Arbeit befassten wir ums jedoch mur 'mit einer bestimmtem eingeschränkten Anzahl van Fragen im Zusammenhang mit dem heimischen Knocheinmaterial der Urzeit; so vertieften wir uns überhaupt nicht in rassenkuindliche, über die Körpergrösse der Tiere und ihre Altersgruppe usw. betreffende Probleme. Da aber vom Blickpunkt der einstigen Fauna, hauptsächlich aber der Fauna der Haustiere auch diese Fragen eine grosse Wichtigkeit haben, wollen wir uns mit diesen in den nächsten Jahres beschäftigen, mach Möglichkeit die Faunen der heimischem urzeitlichen Kulturen aneiimender reihend. Diese Arbeit lieginnen wir jetzt mit der Fauna der Lengyeler Kultur. Die Lengyeler Kultur ist eine der interessantesten und wichtigsten Kulturen des Aeneolithikums im Ungarn, deren reiche Absiedlungen und Friedhöfe im Süden Trainsdanubiens aufgedeckt wurden. Die 'monographische Aufarbeütumg ides iarcheologischem Materials der Kultur erschien im jüngster Zeit und zur Ergänzung dieser möchte ich nun der Bearbeitung des Tierkiniochenmaterials, d. h. mit Bekanntmachung deir vom Menschen dieser Kultur gezüchteten und gejagten Tiere beitragen. Die Fauna der (beiden „klassischen'' Fundorte der Lengyeler Kultur — die Fauna von Zengővárkomy und Péesváirad-Aranyhegy — wenigstens ihre Zusammensetzung haben wir in unserem zusiamenfassenden Aufsatz bereits behandelt. Die Fauna von Villánykövesd, die seither ausgegraben wurde, ist aber auch in dieser Beziehung noch unbekannt. Unsere Arbeit, die sich mit der Fauna der Kultur beschäftigt, — wünschen wir in zwei Teilen veröffentlichen. Im zur Zeit erscheinenden ersten Teil teilen wir die Beschreibung der Tierreste der Fundorte von Zeingőváirkony und Pécsvárad mit, während der zweite Teil, der die Beschreibung und Masse des Materials von Villánykövesd, sowie die Auswertung des gesamten zoologischen Materials der Kultur (beinhalten soll, wird in der nächsten Nummer desselben Jahrbuches erscheinen. Am Fundort von Zengővárkomy führt János Dombay seit 1934 an dem vom Pécsvárad-Aranyhegy aber seit 1998 Grabungen durch. Das vom dem beiden Fundorten zumi Vorsehen gelangte Material kam zum überwiegenden Teil aus Siedlungsteilen, Grubeini, Häusern usw hervor, ist also grundsätzlich als Küchemabfall zu betrachtem (aus Gräbern kam mur eine ganz geringe Anzahl von Knöchern zum Vorschein).