H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)
IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18
Beschlag mit doppeltem Vogelkopf, der in Gesellschaft von Riemenzungen mit Blech- und Granulationsverzierungen sowie mit Pyramiden-Ohrgehän- gen und einer in die Jahre zwischen 623-641 datierten Münze des Heraclius bzw. Heraklius Constantinus im Katakomben-Grab 117 des alanischen Gräberfeldes Mokraja-Balka (Abb. 58.8.) zum Vorschein kam.335 Ferner berichtet er von einem nicht publizierten genieteten Silberbeschlag, der anläßlich der Ausgrabungen im Nord-Kaukasus 1979 aus einem Flügelgrab am rechten Ufer der Kuban-Mündung (Abb. 58.7.) zum Vorschein kam, und mit dem von Bocsa identisch ist.336 Als Beispiel für die sassanidischen Beziehung dieser Symbolik erwähnt er den doppelt vogelköpfigen Beschlag mit Riemendurchlaß an der goldenen Gürtelgarnitur aus dem iranischen Girlan (Abb. 58.6.).337 Gemeinsame Züge sowohl mit unserem Dolchaufhängerbeschlag, als auch mit dem Ortband des Dolches weist der aus Ráckeve stammende Goldanhänger (Abb. 58.4.) mit doppeltem Vogelkopf des Kunsthistorischen Museums durch seine granuliert gerahmten Fassungen auf.338 Aus Anlaß der Neupublikation de Fundes beurteilen ihn die Verfasser als ein in den Werkstätten der Schwarzmeergegeng dem barbarischen Geschmack entsprechend im 7. Jh. ge- fertiges Erzeugnis, und betonen den schamanistischen Charakter. Ich für meinen Teil erachte die oben erwähnten goldschmiedetechnischen Übereinstim335. WERNER: 1986, 51-52, Taf. 14.4. Der das Fundgut des Gräberfeldes chronologisch kategorisierende Afanasew ordnet diese Funde dem dritten Abschnitt zu. Dessen Zeitgrenzen verlegt er - ausgehend von byzantinischen und sassanidischen Münzen, die zwar in der ersten Flälfte des Jahrhunderts geprägt wurden, meist aber abgenutzt und durchbohrt sind - in eine Zeitspanne, die vom zweiten Viertel des 7. Jh. bis zur Grenze vom 7. zum 8. Jh. reicht. AFANASEW: 1979, 48-49, Abb. 2, 17. BÁLINT: 1989, (1990) 24-26. 336. WERNER: 1986, Abb. 16.3. Als wesentlich stilisiertere Darstellungen verweist er auf die doppelt-greifenköpfigen Beschläge einer silbernen Gürtelgarnitur, die in einer slawischen Siedlung der Ukraine in einem Tongefäß verborgen waren (WERNER: 1986, 55-59, Abb. 15.8.), und die auf sonderbare Weise der silbernen Gürtelgarnitur aus Grab 18 von Nocera Umbra am nächsten stehen. PARIBE- Nl: 1918, 200-210, 49-51. 337. WERNER: 1986, 57-59, Abb. 17.2. Seiner Einschätzung nach läßt sich der offensichtliche Zusammenhang der an den Gürteln vorkommenden doppelt-vogelköpfigen Beschläge mit den sassanidichen Kontakten der awarischen Führungsschicht in der ersten Flälfte des 7. Jh. erklären. Im Gegensatz zu Gyula László und zur ungarischen Forschung kommt er zu dem Schluß, daß die sassanidische Adler—Greif—Darstellung zusammen mit ihrem persischen Inhalt in die awarische Symbolik Eingang fand und zur Grundlage der spätawarischen gegossenen Greifenbeschläge wurde. 338. HAMPEL: 1905, Bd. II. 387, Bd. III. 281/1. Eine gute Aufnahme s. WOLFRAM-LANGTHALER: 1984, 26-27. mungen mit unserem Fund als bedeutsamer, und deshalb neige ich eher dazu, István Bóna zuzustimmen, der ihn für eine der typischen einheimischen Arbeiten der mittleren Awarenzeit hält. Dieses Exemplar könnte dazu beitragen, dem Fertigungsort und -Zeitpunkt unseres vogelköpfigen Beschlags und des Ortbandes mit analogen, granuliert verzierten Fassungen ein gutes Stück näher zu kommen. Infolge seiner unbestimmten Herkunft und mangels begleitender Funde ist es jedoch nicht schärfer interpretierbar. Die Diademe mit doppeltem Vogelkopf der sarma- tisch-hunnischen Zeit haben zwar mit veränderter Funktion, aber sowohl im germanischen, als auch im Umkreis der Steppenvölker weitergelebt. Die Beschläge unserer Messer stehen letzterem Kreis näher, und obwohl ihre Darstellungen vielleicht etwas von ihrer würdeanzeigenden Rolle verloren haben, ihre magische Bedeutung haben sie sicher bewahrt. BESCHLÄGE MIT GRANULATIONSVERZIERUNG UND DAS VERMUTETE ZUBEHÖR DES GÜRTELS (Kat. 29, 30, 31, 32, 33.) Als klassische Beispiele der charakteristischen Verzierungsweise kann man die beiden Goldbleche (Kat. 29.) der großen Riemenzunge, das oben gerade abschließende, unten gelappt geteilte Paar kleiner Riemenzungen (Kat. 30.) sowie die zwei ähnlichen, aber auch am oberen Ende gelappt geteilten kleinen Riemenzungen (Kat. 31.), die beschlagartig mit einer Silberblechunterlage befestigt wurden, ansehen. Gemeinsamer Zug dieser Beschlagtypen ist, daß den perlenbesetzten Rahmen ein breiteres oder schmaleres, glattes oder konkaves Goldband von dem granuliert verzierten Feld trennt. Eine ähnliche Lösung finden wir an den Beschlägen der Dolchscheide (Kat. 32.). So müssen wir die angeführten Beschläge - trotz der bei ihrer Form sowie in den Maßen und der Anordnung ihrer Granulationen beobachteten Abweichungen — für die Stücke ein und derselben Garnitur halten. Es liegt auf der Hand die Halterung des Dolches mittels des granuliert verzierten Miniatur- Goldschnallenpaares anzunehmen (Kat. 33.), dessen Dekor wiederum den goldenen Randbeschlägen des hölzernen Trinkgefäßes am nächsten steht (Kat. 34.). Mit der Rekonstruktion des Gefäßes, seinen sonstigen Beschlägen und Beziehungen (Kat. 35., 36.) sowie dem Randbeschlag des hier einzuordnenden Trinkhorns (Kat. 37.) beschäftigen wir uns im Kapitel der Trinkgefäße. Im Gegensatz in diesem prächtigen Inventar erscheint der Gürtel doch ziemlich unvollständig. Bei131