Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

86 Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber. ihnen wurde von dem Leichname weg zu einer Geburt gerufen; die.se und noch einige rasch auf einander von ihm entbundene Frauen starben am Puerperalfieber. Nicht besser erging es seinen beiden Collégén, die in kürzester Frist nach jener Leichenbesichtigung auch Fälle von Kindbettfieber in ihrer Praxis beobachteten. Der Zufall führte sie nach einiger Zeit wieder zusammen, sie klagten sich gegen­seitig ihre Unglücksfälle. Sie gaben ihre geburtshilfliche Praxis für einige Zeit auf, und hatten nach dem Wiederantritte derselben keine Krankheitsfälle mehr zu beklagen. „S. Allen in York verlor eine Reihe Patientinnen am Kindbett­fieber, doch nur im ersten dieser Fälle war er im Stande irgend eine Verbindung mit Erysipelas herauszufinden. — Zwei Monate hindurch war in seiner Praxis kein Fall von Puerperalfieber mehr vorgekommen, als plötzlich wieder eine von seinem Assistenten gepflegte Frau von dieser Krankheit befallen wurde; derselbe war damals mit einer Jacke bekleidet gewesen, die er zuletzt zur Zeit der Nachtwache bei einer kindbettfieberkranken Frau getragen hatte. — Der Mann der oben­erwähnten Frau wurde gleichfalls von Bauchfellentzündung befallen, die alle Merkmale des Puerperalfiebers an sich trug und tödtlich endete. Uebrigens war dies, so viel Allen weiss, der einzige Fall von Uebertragung der Krankheit auf die Umgebung der Kranken, der sich in seiner Praxis ereignete.“ So weit reichen die schriftlichen Antworten jener Collégén, die Storrs befragt hatte. Storrs führt nun in Folgendem seine eigene Erfahrungen an, die nach seiner Meinung durchgehends beweisen, dass die Krankheit contagiös sei, die nach ihrer überwiegenden Mehrheit zeigen, dass ihr Ursprung in einem animalischen Gifte zu suchen sei, die nicht selten bösartige Krankheiten bei Anderen hervorbrachten, und die alle die Fruchtlosigkeit der ärztlichen Behandlung und gerade des­halb die äusserste Nothwendigkeit von Vorbauungsmitteln nachweisen. I. „Am 8. Jänner 1841 leistete Storrs Frau D. bei einer Geburt Beistand; am selben Tage war er auch bei Frau Richardson be­schäftigt, die an gangraenescirendem Rothlauf litt; beide Frauen be­dienten sich derselben Wärterin. Frau D. starb am Puerperalfieber und ihre Schwester bekam Typhus, nachdem sie selbe gepflegt hatte.“ II. „Am 13. Jänner war Storrs bei der Geburt der Frau B. anwesend, auch sie starb; einige Tage hierauf bekam ihre Schwieger­mutter Typhus, an dem auch sie starb. Die Wärterin, die beide ge­pflegt hatte, bekam, wie ihr Sohn, gleichfalls den Typhus, von dem sie sich jedoch erholten.“ III. „Gleichfalls am 13. Jänner war Storrs bei dem Geburts­geschäfte der Frau Par. zugegen, die gleichfalls starb; ihr Gatte war zur selben Zeit am Erysipel mit typhösem Fieber erkrankt, von dem er sich jedoch erholte. Eine benachbarte Freundin der Verstorbenen hatte Erysipelas, Pleuritis und Abscess, doch genas sie; nicht so glücklich war ihre Wärterin, die am Typhus starb.“ „Eine IV. und V. Kranke erholten sich und verursachten auch bei Niemand ähnliche Krankheiten.“ VI. „Am 12. Februar eröifnete Storrs au der obengenannten Frau Richardson einen Abscess und ward hierauf bei der drei englische Meilen entfernt wohnenden Frau P. beschäftigt, die ebenfalls starb.

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