Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Kucharska, Jadwiga: Zur Problematik der Fischergesellschaft im Ostseeraum. Einige Bemerkungen zur Vergleichenden Forschung über die ökonomisch-soziale Position der Fischer

Kartoffelacker, sondern sie streben nach Wald und grösserem Landwirt­­schaftsbesitz. Auf der Insel Hailuoto im Bottnischen Meerbusen kauften alle von 40 Vorkriegsfischern Ackerboden, Wald und Weideplätze. In Bezug auf ihre soziale Stellung haben die Fischer aus denfinnischen Bauern-Fischer- Dörfern mit den Bauern dadurch gleichgezogen. Auch hier rangierten die Fischer früher an der letzter Stelle in der Gesellschaftsordnung der dörf­lichen Gemeinschaft. Die Bauern genossen auch in Finnland — wie vorher geschildert auf der Insel Rügen — Fischereirechte. So z. B. das Recht, Wehrbauten zu errichten. Der Bauer fischte aber in der Regel nicht selbst, sondern stellte Kleinbauern und Häusler zum Fischfang innerhalb seines landwirtschaftlichen Betriebes an.6 Wie schon angedeutet, lässt sich der niedrige soziale Rang der Fischer gegenüber den Bauern an der Kaschubischen Küste, auf der Insel Rügen und in den finnischen Dörfern gewissermassen mit den strukturellen Eigen­schaften des Fischerberufes erklären. Die Erträgnisse des Getreideackers, der Grundlage der Landwirtschaft, hängen im wesentlichen von der syste­matischen bäuerlichen Tätigkeit und Arbeit des Bauern ab. Der Ertrag des Fischfangs unterliegt dagegen anderen Bedingungen. Reiches Erfah­rungswissen des Einzelnen um die über das Jahr unregelmässig verteilten Spitzenfangperioden und ein reibungsloser Verlauf der Kollektivarbeit sind für den Fangertrag ausschlaggebend. Die überall zu beobachtende Verbindung der Fischerei mit dem Ackerbau ist jedoch nicht der einzige Weg der Fischer, ihre wirtschaftlichen Verhält­nisse und ihre soziale Stellung zu verbessern. Der Prozess der Industriali­sierung und der Mechanisierung des Küstenfischfanges führte nach dem letzten Weltkrieg zu Absonderung des Fischerberufes von zusätzlicher land­wirtschaftlicher Tätigkeit. Der Fischer ist jetzt nicht nur ausschliesslich Fischer, sondern er hat auch die Möglichkeit, in den allerorts entstandenen und entstehenden Küstenindustriebetrieben Arbeit anzunehmen und so zusätzlich zu verdienen. Für die polnische Meeresküste wurde diese Entwicklung strukturprägend. Die Intensivierung des Kutterfischfanges und die staatliche Regulierung der Absatzprobleme spielten dabei eine grosse Rolle. So sehr die formale Separation des Fischerberufes von den landwirtschaftlichen Berufsgruppen seitens der Fischer besteht, so wenig wurde dadurch das Interesse der land­wirtschaftlichen Bevölkerung am Fischfang beeinträchtigt. An der Kaschu­bischen Küste ist Anteilnahme der Bauern am Sprottenfang durch gemeinsam mit den Fischern ausgelegte Zuggarne eine Massener-0 AZEUL nr. 78/68, 173/69. PEESCH 1901 S. 12—24. 134

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