Szakcikk gyűjtemény
Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
Zur Zeit des Miltiades und der grossen Perserkriege kannte man in Hellas ärztliche Professoren und Studenten, Staats- und Armenärzte, praktische Aerzte und wandernde Wundärzte, die man »Periodeuten« benannte. Es gab Hof- und Leibärzte mit fürstlichen Gehältern, gab auch Militär- und Marineärzte. Erinnern Sie sich nur des Zuges der Zehntausend unter Xenophon, der von Chirurgen begleitet war. Die Aerzte waren in der Gesamtheilkunde tätig. Nur das Steinschneiden, das damals schon als unwürdig galt, überliessen sie den Unfreien. Wenn ich eben sagte, unwürdig, ja unehrenhaft, so müssen diese Begriffe relativ genommen werden. Gemäss ihrer Gewissenhaftigkeit unternahmen die Aerzte nur, was ihrer philosophischen Anschauung entsprach. Von Operationen, deren Verlauf bei der absoluten Unkenntnis der Anatomie sowie der davon abhängigen Methodik höchst zweifelhaft war, die mehr einem Roheitsakte als einer Tat der Hilfe gleichen mochten, zogen sie sich zurück — aus Vorsicht vielleicht, vielleicht noch eher aus Abneigung gegen die Systemlosigkeit und den Zufall, mit denen der Operateur arbeiten musste.1) Demgemäss wurden chirurgische Handlungen von skrupelloseren Leuten besorgt, die durchaus nicht stets auf hippokratischem Standpunkt sich bewegten, von niedrigen, herumziehenden, rein empirischen Aerzten und Pfuschern, die vielfach aus den Gymnasien hervorgingen, wo sie als »Gymnasten«, d. h. Vorturner, oder als »Jatrolipten«, d. h. Einsalber, eine gewisse Kenntnis des menschlichen Körpers gewonnen und eine Hinneigung zu ihm erworben hatten. Wenn die Heilkunst floriert, dann blüht auch die Kurpfuscherei und Scharlatanerie. Auch damals gab es schon solch zweifelhafte, sogar geschichtlich beglaubigte Existenzen, die es auf den Geldbeutel ihrer Mitmenschen abgesehen hatten und mit Schlauheit und Lügen, mit Prahlerei und Künstelei oft genug ihren Zweck erreicht haben mögen. *)- 14 — *) Vgl. Neuburger, Gesch. d. Medizin, S. 149.