Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Kucharska, Jadwiga: Zur Problematik der Fischergesellschaft im Ostseeraum. Einige Bemerkungen zur Vergleichenden Forschung über die ökonomisch-soziale Position der Fischer

und den mit diesem verbundenen verschiedenen Fischereiarten, nach den verschiedenen Fischereirechten sowie nach den verschiedenen Systemen der berufsozialen Struktur der jeweiligen Dorfgemeinschaft.1 In den zahlreichen zeitgenössischen ethnographischen Monographien, die das Gebiet des Ostseeraumes behandeln, wird der oben geschilderte Um­stand von verschiedenen Gesichtspunkten her beleuchtet. Es wird daher notwendig sein, zu einer einheitlichen Objektivierung der Kulturerscheinun­gen zu finden, um ein Fragenregister für die vergleichende Forschung zur Veränderung der sozial-ökonomischen Situation der Fischer im Vergleich zu anderen Berufsgruppen zusammenstellen zu können. Die Sammlung und Analysierung des historischen und gegenwärtigen, Materials zum Thema des Standes des Fischerberufes im Vergleich zum Beruf des Bauern wird uns in der weiteren Arbeitsetappe die Erstellung der Typologie dieser Berufe bzw. Beschäftigungen und das Kennenlernen ihrer kulturellen Bedeutung in den Dörfern an der Ostseeküste erleichtern. Im Lichte der historischen Quellen betrachtet, genossen die Fischer an der Kaschubischen Küste ganz im Gegensatz zu den Bauern keine beson­deren Rechte. Die Fischer, die sich dort nebenbei auch mit der Landwirt­schaft beschäftigten, gehörten den niedrigsten Gesellschaftsschichten an. Ihr Verdienst war ungleich niedriger als der der rein landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung.2 Die Bauern in den Kaschubischen Bauern-Fischer- Dörfern genossen ein Prestige in der dörflichem Gesellschaft, um das sich die Fischer nur — und das vergeblich — bemühen konnten. Ein Grund hierfür war unter anderem warscheinlich das im Vergleich zum Fischerein­kommen wesentlich stabilere bäuerliche Einkommen, das in der landwirt­schaftlich stillen Saison noch dadurch aufgebessert wurde, dass der Bauer auf Fischfang ging. Allerdings leisteten die Bauern mit der Zugkraft ihrer Pferde den Fischern bei Bedarf Hilfestellung. In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg strebten die Fischer eine höhere gesellschaftliche Stellung im Rahmen der dörflichen Gemeinschaft an, als viele von ihnen in der Kutterfischerei tätig wurden. Da alle Kutter­fischer aber spätestens nach dem fünfzigsten Lebensjahr infolge berufs­bedingter rheumatischer Erkrankungen in die Küstenfischerei zurückkeh­ren mussten, war ihrem gesellschaftlichen Emportsreben kein Erfolg be­­schieden. Von ihrem Standpunkt aus betrachteten sich die Fischer in den Bauern-Fischer-Dörfern dennnoch als gesellschaftlich gleichrangig mit den Bauern. Der steigende Absatz und die Regulierung der Fischerei hatten 1 KUCHAKSKA 1971. 2 KUCHAKSKA 1968. S. 40—45. 132

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