Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

Semmelweis’ Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber. anderen Patienten waren ; diese Vorsicht bezieht sich zunächst auf das Oberkleid, das meistens zur Uebertragung der krankheitserzeugenden Stoffe beiträgt. Sobald aber Rothlauf oder Typhus herrschen, so wäre dieselbe Vorsicht auch im Wochenbette zu befolgen. „Nach was immer für einer Leichenöffnung, oder nach einer Operation an einem an Erysipel oder am Typhus erkrankten Individuum soll der Chirurg so sorgfältig als nur möglich seine Hände waschen und seinen Anzug gänzlich ändern, bevor er eine Kreissende berührt; auch die Handschuhe sind nicht ausser Acht zu lassen, da ja Hände und Arme die das Gift zunächst übertragenden Theile des Körpers sind.“ „Sobald aber die Krankheit in eines Arztes Praxis sich festgesetzt hat, so sollte er sich 2—3 Wochen gänzlich von seinem Wohnorte entfernen, vollends seine Kleidung ändern, die sorgfältigsten Waschungen vornehmen und jedweden Krankheitsfall vermeiden, der die Quelle thierischen Giftes sein könnte.“ „Eine ähnliche Mittheilung, die Róberton macht, erregte un- gemeines Aufsehen in England. Eine Hebamme, die im Kreise der von der Wohlthätigkeitsgesellschaft verpflegten Gebärenden und Wöchnerinnen eine sehr ausgebreitete Praxis hatte, pflegte eine Wöchnerin, die am Puerperalfieber starb. In dem darauffolgenden Monate (December 1830) war sie in weit auseinander gelegenen Stadt1 theilen bei 30 Geburten thätig, 16 von diesen Wöchnerinnen wurden vom Puerperalfieber befallen und starben. — Dieser Umstand war um so auffallender, als beiläufig 380 Geburtsfälle vorfielen, die von derselben Gesellschaft nur durch Hebammen besorgt wurden, und die, mit alleiniger Ausnahme der früher erwähnten, ohne alle Störungen genesen sind. Die Aerzte der Anstalt drangen ernst darauf, dass die Hebamme sich aufs Laud begebe und ihre Praxis für einige Zeit aussetze.“ „Kurze Zeit nach diesem Beschlüsse zeigte sich das Puerperal­fieber an vielen Punkten der Stadt und in der Praxis von anderen Hebammen und Aerzten; bis Juli wüthete es mit einer Heftigkeit und in einer Ausdehnung, die in Manchester kaum je vorgekommeu war.“ „Róberton nimmt es nicht auf sich, zu erklären, auf welche Art die Uebertragung der Krankheit in dem Falle der Hebamme statt­gefunden habe, will aber hierbei noch zweier Fälle erwähnen, die nach seiner Ansicht beweisen, dass die Krankheit von einer Kranken auf die Andere übertragen wurde. — Ein Arzt nämlich führte bei einem armen, am Puerperalfieber leidenden Weibe den Catheter ein, und wurde noch in derselben Nacht zu einer Frau gerufen,. um ihr Beistand bei ihrer Geburt zu leisten; am Morgen des zweiten Tages darauf bekam die Frau Schüttelfrost und die übrigen Zeichen der beginnenden Krankheit. — Ein anderer Arzt wurde während einer Leichenöffnung an einer am Kindbettfieber Verstorbenen zu einer Geburt geholt; 48 Stunden darauf ergriff dieselbe Krankheit auch diese Frau.“ „Churchill1) berichtet uns, dass Campbell in Edinburg an­fangs nicht an die Contagiösität der Krankheit geglaubt, später aber seine Ansicht geändert, und in einem Briefe an L. L e e die nach­folgenden Beispiele erzählt habe.“ „Er secirte im October 1821 die Leiche einer nach Abortus am 0 On the diseases of Women bei Fleetwood Churchill, 3. edit, Dublin 1850.

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