Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)
Luts, Arved: Über die Erforschung des volkstümlichen Fischfangs in Estland
Über die Erforschung des volkstümlichen Fischfangs in Estland ARVED LUTS TARTU Die Esten zählen zu den nördlichsten Völkern Europas. Während vieler Jahrhunderte lebten sie hauptsächlich vom Ackerbau. Dank günstiger und natürlicher Gegebenheiten — eine lange buchtenreiche Küstenlinie, zahlreiche Seen und Flüsse — hat aber auch der Fischfang über länge Zeiträume hinweg eine wesentliche Rolle im Leben der Estländer gespielt. Deshalb ist die Fischerei für die estländische Volkskunde von Interesse, und das seit den Anfängen der Ethnographie in Estland. Bis zum 19. Jahrhundert enthält das Schrifttum lediglich fragmentarische Angaben zum Fischfang bei den Esten. Eine kurze Beschreibung des Schleppnetzfangs an der estnischen Nordküste zu Ende des 18. Jahrhunderts ist ethnographisch gesehen vielleicht beachtenswert.1 Umfang reichere Schriften entstanden erst seit der Mitte des 19. Jahrhundert. Dabei handelt es sich in erster Linie um fischereiwirtschaftliche Beiträge, die jedoch eine Menge ethnographisch interessanten Stoffes enthalten. Den Anstoss zum Verfassen derartiger Schriften gab der damals überhandnehmende Raubfang mit engmaschigen Schleppnetzen und Reusen. Als Folgeerscheinung dieser unkontrollierten Aktivität in der estländischen Fischerei war ein merklicher Rückgang der Fischreserven in unseren Binnengewässern —im Peipussee und im Vörtsjärv —zu beobachten. Um die Situation zu klären, wurde staatlicherseits eine Untersuchungskomission gebildet, an deren Spitze der Biologe K.E.v. BAER stand. (Bear war Leiter der Abteilung für Ethnographie im Russischen Geographischen Verein.) Die Untersuchungskomission sammelte grundlegendes Material, in dessen Fülle wertvolle ethnographische Angaben zu finden sind : genaue Beschreibungen der Fanggerätschaften samt den volkstümlichen Bezeichnungen. Der Bericht der Komission erschien 1860 in russischer Sprache, und er befasste sich nicht nur mit dem Peipussee, sondern auch mit dem Fischfang in der Ostsee.2 1 ABVELIUS 1790. 4. S. 113—132. 2 IlIBOLOSTVO 1800 103