H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

XII. Anhang

XII. ANTHROPOLOGISCHER BEFUND DER MENSCHLICHEN SKELETTRESTE DES AWARISCHEN FÜRSTENCRABES VON KUNBABONY ANTÓNIA MARCSIK UND FERENC SZALAI Lehrstuhl für Anthropologie der József Attila Universität ERHALTUNGSZUSTAND Das Skelettindividuum aus Grab 1 von Kunbábony ist nur unvollständig erhalten, für die anthropologische Untersuchung lagen im wesentlichen das Cranium und einige Elemente des postkranialen Skelettes vor. Das Cranium weist nur an der rechten Schädelseite postmortale Beschädigungen auf: es fehlen die rechte Hälfte des Hinterhauptbeines und ein Teil des rechten Scheitelbeines. Geringere postmortale Substanzver­luste finden sich am rechten Schläfen- und Jochbein sowie am Capitulum mandibulae dieser Seite. Die Reste des postkranialen Skelettes umfassen vor allem Teile des Achsenskelettes. Die Halswirbelsäule ist bis auf die ventralen Flächen der Wirbelkörper des 7. Hals- und des ersten Brustwirbels vollständig erhal­ten. Die übrigen postkranialen Knochen, die in Grab 1 gefunden wurden (rechter Calcaneus, rechter Talus, Ossa cuneiforme I—III, erste Grundphalange der lin­ken Hand) gehören nicht zu Skelett 1. GESCHLECHTS- UND STERBEALTERSDIAGNOSE Berücksichtigt man alle Merkmalsausprägungen des Schädels so ist Skelettindividuum 1 eindeutig dem männlichen Geschlecht zuzuordnen (hypermaskulin nach Éry et al. 1963). Aufgrund der Verknöcherungs­verhältnisse der Hauptnähte des Schädels (Nemeskéri et al. 1960) und des Schildknorpels (Vlcek 1974) dürfte es zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr verstor­ben sein. Auf die Altersklasse Spätmatur bzw. Frühse­nil weisen auch die zahlreichen tiefen Foveolae gra­nuläres an der Innenseite des Schädels sowie die Verdünnung der dorsalen Wand der Sella turcica hin. Die Geschlechts- und Sterbealtersdiagnosen waren zunächst von P. Liptäk durchgeführt worden und stimmen mit denen der Verfasser überein. DIE METRISCHEN MERKMALE Die metrischen Merkmale wurden nach den Empfeh­lungen von Bräuer (in Knußmann 1988) abgenommen und numeriert. Die absoluten Meßwerte und Indices (Tab. 1) weisen den Hirnschädel als mittellang, mittel­breit, niedrig, mesokran, chamaekran, tapeinokran und euenkephal aus. Die schmale Stirn ist metriome- top. Der Gesichtsschädel kann trotz des fehlenden rechten Jochbogens und Capitulum mandibulae als breit beurteilt werden. Die Winkel des Gesichtsprofils und des Mittelgesichtes weisen ihn als orthognath aus, der alveolare Profilwinkel jedoch als mesognath. Das hohe Obergesicht ist chamaeprosop. Die Orbi­tae sind mesokonch bzw. chamaekonch, die Apertu- ra piriformis mesorrhin. Der Gaumen ist brachyuran und brachystaphylin. (Den ganzen Schädel ist an den Tafel 1 gezeigt.) MORPHOLOGISCHE CHARAKTERISIERUNG Bei der Beurteilung der Formmerkmale und der Dis­kreta stützten sich die Verfasser auf die Schemata in Martin und Sailer (1957) Häuser und De Stefano (1989) sowie Finnegan und Faust (1974). Der Hirnschädel ist in der Norma verticalis pentagonid, in der norma occipitalis zeltförmig. Das Sagittalprofil der Stirn ist auffallend nach dorsal geneigt, die Glabella ist mäßig entwickelt (Stufe 3), die Lineae temporales konvergie­ren stark. Das Hinterhaupt ist im Bereich des Lambda abgeflacht, die Sutura lambdoiea enthält zumindest in ihrer linken Hälfte Nahtknochen, auf dieser Seite ist auch ein Foramen parietale und eine Foramen mastoideum ausgebildet. Die Orbitae sind rechtec­kig. Das Os zygomaticum zeigt ein kräftiges Tubercu­lum marginale et zygomaxillare, auf beiden Seiten ist ein Foramen zygofaciale zu beobachten. Die Nasalia sind mäßig vorspringend und gebogen, der Canalis nasolacrymalis ist breit, der knöcherne Teil des Sep­tum nasi weicht nach links ab, die Spina nasalis anterior ist zart, der Unterrand der knöchernen Nase­nöffnung zeigt Fossae pränasales. Die Fossa canina ist flach, die alveolare Prognathie betont. Die Unterkie­281

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