Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

89 sichte, selbst mit Blasenbildung· beobachtet; die anfang-liebe Erleichterung machte während der Abschuppung den Sympto­men einer tödtlichcn Hirnreizung Platz. Die phlegmonöse Hautentzündung erscheint dagegen häu­figer als primäre Combination neben der Endometritis, zumal wenn gleichzeitig die Schleimhaut der Vagina ergriffen ist. Sie hat dann vorzugsweise an den grossen Schaamlippen, der inneren Fläche der Schenkel, dem Perinäum ihren Sitz. Eine umschriebene Stelle der Haut wird heiss, schmerzhaft, dunkel- geröthet, die Epidermis stösst sich ab, das biosgelegte Corium geht in Verschwärung über, die Geschwüre breiten sich in ähnlicher Weise wie die Vaginalgeschwüre aus, communiciren häufig mit denselben und richten so nicht selten bedeutende Verwüstungen an. Auf der Höhe der Krankheit entwickelt sich diese Entzündung oft aus einer secundären Blutsentmi­schung und erscheint dann bisweilen von kritischer Bedeutung. So genasen in der Epidemie zu Wien im Jahre 1821 viele Wöchnerinnen mit dem Verluste ihrer Schaamlippen, wodurch die Genitalien ein trichterförmiges Ansehen bekamen. Entzündungen anderer Gebilde und Organe, als der an­gegebenen, pflegen in dieser Form des Kindbettfiebers nur aus­nahmsweise vorzukommen. §. 70. Der Ausgang in Genesung findet fast immer Statt, wenn die sthenischc Form der Endometritis ihren Cha­racter behauptet, was jedoch nur selten bei ihrem epidemischen Auftreten der Fall ist. Am 2. bis 4. Tage der Krankheit las­sen Schmerzen und Fieber nach, ein dicker, eiterartiger Aus­fluss hält mehre Tage hindurch an, bisweilen werden häutige Klumpen unter wehenartigen Schmerzen ausgestossen; alle Se- cretionen kehren zur Norm zurück. Seltener dagegen erfolgt die Genesung bei den astheni­schen Formen der Krankheit. Alsdann sind das Fieber, die Mattigkeit und Betäubung gleich anfangs geringer, das Ge­sicht behält mehr seinen natürlichen Ausdruck, die entzündli­chen Symptome sind stärker ausgeprägt und dauern länger an. Am 3. bis 5. Tage tritt bisweilen nach einem Frostanfalle ein Nachlass des typhösen Zustandes ein unter starken Schweisseu, übelriechendem, sedimentirendemUrine oder reichlichen, flüssigen,

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