H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18

ersten Hälfte, im mittleren Drittel des 7. Jh. verwende­ten, vereinzelt auch im letzten Drittel des 7. Jh und zu Beginn des 8. Jh. auftauchenden,808 aus Knochen oder Metall gefertigten schmalen, leistenartigen - an beiden Enden mit Löchern versehenen - Taschenver­schlüsse zu belegen.809 Aus dem gleichen Kreis ist die Benutzung der breiten, aus Bern geschnitzten, flachen Taschenverschlüsse bekannt.810 Ausgehend von dem silbernen, gegensätzlich „P"-förmigen Aufhängerpaar aus Peszér-Adacs,811 den analogen Stücken aus Gold (Kat. 40.) von Kunbäbony und den aus Silberblech gefertigten Exemplaren von Kunpeszér-Felsőpeszéri út812 sehen wir - auf denselben Zeitraum datierbar — auch die Verwendung einer bis dato nur in engem Kreis bekannten Tasche mit Metallbeschlaghalterung als erwiesen an. Das Alter der Taschenverschlüsse aus gedrehtem Draht wird von den Funden des zitier­ten Grabes 27 des Gräberfeldes Kisköre und den weiteren angeführten Parallelen übereinstimmend in das letzte Drittel des 7. Jh. festgelegt.813 Für sich allein wäre der Taschenverschluß von Kunbäbony nun viel­leicht noch nicht ausreichend, das Alter des Exemp­lars mit dem Grab von Kisköre gleichzusetzen. Be­achtung verdient jedoch das auf der Hauptriemen­zunge des Grabes von Kisköre auftauchende gepreß­te sowie das auf den Dolchscheidenbeschlägen des Kunbäbonyer Grabes zu beobachtende getriebene Rankenmotiv. Darüber hinaus der aus Bein geschnitz­te, in seinen Maßen (6,7 cm) und seiner Form ähnliche Taschenverschluß aus Grab 452 des Gräberfeldes Holiare (Alsógellér). Hier kamen die gepreßten Gürtel­beschläge, die große Riemenzunge mit Flechtorna­ment in Begleitung von Rosetten mit geripptem und Steineinfassungen imitierendem Punktreihenrahmen 808. HAMPEL: 1905, Bd. II. 256, Taf. 200. TOOK: 1968, Taf. LXII. 7. 809. H. TÓTH: 1980,144-146. Zu diesem Problem führte eigentlich die Definition der awarenzeitlichen, an den Enden mit 2 Löchern versehenen Metall-Taschenverschlüsse. Die Frage wurde fast zur gleichen Zeit von József Korek, der die Paralle­len des awarischen Reitergrabes von Szárazér dúló zusam­menstellte, und von Gyula László gelöst, der in einer Anmer­kung zu seiner Studie über die Ethnologie des Awarentums die knöchernen Varianten dieser Typen als Taschenverschluß definierte. Bedauerlicherweise fanden sie in der Fachwelt un­ter dieser Definition keinen Eingang, wie sie zur Zeit meiner früheren Materialsammlung auch meiner Aufmerksamkeit entgingen. KOREK: 1942, 156-158, Taf. XII. LÁSZLÓ: 1942, Anm. 16. 810. HAMPEL: 1897, 100, Taf. XCVI. 2. ERDÉLYI: 1958, 34, Taf. XXXIII. 11. KOVRIG: 1963, Taf. VI. 71.1. DIMITRIEVIC-KOVACEVIC-VINSKI: 1962, 46, Abb. 11. 811. HAMPEL: 1905, Bd. II. 357, Taf. 269. 812. H. TÓTH: 1987. (Manuskript) 813. GARAM: 1979, 55-57. zum Vorschein,814 die in den gleichen Zeitraum da­tiert werden können. Ebenfalls in die Jahre zwischen 670 und 700 werden die Funde des Reitergrabes 407 von Szentes-Kaján gestellt, und diese Datierung än­dert sich auch in der in Vorbereitung befindlichen Neupublikation des Gräberfeldes nicht.815 Ob der größere Gegenstand aus gedrehtem Draht mit flacher Schlaufe aus Grab XVIII des Gräberfeldes Kiskőrös-Vágóhidi dűlő auf ähnliche Weise als Ta­schenverschluß verwendet wurde,816 läßt sich nicht belegen, da sein breiter, flacher, runder Kopf und seine mittlere Öffnung wesentlich von den Taschen­verschlüssen aus Kunbäbony, Kisköre usw. abwei­chen. Bezeichnend ist auf jeden Fall, daß wir eine solch primitive technische Lösung nur in dieser Perio­de der Awarenzeit antreffen. OHRGEHÄNGE-PAAR (Kat. 23-24.) Unter den aus vornehmen Männergräben der Früh­awarenzeit stammenden goldenen Bommelohrge­hängen nimmt das Goldohrgehänge-Paar des Kha- gangrabes von Kunbäbony aufgrund seiner Eingen- heiten einen besonderen Platz ein. Sein zu den Enden hinschmaler werdender, aus gekerbtem Draht gefer­tigter Ring ist von oben her offen. Am Bommelanhän­ger des einen Exemplars befindet sich auf der Schulter ein hauchdünner, durch Zusammendrehen locker befestigter Goldraht. Eine in jeder Hinsicht genaue Entsprechung dafür kennen wir nicht. Über die allge­meinen Ähnlichkeiten hinaus lassen sich übrigens unter den aus den Männergräbern stammenden gol­denen Bommelohrgehängen keine in Maßen und Ausführung identischen Exemplare finden. Die kleinsten Abmessungen hat darunter das Goldohrgehänge-Paar aus dem Grab 3. von Kunpe- szér mit einer Höhe von 2,4 cm und einem Kugel­durchmesser von 0,6 cm.817 Seinen Ring und den Bommelanhänger verbinden drei Kügelchen, die man ohne Verbindungsglied und Granulation unmittelbar am Ring angelötet hatte. Das einzige Goldohrgehän­ge des Böcsaer Fürstengrabes mißt 2,5 cm und sein zu den Enden hin gleichmäßig dünner werdender Ring ist von oben ebenfalls offen,818 ähnlich dem von Kunbäbony. Der Durchmesser seiner Kugel ist 0,8 cm, sie war mit vier Kügelchen und einem größeren Bin­deglied am Ring angelötet. Entlang der Lötnaht ver­814. TOCIK: 1968, Taf. LXVII. 11. 815. KOREK: 1943, 82. MADARAS: (in Druck). 816. LÁSZLÓ: 1955, Taf. X. 3. 817. H. TÓTH: 1987. (Manuskript) 818. LÁSZLÓ: 1955, Taf. XXXV. 21, XXXVI. 21. 199

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