H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)
III. Die Requisiten und Rekonstruktion der Bestattung
nen wir bezüglich ihres Goldbandreifs auch die 6 Goldringe aus dem Grab der Fürstentochter Nr. Vlll/A des Gräberfeldes von Kiskörös-Vágóhídi dűlő (Abb. 38. 4-10.) für Bestattungsringe halten, die für ein 4-6 jähriges Kind ebenfalls als zu groß erscheinen. Ihre Ausführung steht mit dem Ringpaar aus Grab V. vom gleichen Gräberfeld sowie jenem des Frauengrabes aus dem II. Fund von Igar (Abb. 38. 11-12.) in Einklang.121 Die gepreßten Imitationen dieser mit Perlen und gerippter Rahmenfassung verzierten Ringe finden wir auch in den Gräberfeldern des gemeinen Volkes, wofür der Bronzering aus Grabes 203 des Gräberfeldes von Gátér (Abb. 38. 13..) ein Beispiel sein könnte.122 Vielleicht noch offensichtlicher ist die Fertigung zum Zweck der Bestattung im Falle des Ringpaares mit einem aus Goldblech ausgeschnittenen und nicht zusammengelöteten Reif123 aus dem Frauengrab 14 des Gräberfeldes Hortobágy-Árkus (Abb. 37. 12-13). Letztere sind von grundlegend anderem Typus, sie entstanden in Anlehnung an die rhombusköpfigen, punzierten Blechringe von den Gräberfeldern Alaty- tyán (Abb. 37.11.),124 Zamárdi125 und Keszthely126 (Abb. 37. 10.). Damit lassen sie sich in keine direkte ver- wandschaftliche Beziehung zu unseren Ringen setzen, doch auch in ihrem Fall können wir an eine Umhüllung der Hände denken. Unseren Verdacht bekräftigen ferner die sonstigen, zwischen den beiden Bestattungen bestehenden Analogien, auf die wir im Zuge der Behandlung des Gesichtstuches noch weiter eingehen. VERZIERUNGEN DES BESTATTUNGSGEWANDES AUFGENÄHTE EDELMETALLBLECHE: (Kat.: 75. a-b, 76., 77., 81. a-c, 83. a-b, 84., 85., 89. a-c, 72.) Die Kategorisierung und Bestimmung der Rolle der aufgenähten oder mit Ledersäumung am Gewand befestigten, überwiegend dünneren bzw. hauchdünnen Goldbleche und vergoldeten Silberbleche ist mangels Beobachtungen außerordentlich schwierig. 121. FETTICH: 1929, Taf. VII. 30-31. LÁSZLÓ: 1955, Taf. VI. 20-25, Taf. IV. 5-6. FÜLÖP: 1988, 160, Abb. 6. 5-6, 7, 7-8. 122. KADA: 1906, 212, Abb. 3. 123. H. TÓTH: ArchÉrt. 1960, 238; 1961, 192., unveröffentlicht. 124. KOVRIC: 1963, Taf. LXXII. 9. 125. Awaren in Europa. 1986, 45. 126. CS. SÓS: 1961, 43., Taf. LX. 13. In Anbetracht dessen, daß ihnen die Finder infolge ihres geringen Wertes nicht viel Aufmerksamkeit schenkten, ist es unser einziger Anhaltspunkt bezüglich ihrer Lage, mit welchen sonstigen Funden zusammen man sie abgeliefert hat. Und da auch die geringe Zahl an wirklichen Parallelen Keine Klärung bringt — teils weil sie aus gestörten, ausgeraubten Gräbern stammen, zum Teil infolge der übrigen Umstände ihrer Auffindung - sind wir gezwungen, uns bei den Überlegungen zu ihrer ursprünglichen Funktion auf die aus rationellen Annahmen ableitbaren Schlußfolgerungen zu stützen. HANDSCHUHE (Kat. 78-79.) Den sichersten Anhaltspunkt in bezug auf die sog. „Goldnägel", die den Abdruck des Nagels tragenden, auf den Handschuh genähten Fingerenden und die ähnlichen Zielen dienenden größeren, haubenartigen Verzierungen lieferten die mit diesen zusammen abgegebenen Totenringe. Daraus konnten wir auf die Textilumhüllung der Hände schließen, bei der es sich laut Zeugnis der „Goldnägef um Fingerhandschuhe gehandelt haben könnte. Dies belegen auch die weiten bzw. zu diesem Zweck durch Hämmern vergrößerten Bestattungsringe, die man auf die durch den Handschuh stärker gewordenen Finger schob, und damit den Eindruck der zu Lebzeiten benutzten, aber verdeckten Ringe erweckte (Taf. XXV. 4,7.). Zwar ist uns aus unseren einheimischen Funden des Frühmittelalters keine sich auf Handschuhe beziehende Angabe bekannt, doch aufgrund der Funde im Mari-Land und im ferneren Asien kann das Tragen von Handschuhen als sicher angenommen werden.127 Diese unsere Annahme bekräftigt der große Totenring aus dem Grab Nr. LXXI des Gräberfeldes Kiskörös- Vágóhídi dűlő, der gleichfalls bei der Bestattung über den Handschuh geschoben werden konnte. Ebenfalls als zu groß und für das Tragen über dem Handschuh gefertigt scheinen die Goldringe des Fürstenmädchens aus dem Grab VIII von Kiskőrös-Vágóhíd. In ähnlicher Weise lassen sich Handschuhe im Frauengrab 14 des spätawarischen Gräberfeldes von Hortobágy-Árkus vermuten, wo die großformatigen Totenringe nicht zusammengelötet waren. Übrigens gelang es uns nicht, die Analogien der Goldnägel unter den Funden der Nomaden Eurasiens zu entdecken, und es kann auch nicht als Zufall betrachtet werden, daß wir Gegenstände ähnlicher Bestimmung bisher aus keinem einzigen unserer awa127. ARCHIPOW: 1973, 185, Abb. 79. 90