H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18

weder aus dem Karpatenbecken, noch aus den ent­fernteren verwandten Funden Analogien kennen, so daß wir nur die näheren oder weiteren Parallelen ihrer einzelnen Elemente untersuchen können. Hin­sichtlich ihrer Abmessungen und Proportionen ge­hört sie zu jenem verhältnismäßig seltenen Typus der zweiteiligen Schnallen mit Scharnierkonstruktion, die von der vermutlich in Konstantinopel gefertigten und vielleicht aus Sizilien stammenden Goldschnalle der Dumbarton Oaks Collection No. 5. B (Abb. 41.1.) vertreten wird.157 Zwar ist ihre Öse gedrückt, oval, glatt und unverziert, an ihrem Dorn aber ragt ein gedehntes, schildförmiges Teil auf, dessen Steineinla­ge fehlt. Auf das untere Endstück des Doms war — dem mit Almandin besetzten „Omega'-Zeichen un­serer Schnalle entsprechend — ein Monogramm ein­graviert worden. Ihre Scharnierkonstruktion bildet eine Kugelreihe, und eine etwas kleinere Kugelreihe umgibt den kurzen, breiten Schildkörper. In dessen innerem Feld rahmt eine durchbrochene, diagonal aufgeteilte Verzierung das schuppengeschmückte Mittelteil ein, in dem sich eine Glaspaste-Einlage be­fand. Von den abwechslungsreichen Steineinlagenver­zierungen unseres Fundes von Kunbäbony gibt es insbesondere für die zwischen den entgegengesetzt stehenden Blattformen eingekeilten Dreiecke gute Parallelen, und zwar in den ebenfalls durchbroche­nen Rahmenornamenten der großen Riemenzunge aus dem Fund von Mersin sowie der Riemenzungen (Abb. 42. 2-3.) der großen byzantinischen Gold­schnalle des Fundes von Maloje-Perescepino.158 Et­was entfernter stehen den komplizierten Mustern unserer Schnalle die aus Chiusi stammende doppel­schildförmige goldene Gürtelgarnitur mit „Ö-förmi­gen Aufhängerbeschlägen und vielen Riemenzungen sowie die durchbrochenen Verzierungen ihrer gro­157. ROSS: 1965, 8-9, Taf. XI. b. WERNER: 1986, 55 Anm. 157. 158. BANK: 1966, 347, Abb. 102-107. 1966, 102, 105. WERNER: 1974, 122, Taf. VII. 7. VIII. WERNER: 1984, Taf. 28, 1 a. Eine bescheidenere Nachahmung dieses Zellmotivs ist unter den einheimischen Funden bisher nur als Begleitelement an der aus Bronzeblech gefertigten Kopf- oder Haubenverzierung aus Grab 307 des Gräberfeldes Cikó aufgetaucht. HAMPEL: 1897, Taf. CCXXI. HAMPEL: 1905, Bd. I. 445, Abb. 1337. 1. KISS-SOMOGYI: 1984 (1986), Abb. 5. 6. Ihren einwärts gehenden oder eingedrückten Perlrahmen trennen wie an den Agraffen von Ozora (HAMPEL: 1894, Taf. LVI. 1-1 a, 1905, Bd. II. 351, Bd. III. Taf. 267, 1-1 a), an der Riemenzunge von Vetren (WAKLINOWA: 1981, 35) und an den Waffen von Glodosy (AMBROS: 1986. b, 60, Abb. 4.) Kissenglieder. Kreuzkerben und die behandelte Reihe unregel­mäßig angeordneter, verwinkelter Weidenblatt-Dreieck­zellen umrahmt den zentralen Beschlagteil, der mit seiner Ku­gelreihenimitation als Einrahmung an die diagonale Quer­ßen Riemenzunge.159 Durch ihre Abmessungen und den kleinen Schildkörper mit unserem Fund ver­wandt ist die Schnalle des Gürtels, deren gleichfalls gedrückte Öse sich steigbügelartig verbreitert. Unter den byzantinischen Schnallen findet man hingegen keine Parallele für die eckig ausgebildete, angehobe­ne Öse. Auch rechteckige Schnallenösen kommen meist nur unter den einteiligen, maskengeschmück­ten byzantinischen Schnallen vor.160 Ebenfalls unge­wöhnlich und vielleicht aus den letzteren ableitbar ist das an unsere Scharnierkonstruktion anschließende, breiter werdende Quadrat der Schnallenöse. Eine verwandtschaftliche Beziehung kann jedoch zwischen unserer Schnalle und der großen, von Les­bos (Mitilini-Kotragos)161 * stammenden Goldschnalle (Abb. 41. 4.) hergestellt werden, in erster Linie zur reichen, aus entgegengesetzten Dreiecken bestehen­den Reihe von Verzierungen ihrer Öse und zur ge­dehnten, schildförmigen Zelle ihres Dorns. Die schwungvolle Keilschnittornamentik auf der an die Scharnierkonstruktion anschließenden Fläche des Schnallenkörpers wiederholt sich auf der Schnalle von Kunbäbony mit plastischen, fortlaufenden Ver­tiefungen. Die kannelierte, von Draht umrissene Ge­stalt dreier ineinander verkeilter Tropfen wiederholt sich auf der aus Italien stammenden Goldschnalle (Abb. 41. 5.) ähnlicher Größe und Anordnung.152 Der gleichen Anordnung folgen im Grunde die aus Luni und Karója stammenden (Abb. 41. 2-3.) Masken- Schnallenkörper,163 auf denen das in Tropfenform komponierte kinn — und schnurrbärtige, Männerge­sicht auf zwei Seiten von Tierköpfen flankiert wird. In ähnlicher Anordnung erscheinen auf dem Schildkör­per der Schnalle aus Grab 4 von Valdonega (Abb. 41. 7.), ohne menschliche Maske, in Pflanzenform darge­stellte Tierköpfe als Rankenmotiv.164 Erwähnenswert ist noch die Profilierung des Schildkörpers, die dem einteilung an dem Beschlag des Grabes von Ballószög erinnert, (SZABÓ: 1939, 185, Taf. I. 16—19). Zu beiden Seiten des Be­schlags fand man im angeführten Grab von Cikó je einen rechteckigen gepreßten Beschlag, der am ehesten den Be­schlag mit echter Glaseinlage aus Grab 10 des Gräberfeldes Zamárdi nachahmt (BAKAY: 1973, Taf. III. 5). Der große Ohr- gehängering und der doppelkegelförmige Spinnwirtel des Fundkomplexes sprechen ebenfalls für eine lange Lebens­dauer dieses byzantinischen Zierelements. Der „entgegengesetzt L-förmige' geometrische Zellschmuck unserer Kunbábonyer Schnallenöse erinnert bereits mehr an die germanische Metallkunst. 159. HESSEN: 1975, 13-20, 1-2. 160. CSALLÁNY: 1962, b, Taf. II—IV. 161. VINSKI: 1974, 34, Taf. XXV. 9. 162. VINSKI: 1974, 34, Taf. XXVI. 1. 163. VINSKI: 1974, Taf. XXV. 4-5. HESSEN: 1975, Taf. 25, 1. 164. HESSEN: 1968, 9-11, Taf. 6, 2, 31. 99

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