Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - II. Anomale Formen
103 Geschwulst wird weich und schwappend , dann tritt nur selten noch Resorption ein, gewöhnlich erfolgt der Aufbruch unter den bekannten Symptomen, obwohl oft erst sehr spät und nachdem bereits eine bedeutende Verwüstung in der Tiefe Statt gefunden bat. Bei jauchigem Zerfalle des Exsudates ist der Aufbruch unvermeidlich und hat in der Regel eine weit um sich greifende Verschwärung zur Folge. Der Ausgang in Verhärtung, w obei das Exsudat sammt dem inbegriffenen Gewebe in eine zeilig-fibröse oder speckartige Masse degenerirt, wird nur selten bei dem epidemischen Vorkommen dieser A flection beobachtet. X. Kindb e tt fi eb e r mit vor waif end cm Leiden des Ne rvcnst/st eme s. Forme anomale ou utajcique ( Toneile ). §. 80. Diese Form des Kindbettfiebers, in welcher die nervösen Symptome die Hauptrolle spielen, erscheint selten und meist nur auf der Höhe der Epidemieen. Die localen Entzündungen fehlen bei derselben entweder ganz oder sind von geringer Bedeutung. M ir müssen annehmen, dass der Krank- heitsprocess innerhalb der Blutmasse verläuft und dass die verhaltenen pathischcn Stoffe von hier aus eine störende Einwirkung auf die Centralorgane des Nervensystems ausüben, deren materielle Basis uns unbekannt ist. Immer ist das Gehirn vom Anfänge an mit betheiligt. Die Symptome tragen bald den Character der Excitation, bald der Depression an sich. Analogieen sprechen dafür, dass ausser dem ursprünglichen Tonus des Nervensystemes vorzüglich die Menge der pathischcn Stoffe, die mit dem Blute kreisen, denselben bestimmt, Aus den genauen Versuchen, die Wright über die Wirkung des Mutterkorns an Thieren angestellt bat, ergiebtsich z.B., dass eine conccntrirtc Dosis dieses Giftes die Thätigkeit des Nervensystemes augenblicklich paralysirt, während eine geringere zuerst Aufregung, dann Abnahme dor Energieen hervorbringt. Gewöhnlich bald nach der Geburt, seltener erst am 2. oder 3. Tage w erden die Wöchnerinnen von einem Frostschauer befallen, dem Hitze mit kleinem, sehr beschleunigten Pulse folgt. Bisweilen sind Anfangs leichte Schmerzen in der Uterin-