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Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
7 behörde ebenfalls in denselben Händen. Allein die Leviten galten als Aerzte; so ist es uns vom alten Testament überliefert, während der Talmud bereits den in den Zeiten der völligen Diaspora auftretenden Einfluss der griechischen Wissenschaft, das »Freiwerden« der Medizin, wenn man so sagen will, zeigt. Jedoch schon zu der Zeit, als das abgeschlossene hebräische Volk mit den Fremden zusammengeriet, entstanden neben Priestern und Leviten eigene Tempel- und Wundärzte, die Jesus Sirach1) sehr hoch schätzt, wenn er sagt: »Ehre den Arzt mit gebührlicher Verehrung, dass du ihn habest zur Not; denn der Herr hat ihn geschaffen, und die Arznei kommt von dem Höchsten; und Könige ehren ihn. Die Kunst des Arztes erhöhet ihn und machet ihn gross bei Fürsten und Herren. Der Herr lässet die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht.« Hochentwickelt war bei den Juden die Medizinalpolizei und die öffentliche Gesundheitspflege, was die Vorschriften des Pentateuch über den Aussatz, das Begräbnis, die Beerdigungszeit, die Benützung von Krankengerätschaften, Nahrungsmitteln, Häusern, Kleidern, die Speiseordnung und die Heirat unter Verwandten lehren. Im übrigen hatten sie vor den Aegyptern kaum etwas voraus, die schon Knochenbrüche heilten, den Star operierten und Amputationen Vornahmen, obwohl sie von Anatomie in unserem Sinne recht wenig Ahnung hatten, wie uns Hyrtl2) mitteilt. Wenden wir uns zu den Indern. Ihre Medizin kann in der ältesten Kulturgeschichte einen ersten Rang beanspruchen, wie sie auch dem Arzte den Rang eines Brahminen, d. i. eine der vier obersten Staats-Chargen einräumten.3) Operationen der Hasenscharten, plastisch-kosmetische Oberlippen- *) *) Jesus Sirach, Kap. 38, 1—4; zitiert nach: H. Magnus, Sechs Jahr- tausende im Dienste des Aeskulap, S. 132. *) Hyrtl, Lehrbuch der Anatomie, Wien 1885, S. 42 u. f. *) Vgl. H. Magnus, Sechs Jahrhunderte etc., S. 125.