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Fritz Raab: Leonardo da Vinci als Naturforscher
35 diesen betretenen Wege des philosophischen Denkens befreite sich die erwachende Gesellschaft allmählig von den phantastischen Anschanungen des Mittelalters. Italien, der Mutterboden klassischer Kultnr, gab den natürlichen Ausgangspunkt für die neue Bewegung ab und die Italiener, unter sich uneinig und nach außen politisch machtlos, erfreuten sich während dieser Zeit des Ueberganges unbestritten der geistigen Führerschaft über das gesammte übrige Abendland. Die literarische Bildung ging naturgemäß der künstlerischen voran: aus Dante, Petrarca, Boccacio folgten Leonardo da Vinci, Michel Angelo, Rafael. Später erst schloß sich hieran jener Aufschwung der Naturwissenschaft, der sich an den Namen Galilei knüpft. Mit der Literatur und Kunst des klassischen Alterthums lebte auch der antike Aberglaube wieder auf und schloß mit dem christlichen Mysticismus einen frommen Bund. Zum kirchlichen Teufelsspuk gesellten sich die antiken Prodigien der Humanisten, und bei allen öffentlichen und privaten Unternehmungen wurden vorher die Sterne um ihre Meinung gefragt. Unzweifelhaft besaßen die Italiener von jeher ein offenes Auge für Naturbetrachtung, dafür finden wir ja in Dante's Divina comedia schon Belege genug; aber bis zum 16. Jahrhundert nahm zunächst der Humanismus die besten Kräfte des hochbegabten Volkes in Anspruch und während der Blüthezeit der italienischen Kunst herrschten auf dem Gebiete der Naturwissenschaften die Wahngebilde der Astrologie und Alchymie. Leonardo war im Zeitalter der Renaissance einer der ersten, der eine philosophische Bearbeitung empirischen Naturwissens unternahm. Mit weitschauendem Blick brachte er die verschiedenartigsten Erscheinungen unter einen gemeinsamen Gesichtspunkt; auf die Wellenbewegung, die ein in's Wasser fallender Stein erzeugt, gründete er eine Theorie des Schalles; den Wirkungen des stießenden Wassers auf die Form seiner Kanäle entnahm er 3* (513)