Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

67 des Leidens in den Uterinvenen verrictli. Gewöhnlich findet jedoch eine Obliteration der erkrankten Gelasse Statt, indem die verdickten Wände derselben entweder unmittelbar mit ein­ander verschmelzen, oder mit dem in Zellgewebe ungebilde­ten Exsudatpfropfe verwachsen. Die Störung der Circulation, die mit der Vcrschlicssung grösserer Venenstämme verbunden ist, wird durch den venösen Collateralkreislauf ausgeglichen, der zwar einerseits durch die Klappen erschwert wird, anderer­seits aber auch in den zahlreichen Anastomosen eine wesent­liche Erleichterung findet. Ein tödtlicber Ausgang der Metrophlebitis ohne Eitcrin- iection des Blutes wird wohl immer nur durch eine gleichzei­tige Peritonitis oder Endometritis herbeigeführt. 53. In der Regel kommt es bei Metrophlebitis zu einer Aufnahme des Eiters in die Blutmasse. Die Wirkungen derselben sind theils sogenannte allgemeine, die sich auf das Gcsammtnervensystem und die Fieberform beziehen, theils lo­cale. Sie treten in einigen Fällen schon sehr bald ein und schliessen sich unmittelbar an die früher geschilderten Symp­tome an, in anderen Fällen liegen selbst Wochen dazwischen. Das Fieber hat nachgelassen, Lochien und Milch sind zur Norm zurückgekehrt, die Kranken befinden sich scheinbar wohl, sind oft ausser Bette, oder gar nach Iiause entlassen, nur gelinde abendliche Febricitationen, Mangel an Appetit und Schlaf und eine ungewöhnliche Reizbarkeit erwecken Verdacht, den dann meistens ein plötzlich eintretender Schüttelfrost zur Ge­wissheit erhebt. Die Wirkung der Eiterinfection auf die Centralorgane des Nervensystemes erscheint unter zwei verschiedenen Gestal­ten, als typhöses oder hectisches Fieber. Ersteres characteri- sirt sich durch das vorwaltende Ergriffensein des Gehirnes. Die Kranken verfallen alsdann schnell und plötzlich, liegen wie betäubt dahin, das Gesicht ist eingefallen und entstellt, die Augen starr und gläsern, der Puls klein, schnell und unregelmässig, die Zunge trocken, ein kalter, klebriger Sclnveiss bedeckt die gelbe Haut, die Ausleerungen erfolgen unwillkührlich. Der schlafsüchtige Zustand, in dem die Unglücklichen oft still vor sich hin murmeln, wird nur selten durch plötzliches Auf­5 *

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