Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

60 in einer späteren Zeit sichtbar werden und selbst noch den Tod herheiführen können. Die Verklebungen des Darmkanales ge­hen sich gewöhnlich durch gestörte Excretion, Schmerzen und Gefühl von Zerrung an dieser oder jener Stelle des Leibes kund, sie können durch innere Einschnürung die Veranlassung zu tödtlichem Ileus werden. Verwachsungen des Uterus behin­dern dessen Ausdehnung in späteren Schwangerschaften und le­gen so den Grund zu wiederholtem Abortus. Verschlicssung der Tubenmündungen oder Dislocation derselben zieht Un­fruchtbarkeit nach sich. Bisweilen sind zellgewebige mehr oder minder dicke Platten, die mit dem serösen Ueberzuge der Or­gane fest verwachsen sind und später oft, zumal an der Leber und der Milz durch Imprägnation mit Kalksalzcn ossificiren, die Residuen der Peritonitis. Eine geringe Menge eines abge­sackten Exsudates, wenn es durch die Verdickung seiner Wän­de isolirt erhalten wird, kann selbst Jahre lang in der Bauch­höhle getragen werden. §. 46. Wenn dagegen eine grössere Exsudatmenge Picht resorbirt wird, sei cs nun, weil die Quantität überhaupt zu bedeutend ist, oder die Abschliessung durch feste Pseudomem­branen die Wiederaufnahme ins Blut hindert, so erfolgt meist über kurz oder lang ein unglücklicher Ausgang, auch nach­dem das Kindbettlieber als solches gehoben ist. Der Leib bleibt mehr oder minder ausgedehnt und empfindlich, durch den anhaltenden Druck der Flüssigkeit werden die Gedärme com- primirt und nach hinten gegen die Wirbelsäule zu einem platt­rundlichen Klumpen zusammengeballt, die Percussion giebt überall einen matten Ton ; das Fieber besteht fort, w ird hectisch, die Kranken magern mehr und mehr ab, werden oft wassersüchtig und sterben zuletzt an Erschöpfung. Nach langer Krankheits­dauer findet man alsdann bisweilen das Exsudat in Tubcrkcl- masse umgewandelt, die als eine liniendicke Schicht das Pcri- tonäum überzieht. In anderen Fällen wird durch den fortwährenden Contact mit dem verhaltenen Eiter eine eiterige Schmelzung der densel­ben umschliessendcn Pseudomembranen und des darunter liegen­den Peritonäums begründet und so entstehen theils Ulcerationen

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