Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Solymos, Ede: Die südslawischen Beziehungen der ungarischen Donaufischer

bis dahin gebräuchliche, geflochtene Weidenreuse ab. Zu Anfang dieses Jahrhunderts hat sich die neue Reusenform in der Donaufischerei ausge­breitet. Diese Behauptung wird dadurch untermauert, dass HERMAN auf­fallend viele, heute kaum mehr bekannte Varianten der Netzreuse beschreibt und jenen Typ mit 5 Ringen, 2 Trichtern und 1 Flügel, der heute allgemein in Verwendung steht, von ihm eben nur erwähnt wird, und zwar als ein Fische­reigerät, welches im Drauwinkel vorkommt. Aus all dem können wir folgern, dass die Netzreuse eine neue Erscheinung ist, die im vorigen Jahrhundert auf den ungarischen Gewässern bekannt worden ist, dass die vielen Formvarian­ten dieser Zeit ein Versuchsstadium charakterisieren, aus dem dann die geeignetste Form, nähmlich die mit 5 Ringen, entwickelt wurde.5 Laut JANKÓ dürfte die Flügelreuse entweder deutschen oder slawischen Ur­sprungs sein, weil sie bei beiden Völkern heimisch ist.6 Die Benennungen wei­sen jedoch ohne Zweifel auf slawischen Ursprung hin: varsa-vrsa, venter­­vefter-vinter, prester-prestor. Einige Angaben deuten darauf hin, dass sich die Netzreuse tatsächlich vom Süden herkommend auf der Donau ausgebreitet hat. Das schliesst jedoch die Möglichkeit nicht aus, dass auch deutsche Ansiedler bei der Ver­breitung eine Rolle gespielt haben. Das Wort varsa kommt in der ungarischen Sprache zwar schon im 13. Jahrhundert vor, doch bedeutete es damals nicht die Bezeichnung für die Netzreuse, sondern war der Name für die aus Weidenruten geflochtene Reuse. Interessante Probleme werfen sich bezüglich der verschiedenen Arten des Wurfnetzes auf. Die drei Netztypen — das zusammenziehbare Wurfnetz, das mit Ring und das sackförmige Wurfnetz, sowie die unterschiedlichen Grössen bei gleichem Formtyp — sagten HERMAN nicht viel.7 JANKÓ hielt das Wurfnetz mit Ring für den jüngeren Typ, welcher den älteren sackförmigen Typ in Randgebiete verdrängt haben soll. Deutsche und französische Autoren beschreiben die beiden Netztypen jedoch bis heute als gleichrangig nebeneinander lebend. Auf der ungarischen Donau wird im oberen und unteren Laufabschnitt das Wurfnetz mit Ring benützt; im mittleren Streckenverlauf nahe Budapest sind das Sacknetz und der Schleppsack gebräuchlich. Weiter im Süden, bei den Serben und Bulgaren ist das rácháló (Raitzen-Netz, serbisches Netz) anzutreffen, bei den Kroaten an der Save das mit Ring. Es ist anzunehmen, 5 SOLYMOS 19(>5. 131—134. 0 JANKÓ 1900. 240. 7 HERMAN 1887. XIV. 213, 332, 333. 68

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