Szakcikk gyűjtemény
Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
4 Lektüre dieses Buches der eilenden Zeit schon eine Mühe nennen, so ist es doch eine fruchtbare Mühe, selbst wenn man nur Haupteindrücke aus ihm aufzunehmen bestrebt ist. Ein Ueberblick über Art und Auslegung der Heilwissenschaft und die damit innig zusammenhängende Wertung der ärztlichen Kunst dürfte nicht nur den Arzt interessieren, der sich der Grenzen seiner Macht und seines Könnens klar bewusst bleiben will. Darum sei es gestattet, hier in Strichen, die selbstredend aufVollständigkeit durchaus keinen Anspruch machen dürfen, an der Hand der Geschichte ein Bild zu geben über das Ansehen und die Wertschätzung, deren sich die Medizin zu verschiedenen Zeiten des uns bekannten Kulturlebens erfreute. Teilen wir zunächst, um eine Uebersicht zu erhalten, die Medizingeschichte in die folgenden, wie wir sehen werden, nicht ganz willkürlichen Abschnitte ein: I. Medizin im Altertum, eine Periode, die mit dem Leben Galens abschliesst, II. Medizin im Mittelalter, das wir bis zum Erscheinen der grossen Reformatoren rechnen, III. Medizin der neuen Zeit, deren Beginn mit dem Auftreten William Harveys, des Entdeckers des Blutkreislaufes, recht in Erscheinung tritt, und IV. Medizin der neuesten Zeit, das heisst der Zeit, in der das Mikroskop seinen Siegeszug antrat, bis zum heutigen Tage. Die uns bis jetzt bewusste Heimstätte aller unserer Kultur, auch der Medizin, ist wohl Mesopotamien.1) Dort wo die Chaldäer längst vor dem Aufflammen griechischen Geistes bewundernswert sicher Astronomie trieben, die Gradeinteilung des Kreises und die Ausgestaltung aller möglichen Mass-, Gewichts- und Zeitbestimmung bewerkstelligten, dort gab es auch eine Medizin; und diese Medizin stand wesentlich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu der babylonisch- *) *) Vgl. Neuburger, Geschichte der Medizin. Stuttgart 1906, S. 20 u. ff..