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Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
51 »Hier hilft kein Doktortrank, Sie ist an Liebe krank.« Gerade diese »Liebeskrankheit«war ein beliebtes Feld der Aerzte, das ihnen viel Geld eintrug. Sie brauchten ja einfach die Diagnose zugunsten der Person zu stellen, die ihnen mehr Geld anbot! Dabei war nicht viel zu riskieren, denn das Harnglas, damals das Geschäftsschild der Aerzte, war ein mächtiges Ding ■— und an was sollten die Kranken glauben, wenn sich auch der Harn als trügerisch erwies? Aderlass, Klistier und Purganz waren Mittel bei »gewöhnlichen« Krankheiten; bei schlimmeren, wo die Diagnose nicht ohne weiteres klar war, da kam es vor allem auf den Harn an; aus ihm wuchs die Diagnose heraus, aus ihm erhielt man das Kriterium der anzuwendenden Therapie, getreu nach dem Spruche: »Ich bin ein Doktor der Arznei, An dem Harn kann ich ersehen frei, Was Krankheit ein Menschen tut beladen, Dem kann ich helfen mit Gotts Gnaden Durch ein Syrup oder Rezept, Das seiner Krankheit widerstrebt, Dass der Mensch wieder werd gesund! — Arabo die Arznei erfund.«*) Es mag hier angefügt sein, wie aus den Reihen der Aerzte selbst allmählich gegen den Unfug derartiger Harndiagnostik aufs kräftigste geschrieben und geredet wurde. So lesen wir bei Abelius3) von den »Uromantibus«: »Die Bruntz-Propheten und Oracula sind Betrieger, sie können aus dem Urin die Krankheit nicht erkennen, ob es gleich der Unverständige meint, und hauffenweisse zu ihnen laufft, den Urin belecken, beriechen und begucken lässt, dann es seind Säu- * 8 J) Siehe auch E. Fuchs, Illustr. Sittengeschichte, I. Bd. Fig, 223. a) Nach Peters, Arzt und Heilkunst S. 66 (nach »Beschreibung aller Sländec, Frankfurt 1568.) 8) Abelius, Medizinischer Gewissensspiegel p. 233; zitiert nach Fr. B. v. Lindern, Speculum Veneris noviter politum, Strassburg 1736. 4*