Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Gaál, Károly: Der Stand und die Zielsetzung der Fischerei-Forschung in Österreich

jedes ihre eigene Geschichte, die von ständiger, und während des letzten Jahrhunderts geradezu umwälzender Veränderung geprägt ist. Diese Verän­derungen zwingen auch den Menschen zur Umstruktierung. So entsteht immer etwas Neues. Das Neue gilt nach 50 Jahren als überliefert, und wenn nicht früher, so gilt es nach 100 Jahren bereits als archaisch. Das Neue ist mit dem Älteren und Alten organisch zusammengewachsen. Während des 19. Jahrhunderts wurden im eurasischen Raum viele und eben die grössten Flüsse reguliert, historische Sumpflandschaften wurden trockengelegt. Die gleichzeitige Industralisierung in unserem Raum zwang zur Produktions­steigerung. Auch die Änderung in der Schiffahrt wirkte sich als dritter Fak­tor auf die Fanggeräte, die Fangtechnik und die Arbeitsgemeinschaften aus. Kaum 70 Jahre später, als die Änderungen schon traditionell geworden waren, brauchte man neue Energiequellen, musste man die Fischproduktion weiter steigern. Es wurden Wasserkraftwerke gebaut. In den Stauseen ent­stand Fischzucht teils mit neuen Fischarten, so dass die alten Geräte teil­weise unbrauchbar wurden. So stehen wir heute neuen Fischarten, neuen Fanggeräten und -techniken und auch neuen Arbeitsgemeinschaften gegen­über, einer langen Reihe von neuen Erscheinungen, welche die alten ver­drängen und— nach einer Zeit traditionell geworden sein werden. —Die Betrachtung der Volkskunde als eine historische Wissenschaft verpflichtet im Interesse zukünftiger Forschungstätigkeit dazu, sich mit den Umweltän­derungen und den durch diese bedingten neuen Erscheinungen in der Bin­nenfischerei zu befassen. Als letzter, wenn auch nicht letztrangiger Punkt in unserem Forschungs­konzept scheint der Fisch als Nahrungsmittel auf. Diesen Punkt will ich als Frage erörternd gestalten : ist der Fisch als Lebensmittel (Aufbewah­­rungs-, Konzervierungs- und Zubereitungsmethoden bzw.-arten) unabhän­gig von der Fischproduktion ? So weit kurz zusammengefasst, was wir in Österreich, an der Universität Wien in puncto Fischereiforschung gerne verwirklichen möchten. Diese Zukunfsplanung schmälert jedoch nicht die schon angeführten Aktivitäten der letzten Jahre. Immer mehr junge Menschen, zukünftige Volkskundler beschäftigen sich bei uns mit der Fischerei. Es wurde eine erste volkskund­liche Dissertation zur „Fischerei im Unteren Imitai” fertiggestellt.6 Aus dieser Arbeit wird eindeutig klar, wie sehr die Donau-Fischerei die Inn- Fischerei beeinflusst hat und welche Änderungen durch die Kraftwerks­bauten herbeigeführt wurden. Auch im Rahmen von Seminarveranstaltun­gen konnten wir einige Schwerpunktthemen im oben geschilderten Sinn erfassen (z. B. die Fischereimethoden auf den Alpenseen des österr. Salz­kammergutes). Mit grosser Verspätung wurde auch die Erforschung des ein­101

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