Linzbauer, Franciscus Xav.: Codex Sanitario-Medicinalis Hungariae 2 (Budae, 1852)

Regimen Mariae Theresiae imperatricis et regis

484 Entzündung, oder einem Qualm, und Ausdämpfung (corrosione, fermentatione vel vaporibus) wirket, ausfindig zu machen. Ursach dessen erforderet es die Noth, den Körper äusserlich wohl zu durchschauen, und den Befund getreu­lich anzumerken, sodann die Section vor die Hand zu nehmen, alle innerliche Theile und Gegenden zu besichtigen, damit man erfahre, ob die äusserliche mit der innerlichen Spur übereintreffe; welcherley Spuren oder Vestigia haupt­sächlich an dem beruhen, dass man ein Merkmahl des anfressend- oder cor- rosiven Gifts, absonderlich in der Kehle, Speisröhren, in den dicken oder dünnen Gedärmen, oder falls durch eine Clystier ein Gift eingelassen wor­den , in den Nieren , Harngängen oder Blasen, in Magenschlund oder Magen selbst in Acht nehme; oder, ob sich unter anderen äusserlich am Magen, und intestino duodeno , das ist: am Zwölffingerdarm eine grosse Entzündung oder Beitzung, inwendig am Magen aber ein röthlichter heftiger Saft (liquor) wie ein Wein vorstelle? und obschon sich etwann äusserliche Zeichen darzeigelen, so ist sich doch darauf nicht zu verlassen, weilen solche affectus, zum Beispiel: von einem vergifteten Bisz oder Stich herrühren mögen. Ansonst bestehet des Leibs- und Wundarztens Wissenschaft in dem, dass er die Complexion des Menschen, dan ob ? und was für ein lödtliches Gift er verschlucket, oder ihme gereichet worden? wie stark selbes seye? und wie viel dieses individuum in Specie umzubringen erforderet worden? fleissig erforsche: Es solle auch der Leib- und Wundarzt bey der Öffnung beflissen sein zu untersuchen, ob nicht der Verlebte einige an sich Selbsten nicht giftige, nicht etwann gröblichte, son­dern pulverisirte und nicht ordnungsmässig zugerichtete, mithin mehrers durcharbeitende, auch sogar überflüssige Arzney in häuffiger Menge zu sich genommen? inmassen derley inUbermass gebrauchte Arzney den Magen durch­naget, selben mit einem Herzwehe entzündet, und mit der Zeit den Tod zu­wege bringen kann. Nun sind die nach dem Tod sich hervorthuende ungemeine äusserliche Zeichen des bekommenen Gifts, unter andern auch folgende: nämlich die Auf­schwellung des Schmerbauchs, allzugrosse Aufblähung des Magens und der Gedärmen, schwarzblaue Masern ob dem Rucken und Füssen, nach eröffne- ten Körper derley Flecken im Magen, den Gedärmen und an dem Ingeweide, benanntlichen an der Lungen, Leber, Milz und Nieren oc Die bisweilen son­derlich von corrosiven Gift verbliebene Durchbeitzung des Magens, ein verdor- ben-stinkend- und schwarzlicht-blutiger Saft, oder dass man die Abgänglein (Ramenta) von Gift finde, ein schlappicht- und zusammengerumpftes Herz, in der Herzkammer eine merkliche Gerönnung des Geblüts, im Kopf, und zicar vornemlicli in dem ersten Hals-, Pids- oder Kähladern eine grosse ungemeine Menge des geronnenen Geblüts. Es sollen also die Kunsterfahrne die vor- und nachgehende Wahrzeichen genau betrachten; als 1- mo. Wie oben schon angereget worden, den Zustand und Eigenschaft des Menschen, was für eine Natur derselbe gehabt, und wie er beschaffen gewesen? 2- do. Wo möglich, bey denenjenigen, die beym Verstorbenen gewesen, auskundschaften, mit was für Zufällen er kurz vorm Tod behaftet gewesen ? ob er gählings, unvermuthet, und so zu sagen, bey gesunden Leibe verschie­den? oder ob selbem nicht, und was für ein Unfall den Tod beförderet habe? Ob er bald nach genommener Speise oder Trank eine beschwerliche Huste, Blutspeyen mit Gestank, Verstopfung des Urins empfunden? und mit einem greulichen Schmerzen, grosser Hitze, Zittern, krampfsichtigen Bewegungen, Schlucken», Wasserbläslein, Hitz im Mund, öfteren Ausspritzen, grossen Durst, Eckel im Magen, Reis sen, Beissen und Nagen im Leibe, starken und blutige-

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