Bánkiné Molnár Erzsébet: Polgárok Kiskunfélegyházán 1890–1913. Bürger in Kiskunfélegyháza 1890–1913. (Studia Folkloristica et Ethnographica 38. Debrecen, 1996)

bot eine sichere Deckung auch zur Ausbildung des städtischen Institutionssystems und der städtischen Lebensführung. Nach dem Freiheitskampf von 1848 verloren die Jazygen und Kumanen ihre in dem feudalen Ungarn noch existierenden stän­dischen Züge. Infolge der kapitalistischen finanziellen und Produk­tionsverhältnisse, des Verlierens der Selbstverwaltungsrechte wendete sich die Stadt gegen den zentralen Willen. Sie verteidigte ihre ehe­maligen Rechte, die in dieser Zeit die Entwicklung der Produktion eher verhinderten als förderten. Die Kapitalkonzentration wurde zum Verteidigen der formell nicht mehr existierenden Redemptenrechte eingeschränkt. Grundbesitze über 300-400 Katastraljoch konnten sich nicht ausbilden. Die Extensivität der Produktion veränderte sich kaum, obwohl die Pußtenaufteilungen am Ende des 19. Jahrhunderts die Viehhaltungsmöglichkeiten einengten. Trotz der gestockten wirtschaftlichen Entwicklung lebte die Mentalität des freibäuerlichen Daseins weiter, der politische Kampf um das Wiedererwerben der verlorenen Selbstverwaltungsrechte ver­stärkte das lokale Identitätsbewußtsein. Neben der in hundert Jahren ausgebildeten bäuerlich-bürgerlichen Kultur wuchs das Prestige der Fachkenntnisse und der Unternehmersmentalität. Es formten sich ein neues Wertsystem, eine neue Lebensführung und Verhaltensform. Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Rechtsstellung der Stadt. Statt der aufgehobenen Kompetenz des Marktflecken­rechtskreises erschien die Stadtgemeinderechtsstellung seit 1872. Ihre zentralen Funktionen im Bezirk Kleinkumanien modifizierten sich zum Teil, aber sie blieb auch im weiteren das Gerichtbarkeits- und Verwaltungszentrum einer engeren Region. Im Jahre 1870 ist Kiskunfélegyháza eine der 33 Städte in Ungarn deren Bevölkerungszahl über 20000 war. 4 Bis 1910 nahm die Bevöl­kerung um 63, 83%, d.h. um 13 611 Personen zu. 5 Es ist auch im weiteren eine Agrarstadt, der Grund seiner Urbanisierung ist die landwirtschaftliche Produktion. Obwohl die Bevölkerung in die Stadt strömte, entstanden immer mehrere Gutshöfe ganz schnell. Die Gutshöfe, die im 18. Jahrhundert eher als Produktionszentren existierten, wurden zu ständigen Wohnorten. Im früheren Typ der 4 Berend-Szuhai 5 Magyar statisztikai évkönyv 1894 (Ungarisches statistisches Jahrbuch 1894) — Magyar városok statisztikai évkönyve 1912. (Statistisches Jalirbuch der ungarischen Städte 1912) 182

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