Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)
Dritter theil. Seine Anerkennung nach dem Tode
50 nunmehr 47 Jahren zuerst ausgesprochenen Grundsätze, die uns immer wieder aus allen diesen Wandlungen, zeitweiligen Rückschritten und wirklichen Fortschritten leuchtend entgegentreten. Die Feststellung der Grundzüge der Aetiologie und Verhütung des Kindbettfiebers stellten eine hygienische Grösst hat dar, wie wir nur noch wenige aufzuweisen haben. Eine Zahl werde das klar machen. Nach Böhr starben in Preussen in 60 Jahren 3 63.6 2 4 35) lebenskräftige Frauen an Kindbettfieber, während in gleicher Zeit 360.000 Menschen an Cholera, 431.287 an Pocken starben. Da bei letzteren Krankheiten Männer, Kinder und Greisinnen inbegriffen sind, könne man sagen, dass an Kindbettfieber mehr Frauen gestorben sind als an Cholera und Pocken zusammen. Hueppe schliesst seine vortreffliche Festrede über Semmelweis mit folgenden Worten: „Jede einzelne seiner Leistungen in Ursachenforschung und Seuchenbekämpfung müsste genügen, Semmelweis dauernd eine hervorragende Stelle in der Geschichte der ärztlichen Wissenschaft und Kunst zu sichern, zusammen stellen sie eine einzige Leistung dar, wie sie wohl nur selten einem der unserigen beschieden sein dürfte. So muss sein Leben und seine Leistung uns stets zur Nacheiferung anspornen. So hat Semmelweis gelebt und gewirkt: Zum Stolze seiner Vaterstadt Budapest, zur Ehre seines ungarischen Vaterlandes, zum Ruhme seines deutschen Volkes,36) zum Wo hie der ganzen Menschheit,“ Diese bedeutende Rede37) findet man im ersten Bande der „Comptes-Rendus et Mémoires“ des VIII. internationalen Congresses für Hygiene und Demographie. Ebendaselbst findet man auch das schon erwähnte \V idmungs- schreiben, welches Semmelweis im Jahre 1860 bei Uebergabe seines Hauptwerkes an die k. ungarische Akademie der V issen- schaften geschrieben hat und welches sowohl in der ungarischen Originalsprache als auch in französischer Uebersetzung den Con- gressisten als Festgabe überreicht worden ist. 35) Vergl. Zweifel, Antrittsvorlesung zu Leipzig, 1887, p. 17. 3Ö) Vergl. unten p. 51. 37) Vergl. auch Berliner klinische Wochenschrift 1894, Nr. 36 und 37.