Levéltári Szemle, 42. (1992)

Levéltári Szemle, 42. (1992) 1. szám - DOKUMENTUM - Gecsényi Lajos: A budapesti osztrák képviselet jelentéseiből, 1946–1947 / 57–76. o.

Einflusses auf die Politik bereits in weitgehendem Masse überdrüssig ist und instinktiv die Rückkehr zu den altén konservativeren Lebensformen und da­durch den Weg zu der eine Zeit láng in den Hintergrund getretenen religiösen Einstellung sucht. Dies hat sich erst dieser Tagé wieder erwiesen, da die unter Führung des Kardinals veranstaltete Wallfahrt für die günstigere Gestaltung der Friedensbedingungen ein Massenaufgebot aus allén Kreisen der Bevölke­rung gefunden hat, wie man es seit den Tagén des Eucharistischen Kongresses in der Hauptstadt nicht mehr gesehen habén soll. Ich habé dieser Tagé Gelegenheit genommen, den Kardinal um eine Audi­enz zu bitten. Der Kirchenfürst, welcher sich gegenwártig auf einer Firmungs­tournée befindet, empfing mich in seiner Budapester Residenz zu einer lánger dauernden vertraulichen Unterredung, in derén Verlauf er sich sehr freimütig über die Schwáchen und Gefahren des heutigen politischen Regimes in Ungarn und über die völlig verfehlte Politik der hiesigen Machthaber ausserte. Meine Versicherung, dass seine zielbewusste Kirchenpolitik auch in den katholischen Kreisen Österreichs verstándnisvollste Würdigung finde, quitti­erte der Kardinal mit sichtlicher Freudé und betonte wiederholt, wie sehr er es als seine heilige Pflicht betrachte, dem ungarischen Volke gerade in dieser schweren Zeit zur Seite zu stehen und ihm die Wege zu weisen, wie es aus all den Mühsalen der Gegenwart wieder den Weg zum innern Frieden finden könne. Er sei sich der grossen Schwierigkeiten bewusst, welche seiner und des ungarischen Klérus im Kampf gegen die Tendenzen von der anderen Seite her harren, doch habé er nicht nur aus den Worten des Heiligen Vaters, sondern auch aus den unzáhligen Beweisen aufrichtigster Sympathie, die ihm sowohl in Rom als auch in Ungarn zugekommen seien, die feste Überzeugung gewonnen, dass sein Eintreten für die Interessen der Kirche gerade jetzt besonders not­vendig sei. Das Bewusstsein, dass die grosse Mehrheit des ungarischen Vol­kes auf seiner Seite stehe, gebe ihm die Kraft, diesen Kampf mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit weiterzuführen, selbst wenn er dafür seine persön­liche Freiheit zum Opf er bringen müsse. Im weitern Verlauf der Unterredung beschwerte sich der Kardinal bittér über die Verfolgungen, welchen die Kirche heute in Ungarn seitens gewisser politischer Machthaber ausgesetzt sei, die mit allén Mitteln trachten, das kirch­liche Lében zu unterbinden, aber trotzdem zusehen müssen, wie ungeachtet al­ler Vexationen der politischen Polizei die religiöse Einstellung der Bevölke­rung an Intensitát gewinne. Dass hiebei seine Person natürlich in erster Linie das Ziel der gegnerischen Angriffe sei, was sich erst kürzlich wieder bei der Feier des 1. Mai gezeigt hab'e, könne ihn weiter nicht sehr beeindrucken. Der Fürstprimas kam dann auf eine Reihe aktueller Fragen zu sprechen, welche in österreich und in Ungarn Gegenstand der öffentlichen Diskussion bilden. Er ausserte sich hiebei sehr pessimistisch über den Zeitpunkt der Auf­hebung, bezw. Milderung des Besatzungsregimes in Ungarn und gab der Hoff­nung Ausdruck, dass auch die diesbezüglichen Wünsche der österreishischen Bevölkerung ehestens in Erfüllung gehen mögen. Hinsichtlich des Friedensver­trages zeigte er sich sehr zurückhaltend und deutete an, dass er für seine Per­son den in politischen Kreisen des Landes gehegten Optimismus hinsichtlich der Rückgliederung rumánischer Gebiete an Ungarn nicht teile. Der Kardinal erkundigte sich in diesem Zusammenhang nach dem Stand des Südtiroler Prob­lems, dessen Lösung in österreichischem Sinne ein Gebot der Gerechtigkeit und Vernunft wáre. Die Internationalisierung des Triester Hafens schiene ihm als der beste Ausweg, doch könne er angesichts der Vehemenz der jugoslawischen Gegenpropaganda nicht recht an diese Lösung glauben. Sehr zu bescháftigen scheint den Kardinal die Frage einer monarchis­65

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