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Fritz Raab: Leonardo da Vinci als Naturforscher

gingen in ganz Italien gerühmte und gesuchte Kelche, Reliquien­kästchen und Bijouterien hervor, und seine Gemälde mit dem harten, fast reliefartigen Gepräge ihrer Gestalten verleugnen nicht die kräftige Hand des Goldschmieds. Doch war Verocchio ein Künstler im wahren Sinne des Wortes, und bewies durch die Reiterstatue des Generals Colleoni in Venedig, daß er den höchsten Anforderungen der damaligen Zeit zu genügen ver­mochte. Sowie der Meister selbst heute am Schmelzofen, mor­gen an der Staselei thätig war, so hielt er auch seine Schüler zu den verschiedenartigsten Arbeiten an. Die Kunst stand hier im engen Bund mit dem Handwerk, und nur die geistige Be­gabung schied den Künstler vom Handwerker. Ein Blick aus die Gewerbs- und Handelsverhältnisse jener Zeit erklärt uns diese innige Verbindung in natürlicher Weise. Wie in Deutschland Nürnberg, so bildete in Italien Florenz bis • zum Ende des 15. Jahrhunderts den Mittelpunkt des Binnenhandels. Die Erzeugnisse seiner Industrie: feine Woll­stoffe, Seidengewebe, Gold- und Silberbrokate, Schmuck­gegenstände aller Art beherrschten geradezu den europäischen Markt. Durch seine gewerbliche Thätigkeit allein konnte Florenz mit den durch ihre unmittelbare Lage am Meer für den Handel mehr begünstigten Schwesterstädten, Genua und Venedig, erfolgreich concurriren. Seinem regen Gewerbfleiß verdankte es die reichen Mittel, welche die nothwendige materielle Unterlage zum Aufblühen der Künste und Wissenschaften unter den Mediceern bildeten. In jener Zeit, wo man blutige Kriege führte, um sich eines lukrativen Industriezweiges zu bemächtigen, wo Vervollkommnungen in den Fabrikationsmethoden als Staatszeheimnisie und ihr Preisgeben als Verrath am Vater­lande betrachtet wurden, kann uns der hervorragende Antheil der vornehmsten Geister an den Verbesserungen der technischen Hülssmittel nicht befremden. Und wir werden sehen in welch' ausgedehntem Maße ein so ausgezeichneter künstlerischer Genius, (483) i

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