Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

62 zeitige, namentlich gewaltsam herbe (geführte Geburten, Blut- flüsse und Placentaroperationen, Varicositäten, Gemüthsbewe- gungen und nach Bartsch auch in der Schwangerschaft über­standene Grippe scheinen ihr Entstehen in einzelnen Fällen zu begünstigen. §. 48. Die Metrophlebitis beginnt in der Regel wie die Peritonitis »achein- bis zweitägigem Wohlbefinden im Wochen­bette mit einem Frostanfalle. In anderen Fällen erfolgt der Eintritt früher und ist weniger scharf bezeichnet. Die Wöchnerinnen zeigen alsdann bald nach der Geburt eine gewisse Unruhe, fühlen sich matt und abgeschlagen, das Gesicht hat einen lei­denden Ausdruck, der Schlaf ist kurz, unterbrochen, durch ängstliche Träume gestört. Dabei ist der Puls etwas aufge­regt, selten hart, meist klein und weich; die Haut abwech­selnd trocken und feucht, ihre Temperatur normal; der Leib voll, weich und schmerzlos, der Uterus gross, etwas hart, ein tieferer Druck auf den Fundus oder die Seitentheile weckt einen dumpfen Schmerz in der Tiefe, den die Kranken jedoch gern verläugnen; auch der obere Scheidentheil und der Mut­termund sind gegen Berührung etwas empfindlich; die Lochien dünn, sparsam, serös, röthlich oder bräunlich, bisweilen übel­riechend; von den welken Brüsten wird nur wenig wässerige Milch abgesondert. Oefters verlieren sich die angegebenen Symptome nach 5 bis 6 Tagen unter reichlichen Schweissen, stärkerem Abgänge blutiger Lochien und vermehrter Milchsecre- tion; wenn nicht, so tritt am zweiten bis dritten Tage mit ei-' nem mehr oder minder heftigen Frostschauer eine Steigerung des Fiebers ein und die Krankheit nimmt nun den gewöhnlichen Verlauf. §. 49. Die localen Symptome der Metrophlebitis sind in den meisten Fällen sehr gering und eben diese Geringfügigkeit im Vergleiche mit den übrigen Symptomen bildet im .Anfänge den hauptsächlichsten Anhaltspunkt für die Diagnose. Die Schmerzen sind selten lebhaft, meistens dumpf, fehlen oft ganz, oder treten nur bei tieferem Drucke, zumal auf die Seiten­theile des Uterus hervor. Dieser ist in der Regel von nor­maler Beschaffenheit, je nach derZeit des Eintrittes, bald grös­ser, bald kleiner, bald weicher, bald härter; in den höheren

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