Szakcikk gyűjtemény
Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
48 da wird man zuweilen hören, mit was gewichtigen Lügen sie ihre Wahren hervorstreichen. Einer ziehet etliche Wurzeln heraus und beteuert es hoch, dass er solche selbsten dreizehn Meilen hinter Syrakus habe an dem Meer-Gestat ausgraben, und diese sind gut für das verfallene Gehör, wodurch sie gar oft auch ausgeben, wie, dass die Könige in Paphlagonien pflegen, solche an den Ohren zu tragen und ein solches scharfes Gehör bekommen, dass sie ein altes Weib über dreissig Meilen husten hören, ey so lügtl .... Mit dergleichen wurmstichigen Predigen betrügen sie sehr viel einfältige Leute; es sollen aber dieses Gelichters Zähn-Aerzte gleichwohl gedenken, dass das Heulen und Zähnklappern ihnen nicht wird ausbleiben.« — Es dürfte unnötig sein, dem noch etwas anzufügen I Wieder eine Art von Chirurgen übte in greulichster Art die Geburtshilfe aus. Dass dabei ein Kind lebend zur Welt kam, war unmöglich, es ist kaum denkbar, dass dann und wann die arme Mutter mit dem Leben davonkam. Denn das Vorgehen dieser Helfer war äusserst roh und ähnelte einem blutigen Massakrieren. Hirten und Schäfer teilten sich mit ihnen in der ars obstetrica; sie griffen aber nur ein, wenn die geschickten und geachteten Hebammen nicht zurecht kamen. In der beginnenden Neuzeit kam die Sectio caesarea wieder zu Ehren, die man besser als »Schlitzschnitt« übersetzen würde, denn als »Kaiserschnitt«. Sie wurde ja längst vor Caesar, nämlich zu Numa Pompilius Zeit (715 v. Chr.) an toten Schwangeren geübt.1) Vielleicht hat zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein Thurgau er Schweineschneider mit Namen Nufer zum erstenmal mit Erfolg aus seiner lebenden Frau die lebende Frucht ausgeschnitten. Wissenschaftlich beglaubigt ist als erster Kaiserschnitt mit Erfolg eine Sectio caesarea, die im Jahre 1610 zu Wittenberg von Jeremias Trautmann ausgeführt worden ist.2) Die eigentlichen Aerzte und Doctores hielten sich *) Winckel, Lehrbuch d. Geburtshilfe, 1889, Leipzig, S. 4. *) Vgl. Pagel, Einführung in die Gesch. d. Medizin, S. 228.